Coburg
Auftritt

Musik macht's möglich: internationale Harmonie in Krisen-Zeiten

Wie das junge Carousel Chamber Music Ensemble das Publikum der Coburger Musikfreunde mit seiner erfrischend ungewöhnlichen Programmauswahl beeindruckte.
Das Carousel Cahmber Music Ensemble in Coburg (von links) Vineta Sareika-Völkner, Samuel Nemtanu, Annelien van Wauwe, Mihai Cocea und Louis Rodde.Foto: Jochen Berger
Das Carousel Cahmber Music Ensemble in Coburg (von links) Vineta Sareika-Völkner, Samuel Nemtanu, Annelien van Wauwe, Mihai Cocea und Louis Rodde.Foto: Jochen Berger
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Während gerade auf der politischen Bühne rund um den Globus der längst überwunden gewählte Nationalismus eine erschreckende Renaissance zelebriert, erlebte das Coburger Publikum internationale Harmonie in jeder Hinsicht beim Gastspiel des Carousel Chamber Music Ensembles im Kongresshaus. Auf dem Podium: ein ungewöhnlich besetztes Quintett mit Musikerinnen und Musikern aus vier Nationen. Und auf den Notenpulten: Werke eines ungarischen, russischen und eines (nord-)deutschen Komponisten.

Dahinter steckt ein klares Konzept

Hinter den Auftritten dieses Ensembles steckt ein klares Konzept, das bewusst keinen Raum lässt für bloße Routine oder unkritisch befolgte Regeln der Konvention. Das beginnt schon mit der programmatisch zu verstehenden Absage an die Konvention der einheitlich schwarzen Konzertkleidung. Stattdessen dominiert gepflegte, aber sehr wohl genau aufeinander abgestimmte Buntheit. Diese sichtbare Buntheit ist freilich keine Äußerlichkeit.

Das Carousel Ensemble, 2019 von der preisgekrönten belgischen Klarinettistin Annelien van Wauwe gegründet, lebt ganz bewusst den ständigen Wechsel. Insgesamt ein Dutzend Musikerinnen und Musiker vereint dieses Ensemble, allesamt mit diversen Preisen dekoriert. In vielfach wechselnder Zusammensetzung musizieren sie bevorzugt ungewohnte Programmkombinationen — vom Klavierquartett bis zur kompletten Zwölfer-Besetzung.

Orientalische Träumerei

Zwölf unterschiedliche Programme hat das Ensemble im Portfolio. Für Coburg hatte das Carousel Ensemble die Variante Klarinetten-Quintett und Streichquartett parat. Zauberhaft der Einstieg mit Alexander Glasunows "Reverie Orientale", einem selten zu hörenden exotisch gefärbten Satz für Klarinetten-Quintett. Ebenfalls eine Rarität: das 3. Streichquartett a-Moll des ungarischen Pianisten und Komponisten Ernst von Dohnányi — in seinem spätromantischen Gestus farbenreich und sehr expressiv musiziert.

Brahms zum Ausklang

Nach der Pause eines der unbestrittenen Meisterwerke der Gattung Klarinettenquintett — das späte h-Moll-Quintett von Johannes Brahms. Dessen Entstehungsspuren führen in das von Coburg nur 65 Kilometer entfernte Meiningen. Dort war einst Richard Mühlfeld Klarinettist der dortigen Hofkapelle. Durch sein Spiel entdeckte Brahms die Liebe zur Klarinette, ließ sich inspirieren zu drei Meisterwerken.

Sein Quintett, Ende November 1891 in Schloss Elisabethenburg in Meiningen in privatem Rahmen uraufgeführt, erlebte das Coburger Publikum in einer wunderbar einfühlsamen, klangintensiven Wiedergabe — umjubelter Ausklang eines internationalen Abends.

Ausblick - Gesellschaft der Musikfreunde Coburg

Montag, 7. März Jonathan Baur (Horn), Megumi Ikeda (Violine), Kyoko Frank (Klavier), 19.30 Uhr, Kongresshaus - Schumann und Brahms

Montag, 11. April 5. Sinfoniekonzert, Alexander Schimpf (Klavier), Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg, Leitung: Daniel Carter, Werke von Dvorák und Schumann (Kooperation mit dem Landestheater Coburg)

Sonntag, 8. Mai Ingolf Turban (Violine) - Werke von Bach, Ysaye, Paganini (Kooperation mit der Msuica Mauritiana)