Kirchen und ihre Immobilien in Coburg - das ist derzeit ein sehr spannendes Thema mit durchaus gegenläufigen Tendenzen. Denn während die evangelische Kirche ihren Immobilienbestand reduzieren muss und vor wenigen Wochen das sanierungsbedürftige Gemeindezentrum St. Lukas an einen privaten Investor verkauft hat, geht die Neuapostolische Kirchengemeinde (NAK) Coburg den umgekehrten Weg - mit einem Neubau.

Seit 68 Jahren hat die Neuapostolische Kirchengemeinde ihren Sitz in der Bahnhofstraße 32. Im Jahr 2017 wurde beschlossen, das längst nicht mehr zeitgemäße Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen. Der ist nun fertiggestellt. Am Sonntag fand die Einweihung statt - wegen der aktuellen Pandemie-Situation verzichtete die NAK zunächst auf einen offiziellen Festakt mit geladenen Ehrengästen. Dieser solle nachgeholt werden, sobald es die Verhältnisse gestatteten, verspricht Gemeindevorsteher Thomas Kröger. So blieb der Einweihungsgottesdienst vorerst ein Fest für die Mitglieder der Gemeinde.

Das wohl auffälligste Detail am Kirchenneubau: die goldgelbe Fassadenfarbe. Diese stand schon fest, als das Projekt im Mai 2017 erstmals dem Coburger Bau- und Umweltsenat vorgestellt wurde. Auch über einen Standortwechsel wurde nachgedacht. Weil sich aber kein geeignetes Grundstück finden ließ, blieb die NAK dort, wo 1953 ihr erstes festes Gotteshaus in Coburg eingeweiht worden war.

Mehrzweckräume geschaffen

Das neue Kirchengebäude ist zum einen gottesdienstliche Versammlungsstätte für die Kirchengemeinde Coburg. "Mit den Mehrzweckräumen, die flexibel nutzbar sind, erfüllt das neue Kirchengebäude zugleich die Funktion eines Gemeindehauses, in dem vielfältige Aktivitäten des Gemeindelebens ihren Platz finden können", heißt es in der Beschreibung der NAK.

Insgesamt 22 Monate dauerte die Bauzeit für das moderne Gebäude. Planung und Bauleitung hatte das Architekturbüro umarchitekt aus Bamberg übernommen. Als Leitgedanken für den Entwurf des neuen Kirchengebäudes standen laut NAK die beiden Aufgaben im Mittelpunkt, die Wahrnehmung der Kirche im Stadtraum zu verstärken und ein offenes Zentrum für religiöses Leben zu schaffen.

Einladende Geste

Mit seiner klaren geometrischen Form hebt sich das neue Kirchengebäude deutlich von den benachbarten Villen mit ihren historischen Fassaden ab, füge sich aber trotzdem harmonisch ein.

Die sakrale Bedeutung des Ortes werde betont, heißt es in der Beschreibung der NAK. Der Haupteingang öffnet sich, wie schon beim vorherigen Gebäude, zur Bahnhofstraße - eine einladende Geste hin zur Stadt. Gleichzeitig biete der Neubau Intimität für Gottesdienste und weitere religiöse Veranstaltungen.

Der neue Kirchenvorplatz vor dem Haupteingang diene als Treffpunkt, an dem die Besucher ankommen und sich sammeln können, bevor sie das Kirchengebäude betreten, beschreibt die NAK. Der Haupteingang, über den die Kirchenbesucher das Gebäude barrierefrei erreichen, führt direkt in ein zweigeschossiges Foyer, das durch große Fensterflächen mit Tageslicht durchflutet wird.

Auf geradem Weg werden die Besucher vom Foyer aus unter der Orgelempore hindurch in den Kirchensaal geleitet. "Dies ist der größte und wichtigste Raum im Gebäude, in dem Gottesdienste gefeiert, Sakramente gespendet und Segenshandlungen durchgeführt werden."

Den zentralen Punkt im Kirchensaal bildet der Altar.

Die Neuapostolische Kirche Coburg besteht seit dem Jahr 1926. Zunächst kamen die Gemeindemitglieder in verschiedenen gemieteten Räumen zusammen. Auf einem Ruinengrundstück, in der Bahnhofstraße 32, entstand schließlich das Kirchengebäude, das am 3. Oktober 1953 eingeweiht wurde.

Nach einem Hochwasser in den 1980er Jahren behielt das Kirchengebäude Feuchtigkeitsschäden zurück. Im Jahr 1987 wurde es generalsaniert, doch die Schwachpunkte wie die Raumaufteilung und vor allem die fehlende Barrierefreiheit blieben. So entschied sich die NAK letztlich für den Abriss des alten Gebäudes und für einen jetzt fertiggestellten Neubau.