Hochbetrieb auf dem Jahrmarkt der vokalen Eitelkeiten. Wenn Tenöre gleich im schick frisierten Dutzend die Bühne des Coburger Kongresshauses entern, darf sich das Publikum auf allerlei singende Kraftmeierei, auf (gespielte) Gockeleien in hohen und höchsten Lagen einstellen.

"The 12 Tenors" nennt sich eine reisende Truppe junger Vokalisten aus den USA und Polen, aus Großbritannien und Deutschland, die seit Jahren durch die Lande reist und schon manche personelle Fluktuation erlebt hat. Bozen und Bamberg, Donaueschingen und Heidelberg, Saarbrücken und Leipzig - so liest sich ein flüchtiger Auszug aus dem dicht getakteten Reiseplan der Truppe. Insgesamt mehr als 80 Auftritte in knapp dreieinhalb Monaten - ein wahrer Marathon der Spitzentöne.
Im Gepäck der Sänger-Schar: eine reichlich bunte Mischung aus Opern-Arien, Operetten-Hits und Pop-Klassikern.


"O Fortuna" zum Auftakt

Bereits zum fünften Mal sind die Tenöre in Coburg zu Gast, wo sie eine beachtlich zahlreiche Fan-Gemeinde zu besitzen scheinen. Der Andrang jedenfalls ist groß, die Begeisterung schon nach den ersten Titeln nicht minder. Carl Orffs wohl bekannteste Nummer aus den "Carmina burana" liefert die Ouvertüre des Abends: "O Fortuna".

Was dann folgt, ist eine gründlich einstudierte, routiniert und effektvoll in Szene gesetzte Folge von bewusst kontrastreich ausgewählten und gruppierten Stücken. Tempo, Tempo, Tempo ist das Motto dieser Show, die weder an Lichteffekten noch an choreografischen Zutaten spart. Große Gesten haben Hochkonjunktur an diesem Abend. Immer wieder treten die Tenöre einzeln an die Rampe, breiten emphatisch die Arme aus, wenn sie von der Liebe singen, wenn sie Anlauf nehmen zum nächsten Spitzenton.

Denn auch das gehört zum festen Repertoire bei den Gastspielen dieses Tenor-Dutzends - der durchaus selbstironisch in Szene gesetzte Wettstreit der Spitzentöne. Wer kann am lautesten singen? Wer hat die höchsten Töne in petto? Und wer kann diese Töne am längsten aushalten? Die ausgewählten Stücke bieten immerhin reichlich Gelegenheit, mit immer neuen gesanglichen Höhenflügen Applaus heraus zu kitzeln. Unverwüstlich populäre Canzonen wie "Torna Surriento" oder "O Sole Mio" dienen an diesem Abend jedenfalls vornehmlich dazu, immer wieder mit Spitzentönen zu prunken.


James-Bond-Medley

Daneben freilich bleibt genügend Raum für andere stilistische Akzente mit Hits von Michael Jackson und effektvoll arrangierte James-Bond- und Queen-Medleys. Zu dieser bunten Vielfalt an Stilen liefert eine dreiköpfige Band reaktionsschnell und wandlungsfähig den passenden Sound-Track. Die solistischen Aufgaben sind dabei geschickt verteilt und auf die unterschiedlichen Stimmcharaktere ausgerichtet. So gibt es unter den zwölf Tenören einige schlanke Musicalstimmen, andererseits aber auch veritable Opernstimmen mit beachtlicher Durchschlagskraft.

Immer wieder kokettieren die Sänger selbstironisch mit typischen tenoralen Allüren. Diese Mischung jedenfalls zündet beim fleißig umschmeichelten Coburger Publikum, das freigiebig und ausdauernd Applaus spendet.