Auf dem Gärtnerhof Callenberg gibt es seit einer Flächenerweiterung im vergangenen Herbst genug Platz für mehr Hühner. Die ersten Eier waren bereits ausgebrütet und die Küken brauchten ein gemütliches Heim. So entstand die Idee für das Projekt, ein Hühnerhaus mit den Schülern der 5. Klasse der Rudolf-Steiner-Schule zu bauen.

Unterstützung fanden die Mitwirkenden bei Anna Fleischhauer, Schülerin der 11. Klasse. Sie hat für ihre Jahresarbeit das Thema "Massentierhaltung und deren Alternativen" gewählt. Anna übernahm die Vorbereitungsarbeiten für den Bau. Eine artgerechte Hühnerhaltung ist nach Bio- oder im konkreten Fall Demeter-Richtlinien streng geregelt, und so wurden die Größe des Hauses, der Platz für Freilauf, für Sitzstangen und Brutplätze für 50 Hühner im Vorfeld von der Schülerin geplant.


Materialmenge berechnet

Damit die Schüler und ihre Klassenlehrerin in der Mathematikepoche die Materialmengen berechnen konnten, baute Dietrich Pax vom Gärtnerhof ein Modell des Hühnerhauses. So bekamen sie eine Vorstellung vom Objekt und konnten ihre Kenntnisse über Längen- und Flächenberechnungen nutzen beziehungsweise erweitern sowie die Anzahl der Latten, Balken und Platten ausrechnen. Dietrich Pax erhielt die Materialliste, und der Bau konnte in der darauffolgenden Woche beginnen.


Viele Fragen zu klären

"Wie viele Hühner können zusammenleben? Sollen alle Sitzstangen im Stall gleich hoch sein oder sollen sie ansteigend angeordnet sein, damit die ranghohen Tiere oben sitzen können? Sind alle gesetzlichen Vorschriften für Biohühner eingehalten? Wie fair gehen wir mit Nutztieren um? Was können wir tun, damit die Hühner artgerecht und zufrieden gehalten werden?" Diese Fragen beschäftigten die Beteiligten.

Die Schüler haben abwechselnd in kleineren Gruppen zusammen mit Dietrich Pax, Anna Fleischhauer und Katrin Gerboth (Mitarbeiterin beim Gärtnerhof) gearbeitet. Die Grundkonstruktion aus Balken wurde gebaut. Dazu mussten die Längen gemessen und mit der Handsäge abgesägt werden, wobei nicht nur die genauen Maße, sondern auch die Rechtwinkligkeit der gesägten Kanten wichtig waren.


Möglichst wenig Verschnitt

Weitere Balken wurden auf den Grundrahmen gesetzt und mit Winkeln befestigt. "Sägen ohne zu viel Verschnitt ist eine Aufgabe", sagte Pax dabei. Es entstand eine Zwischenetage, die später als Boden des Hauses dienen soll. Danach folgte der Aufbau der Wände mit Rahmen bauen, Leisten einsetzen, innen OSB-Platten festschrauben, dann Dämmung einpassen und außen mit Nut- und Federbrettern verkleiden.
Während eine Gruppe baute, lösten andere Schüler in der Klasse Rechenaufgaben rund ums Hühnerhaus und die Hühnerhaltung, zum Beispiel "Wie viel fressen Hühner pro Tag?".


Erstaunlich motiviert

Die Motivation der Schüler war erstaunlich. So kam es, dass nach Unterrichtsschluss fast jeden Tag noch freiwillig "Überstunden" geleistet wurden.
Krönender Abschluss war das Setzen des Firstbalkens und das Anstoßen mit Limonade zum Richtfest. Nach einigen weiteren Arbeiten durften im Spätsommer 50 Hühner in die neue Hühnervilla einziehen.
Der Gärtnerhof Callenberg hat sich zum Ziel gesetzt, 300 Hühner der unterschiedlichsten Rassen zu halten, ohne Küken zu töten. So können in Zukunft mehr Eier und Hühnerfleisch von glücklichen Hühnern verkauft werden.