Ein hochkarätig besetztes Symposium mit einem öffentlichen Teil am Freitag, 24. Januar, findet auf Einladung der ÖDP in Coburg statt. Zentrales Thema der Veranstaltung ist "Wirtschaft ohne Wachstumszwang". Moderiert wird die Veranstaltung vom Fernsehjournalisten Uwe Brückner, der in Bad Rodach geboren wurde und unter anderem Programmleiter des Landesfensters "TV Bayern live" bei RTL war.

In der Einladung zum zweitägigen Symposium (dessen Vorträge und Diskussionen am Samstag nur für geladene Gäste gedacht sind) bezeichnet sich die 1982 ÖDP als "wachstumskritisch". Da aus Sicht der Partei die Richtigkeit zahlreicher Untersuchungen zu den Grenzen des Wachstums erwiesen ist, stellt sich für die ÖDP, auch im Zeichen der sich verschärfenden Klimadiskussion, die Frage, wann das geforderte Umsteuern in den Wirtschaftssystemen beginnen soll. Das Symposium soll zur Aufklärung der Frage beitragen, wie ein Wirtschaftssystem, das idealer Weise ohne weiteres Wachstum auskommen soll, denn in der Praxis umgesetzt werden könnte, ohne dass es zu gesellschaftlichen und sozialen Verwerfungen kommt.

Das sind die Diskussionsteilnehmer in Coburg

Mathias Binswanger (*1962 in St. Gallen) ist ein Schweizer Ökonom. Er ist Professor für

Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten, Privatdozent an der

Universität St. Gallen und Publizist. Vertritt, ähnlich wie sein Vater Hans Christoph Binswanger,

die These eines Wachstumszwangs in der Geldwirtschaft. Seine Modelle des Wirtschaftskreislaufs

entfachten eine Kontroverse zum Thema des Wachstumszwangs Ausführlich dargestellt in dem 2019 erschienenen Buch "Der Wachstumszwang - Warum die Volkswirtschaft immer weiterwachsen muss, selbst wenn wir genug haben."

Irmi Seidl (* 1962 in Holzkirchen, Oberbayern), dt. Ökonomin, Hochschullehrerin. Sie leitet

die Forschungseinheit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Eidgenössischen

Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Seidl ist eine wachstumskritische

Ökologische Ökonomin, die sich mit der Herausforderung des Vorsorgenden Wirtschaftens

und den ökologischen Folgen von Wirtschaftswachstum, Landnutzung und erneuerbare Energien

auseinandersetzt. Spricht sich dafür aus, eine ökologische Steuerreform durchzuführen.

Christian Kreiß (* 1962 in München), dt. Ökonom, seit 2002 Professor für Finanzierung und

Wirtschaftspolitik an der Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft. 2013 legte er zusammen

mit Stefan Schridde eine Studie zur geplanten Obsoleszenz vor. Weitere Publikation u.a. "Geplanter

Verschleiß: Wie die Industrie uns zu immer mehr und immer schnellerem Konsum antreibt - und wie wir uns dagegen wehren können."

Oliver Richters (*1986), Physiker und Ökonom, promoviert an der Carl von Ossietzky Universität

Oldenburg zu ökonomischen Nichtgleichgewichtsmodellen und Wachstumszwängen. Er

war Vorsitzender der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ), ist Mitglied des Instituts

für zukunftsfähige Ökonomien (ZOE) und als Referent, Science Slammer und Kabarettist tätig.

Publikation: "Marktwirtschaft reparieren - Entwurf einer freiheitlichen, nachhaltigen und gerechten

Utopie"

Jörg Sommer (*1963 in Heilbronn), dt. Kinder- und Jugendbuchautor, Umweltschützer, ist seit

2009 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Umweltstiftung. Außerdem ist er Vorsitzender

des Stiftungsrates der Kant-Stiftung. Von 2014 bis 2016 war er zudem als Vertreter der gesellschaftlichen Gruppen Mitglied in der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe (Endlagerkommission).

Isabella Hirsch (Feuchtwangen), deutsche Landwirtin, 2. Landesvorsitzende der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) Bayern und Vorsitzende der AbL-Franken, betreibt

einen Ferienhof, Motto: Wir sollten viel öfter mal einen Gang runterschalten und ganz bewusst das Leben genießen.

Martin Quaas (*1974 in Düsseldorf), dt. Physiker, Wirtschaftswissenschaftler Hochschullehrer,

2010 bis 2018 Professor für Umwelt-, Ressourcen- und Ökologische Ökonomik in Kiel. Seit

Oktober 2018 Professor für Biodiversitätsökonomik in gemeinsamer Berufung am Deutschen

Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung - iDiv sowie an der Universität Leipzig.

Die Diskussion findet im Kongresshaus Coburg statt. Einlass für die Öffentlichkeit ist um 18.45 Uhr, die Diskussionsrunde ist von 19.30 bis 22.15 Uhr angesetzt. Am nichtöffentlichen Teil des Symposiums Wachstumskritik nimmt unter anderem der Coburger Landwirt Dietrich Pax als Referent teil. Er spricht zum Thema "Landwirtschaft unter Rücksichtnahme auf Mensch und Natur".

red