"Ich hatte acht Stunden Chemotherapie hinter mir", sagt Manfred K. (Name von der Redaktion geändert). "Was hätte ich denn machen sollen?" Dann erzählt er seine Geschichte. Eine Geschichte, die fassungslos machen kann.

Manfred K. ist schwer krebskrank. Operationen und Chemotherapien in den vergangenen Wochen und Monaten haben ihn geschwächt. "Ohne Rollator kann ich nicht vor die Tür", sagt er. Deshalb war er froh, als er diese Hilfe vor rund vier Wochen bekommen hat, die ihm wenigstens einen Teil seiner Eigenständigkeit zurück gibt. "Seitdem gehe ich jeden Tag wenigstens eine Stunde raus".

Schwer krebskranken Mann wird Rollator gestohlen - er stürzt beim Versuch den Dieb aufzuhalten

Raus, das ist für ihn vor allem der Stadtkern von Rödental. In einem Laden für Zeitschriften und mit einer Lottoannahmestelle, holt er sich manchmal einen Kaffee. "Am Dienstag habe ich mir eine kalte Limo gekauft", sagt er. Nach der Chemotherapie hatte er Durst. Seinen Rollator ließ er vor der Tür stehen. Im Laden achtete er kaum auf einen älteren Mann, der vor ihm nach draußen ging.

Als Manfred K. seine Limo gezahlt hatte und dem anderen Kunden folgte, musste er feststellen, dass der Mann mit seinem neuen Rollator wegging. Dafür hatte er einen alten ziemlich heruntergekommenen Rollator vor dem Laden stehen gelassen, mit dem er dort angekommen war.

"Ich bin ihm noch nach, aber ich hatte ja kaum noch Kraft, nach der Chemo", schildert er den Tathergang. Trotzdem habe er den Dieb, der ja erst wenige Meter weit gekommen war, noch am Hemd zu fassen bekommen. Er sei aber gestürzt, als der sich losriss.

Passanten bemerkten Vorfall - sie lachen und helfen nicht

Der ganze Vorfall blieb nicht unbemerkt. "Da kamen drei Leute dazu, aber die haben mir nicht geholfen. Die haben den nicht aufgehalten. Und mir hat keiner hoch geholfen, die haben gelacht und sind einfach weitergegangen."

Die Mitarbeiterinnen aus dem Laden hörten Manfred K. rufen. Sie halfen ihm, riefen die Polizei. "Die waren wirklich schnell da", sagt er. Den Dieb konnten sie aber nicht finden. Allerdings habe sich später herausgestellt, dass der alte Rollator, den der etwa 70 Jahre alte Mann zurückgelassen hatte, ebenfalls bereits gestohlen worden war. Hilfe bekam Manfred K. dann schnell und unbürokratisch über ein Sanitätshaus und die Krankenkasse. Ein schnell eingereichtes Attest des Hausarztes - und er bekam einen neuen Rollator. Die Hoffnung, den Dieb zu schnappen, ist wohl gering. Der gestohlene Rollator der Marke Invacare, silberfarben, ist ein häufig zu findendes Modell. Der Schaden beläuft sich auf ungefähr 100 Euro.

Mit seinem neuen Rollator ist der Schaden für Manfred K. zumindest materiell behoben. Was ihn noch lange beschäftigen wird, das ist der Mangel an Hilfsbereitschaft der Zeugen dieses Vorfalls. Einen Täter aufzuhalten, der selbst auf einen Rollator angewiesen ist, hätte keinen Heldenmut erfordert. Und einem Mitmenschen nicht auf die Beine zu helfen, wenn er gestürzt ist und es alleine kaum schafft, sondern ihn auch noch auszulachen. Das zu erleben, hat ihn verletzt und tief enttäuscht.