Der große helle Cowboy-Hut ist sein Markenzeichen. Mit Cowboy-Hut präsentierte er sich auch bei seinem zweiten und bislang letzten Coburg-Gastspiel: James Francis Gill. Der 87-jährige Texaner genießt als Ikone der Pop-Art längst Legendenstatus neben Andy Warhol und Roy Lichtenstein. Im Frühjahr kehrt er in die Region Coburg zurück - diesmal nicht zur Galerie Späth, die ihn 2016 und 2017 präsentiert hatte, sondern ins Kunstforum Schloss Hohenstein.

In den historischen Mauern des Kunstforums soll er Garant dafür sein, dass der inmitten der Corona-Krise erfolgreiche Start 2021 mit einer Bob-Dylan-Schau eine Fortsetzung mit zugkräftigem Namen findet. Die intensiv farbenfrohen Arbeiten von Gill sollen ab Mitte April auf Hohenstein gezeigt werden.

35 Werke zu sehen

Während Gill 2017 in der Remise der Galerie Späth in Coburg Unikate und Serigraphien präsentierte, werden auf Hohenstein in der Ausstellung James Francis Gill "Women in Cars" rund 35 Werke gezeigt. Kurator Stefan Zipfel verweist auf die kunsthistorische Bedeutung des Malers: "Anfang der 1960er Jahre wurden die ersten Werke von James Francis Gill in die ständige Sammlung des Museum of modern art in New York aufgenommen" - darunter ein Gemälde der "Women in Cars". 60 Jahre später zeige das Kunstforum Schloss Hohenstein "Gills atemberaubende Neuinterpretationen" der "Women in Cars", verspricht Zipfel. Wenige Tage zuvor wird zudem im Stadtmuseum Deggendorf, das eine Kooperation mit dem Kunstforum eingegangen ist, eine weitere Gill-Schau eröffnet.

Nach Bob Dylan nun James Francis Gill - das Vertrauen auf zugkräftige Namen passt zu den ehrgeizigen Plänen des Kunstforums, das ganz gezielt überregionales Interesse nach Schloss Hohenstein locken will.

Das Kunstforum Schloss Hohenstein soll sich jedoch auch über die Gill-Schau hinaus weiterentwickeln. "Die zuvor begrenzte Ausstellungsfläche wurde erweitert", erklärt Kurator Stefan Zipfel: "Die erweiterte Ausstellungsfläche wird für weitere Kunstprojekte genutzt." Die gemeinnützige Oskar Hacker-Stiftung, die hinter dem Kunstforum steht, will nach eigenem Bekunden Forschung, Bildung, Kunst und Kultur fördern - auch in Verbindung mit Kooperationspartnern.

Kulturpreis wird verliehen

Zu diesen Partnern zählt neben dem Coburger Design-Forum Oberfranken inzwischen auch die private Akademie der Bildenden Künste Kolbermoor. In Zusammenarbeit mit dieser freien Akademie will das Kunstforum künftig jährlich eine Meisterschülerin oder einen Meisterschüler präsentieren. Zum Auftakt der Kooperation wird dies Martina Kolle sein. Sie studierte bei Markus Lüpertz und besuchte 2017/2018 dessen Meisterklasse in Kolbermoor. Begleitend zu den Coburger Designtagen werden Arbeiten der Münchner Künstlerin vom 25. Mai bis Ende Oktober auf Schloss Hohenstein ausgestellt.Damit freilich nicht genug. In diesem Jahr setzt das Kunstforum zudem seine Ankündigung um, einen Kulturpreis zu verleihen. Für das Jahr 2022 wird der Wortmaler Sascha Lehmann alias Saxa ausgezeichnet. "Saxa konnte mit seinem geschriebenen Porträt von Oskar Hacker auf ganzer Strecke überzeugen", erklärt Zipfel. Die Preisverleihung ist für den 25.Mai geplant.

Rund um das Kunstforum Schloss Hohenstein

Ausstellungstipp James Francis Gill "Women in Cars", 15. April bis 14. August. Die Ausstellung kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Diese Führungen finden jeweils von Freitag bis Sonntag statt: 10 Uhr, 12 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr. Reservierungen unter stephan.zipfel@kunstforum.schloss-hohenstein.com.

Eintritt fünf Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren freier Eintritt

Stiftung Im Hintergrund des Kunstforums Schloss Hohenstein steht die Oskar-Hacker-Stiftung und mit ihr deren Vorstand Ralph Veil, der ein Großneffe des 2016 verstorbenen Stifters ist. Hacker hatte das aus dem 14. Jahrhundert stammende Schloss im Jahr 1976 erworben und grundlegend restaurieren lassen. Aussteller wollen Schloss wie Park Hohenstein nutzen, das Eigentum der gemeinnützigen Stiftung Oskar Hacker ist.

Stiftungszweck sind Förderung der Kunst, Förderung des Erhalts der Denkmäler in Park und Schloss. kunstforum.schloss-hohenstein.de

James Francis Gill wurde 1934 in Tahoka, Texas, geboren. Bereits 1962 nahm das New Yorker Museum of modern art sein aus drei Tafeln bestehendes Gemälde "Marilyn Triptych" in seine ständige Sammlung auf. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, 1972, zog Gill sich dann zurück, um sich erst nach rund 30 Jahren wieder in der Kunstszene zu zeigen. Gills Anerkennung gründete sich nicht nur auf die Porträts berühmter Persönlichkeiten, sondern in großem Maße auf jene Werke, die den politischen Machtapparat und den Krieg an sich infrage stellten. Ab etwa 2010 beginnt Gills späte kreative Phase, in der er sich - im Gegensatz zu den früher dominierenden politischen Motiven - wieder verstärkt auf die Darstellung klassischer Pop-Art-Ikonen konzentriert.