Früh um fünf Uhr herrscht rege Geschäftigkeit. Mehrere Schritte voneinander entfernt stehen Tische und einige Stühle. Darauf bunte Plastikkörbe. Jedes Körbchen ist etwa so groß wie ein DIN A4-Blatt und mit einer Nummer versehen. "Darin sind die Utensilien für jede unserer Pflegetouren", sagt Jeannette Görlach. Eine Mitarbeiterin des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in der Coburger Parkstraße hat Pflaster und Mullbinden, Insulinspritzen und Medikamente, Schlüssel und Dokumentationen schon für die Kolleginnen des Ambulanten Pflegedienstes zusammengesucht und auf den Tischen verteilt. "So können die Mitarbeiter Abstand zueinander halten", so die Pflegedienstleiterin.

Auf Hygiene bedacht sind die Kräfte in der ambulanten Seniorenpflege der verschiedenen Hilfsorganisationen schon seit jeher. Seit sich der Covid-19-Virus mehr und mehr ausbreitet, hat sich der Stellenwert von Hygiene nochmals um ein Vielfaches erhöht. Waren Einmalhandschuhe bei den Mitarbeitern der ambulanten Pflegedienste schon immer ständiges Utensil bei der Arbeit, ist jetzt ein Mund- und Nasen-Schutz unabdingbar, der Verbrauch von Handschuhen und Desinfektionsmitteln ist seit Wochen immens gestiegen.

Die ständige Sorge ums Material

"Das größte Problem für uns stellt zurzeit die Materialbeschaffung dar", sagen unisono Thomas Schwesinger vom Regionalverband Coburg des ASB und Juergen Beninga vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK), Kreisverband Coburg. Die beiden Geschäftsführer haben "mit eklatant gestiegenen Preisen" für Mund- und Nasen-Schutz zu kämpfen. "Masken lassen wir auch nähen, um Mitarbeiter und Patienten zu schützen", so Juergen Beninga vom BRK. Und angesichts der höheren Einkaufspreise - "ein Mitarbeiter macht zurzeit im Homeoffice nur das" - bleibt ihm nur, sich in das Schicksal zu fügen. "Wir müssen unser Personal schützen, etwas anderes ist nicht denkbar."

Mit einem Partner versucht ASB-Geschäftsführer Schwesinger, Masken auch direkt in China zu ergattern. Bei den FFP-2-Masken ist nach den Worten von Juergen Beninga die Versorgungslage "ziemlich dünn". Ein einfacher herkömmlicher Mundschutz sei vor der Corona-Pandemie mit nicht einmal zehn Cent bezahlt gewesen, "jetzt bewegen sich die Preise um 1,50 Euro netto", berichtet Thomas Schwesinger vom ASB.

Desinfektionsmittel für Hände und Flächen sind zusätzlich allgegenwärtig und in ständiger Anwendung. "Jeder Schlüssel, den die Mitarbeiter wieder mitbringen, wird desinfiziert, überhaupt alles", so Thomas Schwesinger.

Auf Distanz

Die karitativen Organisationen haben ihre internen Abläufe umgestellt. Die Mitarbeiter vermeiden Nähe zueinander. "In unseren Sozialstationen sind möglichst wenige Mitarbeiter gleichzeitig und die halten auch Abstand zueinander", stellen die Geschäftsführer von BRK und ASB fest. Die Pflegerinnen kommunizierten über Mobiltelefone und Messengerdienste.

Keine Tagespflege mehr

Eingestellt haben BRK und ASB das Angebot der Tagespflege. "Das ist schon traurig, wenn alles bereit ist, aber die Tagespflege nicht stattfinden kann", meint Juergen Beninga. Aber der Gesundheitsschutz habe nun absoluten Vorrang. Gleichwohl achteten die Pflegekräfte vor Ort auf Corona-Symptome bei den überwiegend älteren Menschen.

Für alleinstehende ältere Menschen sind die Mitarbeiterinnen der ambulanten Pflegedienste oft der einzige soziale Kontakt. Kinder sollen Abstand zu ihren hochbetagten Eltern halten und damit fehlen diese menschliche Nähe und Zuwendung. "Die Senioren sind oft nun noch mehr allein", stellt Pflegedienstleiterin Görlach vom ASB fest. Einige wenige Patienten haben aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken, auch ausgesetzt. Da sei der Hausnotruf ein kleiner Ersatz für fehlende Besuche "und vermittelt gerade jetzt auch etwas mehr Sicherheit", weiß Alexandra Müller. Schutzausrüstung gehöre bei den Mitarbeitern des Hausnotrufs jetzt ebenfalls zur Grundausstattung.

Sollten sich Patienten der ambulanten Pflege mit dem Coronavirus infiziert haben, hat der Arbeiter-Samariter-Bund ein eigenes Fahrzeug für das Personal abgestellt. "Darin sind Schutzanzüge und entsprechende Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel vorhanden. Die Sitze sind mit Einweg-Kunststoffbezügen versehen." So hofft man, das Virus nicht weiter zu verbreiten.

Bislang haben habe man in den eigenen Reihen noch keine Infektionen, so BRK und ASB in Coburg. "Aktuell sind wir noch im Regelbetrieb", sagt Thomas Schwesinger (ASB).

Caritas richtet sich nach dem Robert-Koch-Institut

Beim Caritasverband wurden laut Pressemitteilung ebenfalls Maßnahmen eingeleitet, um die Klienten zu schützen. Einkäufe und medizinische Besorgungen würden beispielsweise nur noch vom Personal alleine durchgeführt, um den Kontakt zu anderen Menschen zu vermeiden. Dienstpläne und Touren seien angepasst worden, so dass eine Kontinuität in der Versorgung für Pflegekräfte und Patienten gewährleistet ist. Weitere Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Klienten seien nach Empfehlung des Robert-Koch-Instituts umgesetzt worden, teilt Tatjana Wohlleben von der Caritas-Verwaltung mit.