Auch wenn der gesellschaftliche Zusammenhalt und die deutsch-türkische Freundschaft eigentlich keinen Beweis mehr gebraucht hätten: Die Ur-Neustadter und ihre türkischen Mitbürger haben die Herausforderung eines großen, gemeinsamen Festes mit Bravour gemeistert. Unter der Schirmherrschaft des Landtagsabgeordneten Jürgen W. Heike (CSU) bildete ein dreitägiges Programm auf dem Parkplatz Lindenstraße den Rahmen für das Neustadter Kulturfestival der türkisch-islamischen Gemeinde (DITIB).

Abwechselnd gestalteten türkische und deutsche Gruppen auf der Festzeltbühne eine bunte Programmfolge für alle Altersgruppen. Sie reichte von Darbietungen des heimischen Weidach-Kindergartens und mitreißenden Auftritten türkischer Folkloretänzerinnen über musikalische Live-Höhepunkte aus beiden Kulturkreisen bis zur kraftvoll kämpferischen Taekwandodarbietungen und Moscheeführungen.

Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturkreise

Bei seinen Bemühungen, das über Länder- und Glaubensgrenzen hinweg reichende gemeinsame Erlebnis in den Mittelpunkt zu stellen, fand Ramazan Kurt als Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde tatkräftige Unterstützung bei der Stadt- und Landkreisverwaltung. "Ich hoffe, dass das Kulturfest in Zukunft zum Bestandteil des Neustadter Veranstaltungsprogramms wird", führte Kurt aus. Gleichzeitig lobte der Vorsitzende die Möglichkeit, Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturkreise zu fördern.

Köfte statt Bratwürste

Zu jenem Austausch haben nicht zuletzt die vielen kulinarischen Schmankerln beigetragen. Das vor den Augen der Gäste in aufgestellten Zelten zubereitete Angebot reichte von Kebab und Köfte über Fladenbrot und knackigen Salaten bis zu verführerischen Süßigkeiten. Natürlich nicht zu vergessen die türkische Teezeremonie.

"Nur wenn wir bereit sind, offen und ohne Vorurteile tolerant miteinander umzugehen, entstehen Vertrautheit und Freundschaften", unterstrich Jürgen W. Heike. Als Schirmherr blicke er mit Stolz auf Integrationswillen und kulturelle Bereicherung türkischer Mitbürger, bis er seinen Willkomm in türkischer Sprache zum Ausdruck brachte. Für Juli kündigte er einen Informationsbesuch des Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung in Neustadt an.

Auf die Ziele des mit einem Informationsstand vertretenden Netzwerks für Menschenrechte und Demokratie "Wir sind bunt - Coburg Stadt und Land" verwies Landrat Michael Busch (SPD). Die zunehmende Akzeptanz türkischer Kultur lobte Busch als festen und wichtigen Bestandteil gesellschaftlicher Ereignisse in Stadt und Landkreis. "So wird aus dem Nebeneinander ein Miteinander", unterstrich der Landrat nachdrücklich.

Eine große Gemeinde

Für die Stadt Neustadt erinnerte Dritter Bürgermeister Martin Stingl (SPD) an die Entwicklung der gemeinsamen Festivitäten aus kleinsten Anfängen heraus. Die Treffen gelebten Miteinanders vor der Moschee wanderten nun über den Alexandrinenplatz zum neuen Standort am Lindenplatz. Für die Entwicklung zur Dauereinrichtung sicherte Stingl die Unterstützung der Stadt zu.

Selbst für Erhan Cinar (Vorsitzender des DITIB-Landesverbandes) war der Weg von Nürnberg nach Neustadt nicht zu weit. Als "Chef" von 60 gleichgesinnten Gemeinden lobte er die 1985 ins Leben gerufene Türkisch-Islamische Gemeinde Neustadt mit inzwischen mehr als 350 Mitgliedern als die größte in Nordbayern.