Fast zwei Stunden lang saßen am Dienstag die Spitzen von Stadt Coburg und Coburger Polizei in einer Videokonferenz zusammen. Kein Wunder, es gab ja auch einiges zu besprechen und aufzuklären. Allen voran: Wie konnte es am Montagabend zu der peinlichen Situation kommen, dass viel zu wenige Polizisten in der Coburger Innenstadt waren, um bei den "Spaziergängern" eine Einhaltung der erstmals geltenden Maskenpflicht durchzusetzen?

Und, nächste Frage: Wie ist das weitere Vorgehen? Denn die Allgemeinverfügung, in der unter anderem die Maskenpflicht festgelegt wurde, galt ausschließlich für den Montag dieser Woche.

Nun, die Stadt Coburg will es noch einmal versuchen! In einer Presseerklärung teilte sie am frühen Dienstagabend mit, dass es auch für einen etwaigen "Spaziergang" in der kommenden Woche eine Allgemeinverfügung geben werde.

OB bittet Innenminister um Hilfe

Unabhängig davon, ob diese neue Allgemeinverfügung identisch ist mit der vorherigen: Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) will sich in den nächsten Tagen sowohl mit dem Polizeipräsidium Oberfranken als auch mit dem Präsidium der Bereitschaftspolizei sowie sogar mit dem bayerischen Innenminister in Verbindung setzen. Er wolle um eine "verbindliche Unterstützung der Coburger Polizeikräfte" bitten. Denn die Coburger Polizei wurde an diesem Montag schlichtweg alleine gelassen.

Wie Stefan Probst, der Sprecher der Coburger Polizei, dem Coburger Tageblatt erklärte, sei ein Zug der Bereitschaftspolizei Bamberg, der eigentlich zur Unterstützung nach Coburg kommen sollte, am Montagnachmittag kurzfristig abgezogen und zu einem anderen Einsatzort geschickt worden. Wie viele Polizisten dadurch plötzlich in Coburg fehlten, wollte Probst nicht sagen. In der Regel besteht ein Zug aber aus 20 bis 35 Beamten.

Aufgrund der völlig veränderten Personalsituation musste dann "ein anderer Einsatzschwerpunkt" gesetzt werden, wie Stefan Probst berichtete. Denn die vorhandenen Polizisten wären nie und nimmer in der Lage gewesen, bei den fast 700 "Spaziergängern" die Einhaltung der Maskenpflicht durchzusetzen. Stattdessen wurde entschieden, dass nunmehr die Vermeidung von Zusammenstößen zwischen den "Spaziergängern" und den Teilnehmern der erstmals angemeldeten Gegendemonstration oberste Priorität hat. Und, immerhin: Das gelang! Selbst zwei knifflige Situationen in der Rosengasse und in der Herrngasse konnte die Coburger Polizei entschärfen. "Wir haben dort als Puffer zwischen den beiden Lagern fungiert und deeskaliert", erklärte Probst.

Kritik am aggressiven Ton

Den plötzlichen Personalmangel bei der Polizei hält OB Sauerteig für "kontraproduktiv". Denn der Sinn der Allgemeinverfügung sei gewesen, Gleichheit zwischen Demonstranten herzustellen, die sich an die Spielregeln halten, anmelden und Masken tragen, und den sogenannten "Spaziergängern", die sich bislang zumindest nicht an die Grundregeln des Demonstrationsrechts gehalten hätten.

Doch der OB hat sich auch noch über etwas anderes geärgert: Die Teilnehmer der angemeldeten Gegendemonstration seien "zeitweise leider verbal aggressiv " gewesen. Dazu Sauerteig wörtlich: "Jeder kann seine Meinung in unserer Stadt kund tun. Aber er oder sie sollte dies friedlich tun."