Stimmengewirr am Bühneneingang des Landestheaters und auf den Gängen zwischen Kantine, Intendantenbüro und Zuschauerraum. Stimmengewirr wie am ersten Schultag, wenn die Klassen eingeteilt, die Klassenlehrer vorgestellt und die Neuen begrüßt werden. Stimmengewirr im Landestheater am Vormittag des ersten Probentages.


"Schöne Spielzeit" - das ist die Formel dieses Vormittags. Sänger begrüßen Schauspieler, Bühnentechniker begrüßen Tänzer. Stimmgemurmel auch im Zuschauerraum des Landestheaters. Hier sitzt an diesem Vormittag nicht das zahlende Publikum, sondern das versammelte Personal, das ansonsten auf oder hinter der Bühne tätig ist, von der neuen Schauspieldramaturgin bis zum neuen Ersten Kapellmeister.


Für sie alle hat Intendant Bodo Busse am Anfang seiner inzwischen bereits sechsten Coburger Spielzeit jene Formel parat, die zu diesem Anlass obligatorisch ist: "Die
schreckliche theaterlose Zeit ist nun vorbei!"


Die erste Ansprache des Intendanten zum Probenauftakt ist immer auch eine Art Regierungserklärung. Urlaubserinnerungen mischen sich mit motivierendem Lob, scheinbar Privates schlägt unvermittelt um in Politisches - gerade in diesen Zeiten, in denen kaum ein Tag vergeht ohne erschütternde Meldungen über das Leid von Flüchtlingen.


Theater in Zeiten der Gewalt

Menschen sterben auf der Flucht nach Europa. Sie ertrinken im Mittelmeer, ersticken in den Kühlwagen skrupelloser Schlepper oder müssen um ihr Wohlergehen fürchten, wenn Flüchtlingsheime von rechtsextremem Pöbel bedroht werden.


Darf man in solchen Zeiten Theater spielen. Man darf. Nein: Man muss! Davon ist Coburgs Intendant Bodo Busse fest überzeugt - auch wenn sich die Formen des gesellschaftlichen Widerstands, über die das Theater verfügt, oftmals als scheinbar nur symbolisch darstellen.


Vor diesem Hintergrund sieht Busse das Theater mit seinen Premieren, mit seinem künstlerischen Angebot vor neuen Herausforderungen, die auch Einfluss haben auf das, was dem Publikum als Inszenierung auf den verschiedenen Bühnen des Landestheaters angeboten wird. Damit meint Busse freilich nicht vordergründig politisch sich gebendes Theater. Busse ist sich wohl bewusst, dass die Theatermacher auch in Coburg das gemeinsame Projekt im Zeichen der Humanität in "sehr prekären Zeiten" verfolgen.


Doch den erschreckenden Meldungen über Flüchtlingsschicksale und gewaltbereiten und gewalttätigen Fremdenhass hält Busse eine Kultur der Empathie entgegen. Und das Theater ist für ihn der Ort, wo man die Fähigkeit lernen kann, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, in ihre Wünsche, ihre Hoffnungen und Ängste.


Die Flüchtlingsströme, die sich auf Europa zu bewegen, sind Busses Überzeugung nach der "Beginn einer neuen Völkerwanderung." Seine Einschätzung ist klar: "Wir haben es hier zu tun mit einem transkulturellen Umbruch."
In einer Welt, die aus den Fugen geraten scheint, ist das Theater nicht die Insel der Seligen, aber aus Busses Sicht nicht nur mit seinen künstlerischen Darbietungen ein Modell, wie das Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Herkunft funktionieren könne. Seine Formal klingt ebenso lapidar wie einleuchtend: "240 Mitarbeiter, 20 Nationen, ein Theater - es geht doch!"





So startet das Landestheater Coburg in die Spielzeit 2015/2016



Samstag, 12. September Theaterfest zur Coburger Muse umsnacht mit Gala-Konzert, im Landestheater, Beginn: 15.30 Uhr

Sonntag, 13. September Soiree "Lorbeerkranz und Silberglanz" - Wilhelmine Schröder-Devrient in Coburg: Eine klingende Hommage mit Kristin Ebner, 18 Uhr
Freitag, 18. September Frayn "Der nackte Wahnsinn", Wiederaufnahme, 19.30 Uhr, Großes Haus

Samstag, 19. September Bellini "Norma", Premiere, 19.30 Uhr, Großes Haus

Samstag, 19. September
Wiederaufnahme "Tschick", 20 Uhr, Theater in der Reithalle
Sonntag, 20. September Matinee "Wie im Himmel", 11 Uhr, Theater in der Reithalle

Samstag, 26. September Zeller "Der Vogelhändler", Wiederaufnahme, 19.30 Uhr, Großes Haus

Samstag, 26. September van Gogh "Das Interview", Premiere, Reithalle, 20 Uhr