Die Musik ist eine mächtige Zauberin. In ganz besonderen Momenten kann sie sogar scheinbar längst vergangene Zeiten wieder lebendig werden lassen. Dann erweckt sie zum Beispiel Architektur des Barock regelrecht zum Leben wie bei der "Musik zur Marktzeit", die in diesem Jahr in der barocken Schlosskirche der Coburger Ehrenburg stattfindet.

Dass St. Moriz wegen der Generalsanierung des Kirchenraums für rund eineinhalb Jahre nicht zur Verfügung steht, bringt für Coburgs Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein zwar viele Einschränkungen mit sich, wird bei der Auftakt-Matinee künstlerisch jedoch zum Glücksfall. Denn im prachtvoll verzierten barocken Ambiente der Schlosskirche erklingt Musik, die ziemlich genau zu jener Zeit komponiert wurde, in der auch der sakrale Raum in der Ehrenburg erbaut wurde, der Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts entstand.

Ansturm der Besucher ist bemerkenswert

Der Andrang, ja der Ansturm der Besucher ist jedenfalls bemerkenswert. Auch der allerletzte Platz in den Bankreihen ist besetzt.

Die Geigerin Megumi Ikeda und der Cembalist Gary O'Connell haben sich für ihre Matinee Werke von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Carl Philipp Emanuel Bach ausgesucht. Mit drei Sätzen aus der E-Dur-Partita für Violine solo von Johann Sebastian Bach eröffnet Megumi Ikeda den Vormittag. Preludio, Loure und die bekannte Gavotte en Rondeaux geben der koordinierten 1. Konzertmeisterin des Landestheaters die Gelegenheit, gleichermaßen souveräne Technik wie sorgfältige Phrasierung und einfühlsame musikalische Gestaltungskraft zu demonstrieren.

Gemeinsam mit Gary O'Connell interpretiert sie dann Georg Friedrich Händels viersätzige E-Dur-Sonate aus op. 1 mit schönem Ton und intensivem Ausdruck. Während sich Gary O'Connell bei Händels Sonate als einfühlsamer Begleiter erweist, demonstriert er dann bei einem der "18 Probestücke" von Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel seine solistischen Fähigkeiten.

ZwischenEmpfindsamkeit und Sturm und Drang

Am Kern-Cembalo, dem Nachbau eines Instruments von Michael Mietke aus dem Jahr 1710, zeigt O'Connell feines Gespür für den besonderen Stil Carl Philipp Emanuel Bachs, der in diesem Allegro di molto in f-Moll zwischen Empfindsamkeit und energisch aufbegehrendem Sturm und Drang pendelt.

Spannungsvolles Wechselspiel demonstrieren Megumi Ikeda und Gary O'Connell dann zum Abschluss bei der A-Dur-Sonate für Violine und obligates Cembalo von Johann Sebastian Bach - einem höchst anspruchsvollen Werk, in dem beide Instrumente gleichermaßen wichtige Rollen übernehmen.
Begeisterter Beifall der Zuhörer dankt den Interpreten.


So geht es weiter


Musik zur Marktzeit Schlosskirche der Coburger Ehrenburg, jeweils Samstag, 11 Uhr, Dauer, etwa 30 Minuten, Eintritt frei, Spenden erbeten

Die Termine
14. Juni - Fabian Ammer (Posaune), Arno Seifert (Orgel)
21. Juni - Hen-Chih Lin (Posaune), Markus Ewald (Orgel)
28. Juni - Sabine Kubik (Flöte und Gesang), Reinhold Schelter (Orgel)
5. Juli - Posaunenchor St. Moriz, Leitung: Peter Stenglein
12. Juli - entfällt (Samba-Festival)
19. Juli - Kantorei St. Moriz, Leitung: Peter Stenglein
26. Juli - Gabriele Hirsch (Orgel)
2. August - Cintia Bittencourt (Orgel)
9. August - Dorit Kunstmann (Gesang), Peter Stenglein (Orgel)
16. August - Peter Stenglein (Orgel)
23. August - Ensemble CantiCo
30. August - Julia Lucas (Gesang), Markus Ewald (Orgel)