Auch in Zeiten von Corona kann Kultur sicher gelebt werden: "Es war richtig toll, eine Woche lang jeden Tag ein gut gefülltes Haus zu haben", sagt Museumspädagogin Alexandra Taschner beim Telefonat mit dem Coburger Tageblatt am Sonntagmittag. "Gerade läuft noch die Figuren- und Blechspielzeugbörse, in unserem Haus. Es ist gut was los. Unter anderem werden Brettspiele und Elastolin-Figuren der Neustadter Firma Hausser angeboten." Bereits vor Beginn der Veranstaltungswoche sei man sehr optimistisch gewesen, was die Resonanz betrifft. Schließlich war das Puppenfestival die erste Veranstaltung seit langem in der Puppen- und Figurenszene. "Wir hatten Reisegruppen aus Schwaben, Österreich und Tschechien zu Besuch."

Nicht nur der finale Programmpunkt des Puppenfestivals, sondern auch die Auftaktveranstaltung am letzten Sonntag fand in und um das Museum der Deutschen Spielzeugindustrie herum statt. "Die Auftaktveranstaltung war das erste Mal am Hindenburgplatz. 2018 hat es gestürmt und die Jahre davor war sie noch am Marktplatz. Unser Museum war richtig schön integriert", erzählt Taschner vom vergangenen Wochenende.

Zahlreiche Besucher unter der Woche

Auch unter der Woche war das Museum gut besucht. "Es waren immer wieder Kombikartenbesitzer da, die sich die Ausstellung ,Zeiten-Wechsel' und das Museum angesehen haben", sagt Taschner. Besonders viel Zulauf hatten die "Lebenden Werkstätten" am Freitag und der Familientag am Samstag. "Am Freitag haben Künstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und Miniaturisten zeitgenössische Figurenkunst präsentiert."

Miniaturisten stellen Artikel für Puppenhäuser und -stuben her. "Wir hatten zum Beispiel einen Scherenschnittmacher da, der kleine Bildchen für die Wände macht, und eine Dame, die Wurst- und Obstteller herstellt", zählt die Museumspädagogin auf. Die Besucher hatten die Möglichkeit, den Künstlern über die Schultern zu schauen und die Materialien einmal selbst in die Hand zu nehmen. "Beim Familientag hat das Wetter gut mitgespielt. Kinder hatten die Möglichkeit, selbst Holzpuppen anzumalen oder Anziehpüppchen zu basteln. Die Künstler waren auch noch einmal da."

Keine unbeschwerte Veranstaltung

Nicht nur Museumspädagogin Alexandra Taschner, sondern auch Martin Stingl (SPD) ist zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. In Summe war die Planung der einwöchigen Veranstaltungsreihe aufwendiger als in "normalen Jahren", sagt der Zweite Bürgermeister der Stadt Neustadt: "Das Konzept musste je nach Einstufung der aktuellen Corona-Verhältnisse umsetzbar sein - wir hatten Glück, dass die Maßnahmen in der letzten Woche entsprechend gelockert waren und dass wettermäßig alles einigermaßen in Ordnung war."

Die Planung des Puppenfestivals fällt schon seit Jahren in den Zuständigkeitsbereich von Martin Stingl. Obwohl er mit der Anzahl der Teilnehmer an der Sammlerbörse und am Flohmarkt sowie den Besucherzahlen zufrieden ist, hatte das "Festival Light" seiner Meinung nach nicht den Charme einer unbeschwerten Veranstaltung. "Nach dem Ausfall im Vorjahr war die Angst groß, dass ein solches Festival nicht mehr auf die Beine kommt. Sehr viele Besucher und Präsentierende haben uns wissen lassen, dass es ganz wichtig war, dass das Festival ausgerichtet wurde", sagt Stingl. So konnte bewiesen werden, was trotz Auflagen möglich ist.

Veranstalter sind optimistisch

Auf den Kernpunkt des Puppenfestivals wurde in diesem Jahr bewusst verzichtet. "Der Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis für zeitgenössische Puppenkunst ist der Nukleus, aus dem unser Festival geboren wurde. Normalerweise werden Puppen aus aller Welt eingereicht", berichtet der Zweite Bürgermeister vom eigentlichen Vorgehen. Die Corona-Regeln hätten es nicht zugelassen, Kunstwerke aus weit entfernten Ländern, wie etwa Korea, nach Neustadt einführen zu lassen. "Wir hatten darüber diskutiert, den Preis auf deutscher oder europäischer Ebene durchzuführen, und uns dann einstimmig dagegen entschieden. Wir wollen lieber richtig an den Start gehen, wenn es möglich ist." Stingl geht nicht davon aus, dass 2022 ein Puppenfestival ohne Einschränkungen möglich sein wird. Trotzdem ist er optimistisch. "Wir werden das Festival gemeinsam mit Sonneberg nächstes Jahr an den Start bringen."