Die Zeiten sind anstrengend für Kultur-Fans und Kultur-Schaffende in der Region. Endlich darf wieder Theater gespielt werden vor größeren Zuschauerzahlen, endlich kann das Publikum Aufführungen des Landestheaters live erleben. Doch welche Kost ist jetzt die richtige? Will das Publikum nach eineinhalb Jahren mit überwiegend schlechten und beunruhigenden Nachrichten vor allem unterhalten werden? Oder verträgt es inmitten der Corona-Nöte auch auf der Bühne herausfordernde Themen?

In seiner vorletzten Coburg-Spielzeit hat sich Intendant Bernhard F. Loges zum Premieren-Auftakt für die Variante anspruchsvolles Programm entschieden. Knapp ein Dreiviertel-Jahrhundert nach der Uraufführung war Wolfgang Borcherts Heimkehrer-Drama "Draußen vor der Tür" als Neuinszenierung zu erleben - eine fraglos mutige Entscheidung. Das Publikum aber ließ sich rückhaltlos ein auf spannendes Kammerspiel.

Riskant auch die Wahl der Eröffnungspremiere im Großen Haus mit einem in Deutschland wenig bekannten Musical, das die psychische Erkrankung einer Mutter in den Mittelpunkt stellte. Doch auch hier durfte sich die Theaterleitung von der Reaktion des Premieren-Publikums bestätigt fühlen. Die Erstaufführung von "Next to Normal" wurde mit ausdauernden Ovationen gefeiert - beinahe so, als wolle das Publikum das Pandemie-Gespenst mit seinem Applaus vertreiben...