Es ist ein Gelenk-Muldenkipper aus dem Hause Volvo, der an prominenter Stelle am Stand von Rolly Toys bei der Spielwarenmesse steht. "Das ist ein echter Prototyp", sagt Geschäftsführer Frank Schneider und muss über diesen Begriff aus der Automobilbranche dann selbst lachen. Dabei ist ihm gar nicht so so wohl dabei, dass das Tretfahrzeug schon während der Entwicklungsphase auf der weltgrößten Messe für Spielzeug und Spielwaren steht: "Die Konkurrenz läuft ja auch mit offenen Augen durch die Gegend."

Denn spätestens hier kommen die Unterschiede zur Automobilbranche dann doch zur Geltung: Beim Auto steckt das, was sich als Idee zu klauen lohnt, meist unter der Motorhaube. Beim Tretfahrzeug eher nicht, erklärt Schneider: "Da ist es das Design." Nah am Original müsse dies sein - und dennoch strengen Vorschriften für Kinderspielzeug entsprechen. Eine Gratwanderung, bei der man gerne mal schaut, was die Konkurrenz macht. Denn der Antrieb ist überall gleich, er funktioniert über eine Kette.


Dann sollen sie halt kommen

Case, Caterpillar, John Deere - es sind auch die bekannten Markenlogos aus dem amerikanischen Raum, die dank nicht billiger Lizenzen auf den Tretfahrzeugen von Rolly Toys zu sehen sind. Angst, dass ihm die von der US-Reigerung angedrohten Strafzölle den Markt verhageln, ist bei Frank Schneider nicht zu spüren: "Wenn sie kommen, dann kommen sie halt." Freilich: Sechs von zehn Fahrzeugen aus Neustadter Produktion gehen in den Export. Aber der Kernmarkt des Unternehmens liegt schon noch in Europa und nicht in Übersee. Deshalb schaut der Geschäftsführer auf ganz anderes Kundenklientel, wenn er nach Risiken für den Rolly-Toys-Markt sucht: die Landwirte, zum Beispiel. Wenn (wie im vergangenen Jahr) der Milchpreis im Keller ist und Teile der Landwirtschaft jeden Cent umdrehen müssen, dann merkt das Rolly Toys real an den Verkaufszahlen für Spielzeug-Traktoren.

Aber Rolly Toys, das sind ja nicht nur Traktoren, Unimogs und Volvo-Muldenkipper, sondern auch Kunststoff-Schlitten. Der spontanen Hochrechnung, dass die schneereichen vergangenen Wochen dieser Produktionssparte dicke Zuwächse beschert haben müssten, nimmt Schneider schnell den Wind aus den Segeln. Nachdem die vergangenen drei Winter in vielen deutschen Regionen quasi komplett schneefrei stattfanden, waren nämlich die Lager der Fachhändler noch gut gefüllt. "Wenn der Winter etwas gebracht hat, dann werden wir es in der kommenden Saison merken." Wenn die Händler ihre Bestände wieder auffüllen.


Die Spielzeugstraße ist wieder im Aufwind

Auf positives Echo in der Branche stößt Spielzeugkiste des Vereins Deutsche Spielzeugstraße. Davon konnte sich Landrat Michael Busch (SPD) als Vorsitzender des Vereins beim Besuch der Spielwarenmesse Nürnberg überzeugen.

Barbara Fehn-Dransfeld, Geschäftsführerin des Neustadter Traditionsunternehmens Heunec, hat die mit regionalem Spielzeug gefüllte Kiste in ihrem Dauershop auf dem Nürnberger Messegelände stehen. Erst jüngst, berichtete Fehn-Dransfeld, habe eine Delegation des Nürnberger Gewerbeaufsichtsamtes bei ihrem Besuch Inhalt und Gestaltung der Kiste ausdrücklich gelobt.

Die Kiste selbst ist komplett "Made in Spielzeugstraße" - nicht nur beim Inhalt (Artikel im Wert von über 200 Euro zum Preis von 179 Euro), sondern auch bei der Verpackung. Die Holzkiste wird nämlich vom Ebersdorfer Kinderzimmer-Ausstatter Roba geliefert. "Eine klasse Idee" sei die Kiste, findet Fehn-Dransfeld, die seit jeher das Geschehen des Spielzeugstraßen-Vereins aktiv verfolgt. Eine "kritische Verfechterin, aber auch treue Begleiterin" sei sie da, sagte der Vereinsvorsitzende. Die Spielzeugkisten werden über die Spielzeugstraße vermarktet. Ursprünglich waren sie hauptsächlich als Ausstattung für die Kinderbereiche in Arztpraxen gedacht, zuletzt haben nach Angaben von Michael Busch aber auch zunehmend Gaststätten die Kisten für ihre Spielecken bestellt.

Nachdem es in der jüngeren Vergangenheit nicht so recht lief, fühlt Barbara Fehn-Dransfeld die Deutsche Spielzeugstraße inzwischen wieder auf einem guten Weg. Es sei immer ein Stück Überzeugungsarbeit, regionale Firmen für eine Beteiligung zu gewinnen, berichtete die Heunec-Geschäftsführerin. Michael Busch setzt dabei auch große Hoffnungen auf den jungen Tourismusverein fürs Coburger Land und Südthüringen. Seit dieser den Aspekt der Spielwarenregion als Thema aufgegriffen habe, spüre auch der Verein Deutsche Spielzeugstraße wieder Aufwind.