Der Coburger geht oder fährt jeden Tag durchschnittlich drei Wege - rund ein Drittel dieser Strecken erledigt er zu Fuß. Nur 14 Prozent der Coburger besitzen kein eigenes Auto, damit herrscht in der Vestestadt fast Pkw-Vollausstattung. Und wer ein eigenes Auto hat, der nutzt es auch. Ansonsten ist Coburg in Sachen Mobilität "auffällig unauffällig", wie man im Rahmen des Forschungsprojekts "Mobilität in Städten" an der Technischen Universität Dresden herausgefunden hat.
In über 300 deutschen Städten hat die Projektgruppe zwischen Januar und Dezember 2013 das Verkehrsverhalten von rund 130 000 Menschen untersucht, darunter auch in Coburg. Befragt wurden hier 1014 zufällig ausgewählte Einwohner (Touristen und Besucher sind nicht berücksichtigt) an einem mittleren Werktag, das heißt Dienstag bis Donnerstag. Die Forschungsgruppe ließ sich jeweils detailliert erläutern, welchen Weg ein Proband an einem bestimmten Tag mit welchem Verkehrsmittel und zu welchem Zweck zurückgelegt hat. Dies geschah in Telefoninterviews und Online-Befragungen.

Aktuelle Daten gewinnen

"Wir versuchen, so das Verkehrsverhalten der Bevölkerung zu analysieren und Veränderungen zu erkennen", erklärte Rico Wittwer von der TU Dresden, der die Ergebnisse der Mobilitätsstudie in der vergangenen Woche dem Coburger Stadtrat präsentierte. Schon seit 1972 betreut der Lehrstuhl für Verkehrs- und Infrastrukturplanung der TU Dresden kontinuierlich diese Erhebung. Die beteiligten Städte gewinnen so aktuelle Daten, die dann beispielsweise Grundlage für die Nahverkehrsführung oder die Wirtschaftsförderung sein können, wie Katja Link vom Stadtbauamt erläuterte.
Coburg folgt in den meisten Punkten dem allgemeinen Trend, allerdings nicht in allen. Rico Wittwer lieferte Zahlen: Der Anteil der mobilen Personen liegt bei 91,2 Prozent. Jeder Haushalt besitzt 1,7 Fahrräder. Jedes Auto ist durchschnittlich mit 1,4 Personen pro Fahrt besetzt. Die mittlere Länge eines Weges liegt bei 5,4 Kilometer, die mittlere Dauer bei 16,2 Minuten. Täglich verbringt jeder Coburger durchschnittlich 59,4 Minuten im Verkehr.
Betrachtet man, welche Altersgruppe wie viele Wege zurücklegt, sind die 15- bis 65-Jährigen am geschäftigsten. Hier zählten die Statistiker täglich vier Wege, wobei Frauen zwischen 25 und 45 Jahren besonders viele Wege zurücklegten, so Wittwer. Unter 15 und über 65 Jahre sind es dann nur noch knapp drei Wege pro Tag.

Fahrrad und ÖPNV

Für seine 3,7 Wege am Tag steigt der Coburger vorwiegend ins Auto (56 Prozent). 28 Prozent gehen zu Fuß, neun Prozent fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und sieben Prozent benutzen das Fahrrad, so Wittwer. Dabei gilt, je größer die Entfernung, desto eher wird das Auto aus der Garage geholt. Drei Prozent der Befragten gehen allerdings sogar Strecken zwischen fünf und zehn Kilometer noch zu Fuß, ab zehn Kilometer fahren 89 Prozent mit dem Auto (egal ob als Fahrer oder Beifahrer) und immer noch zwei Prozent mit dem Fahrrad. Der Rest setzt auf den ÖPNV.
Umgekehrt betrachtet, kommen die Analysten zum Schluss, dass fast zwei Drittel aller Wege in Coburg unter drei Kilometern lang sind. Bei einer Entfernung von unter einem Kilometer gehen dann auch fast 70 Prozent der Befragten zu Fuß. Hier sei die Tendenz steigend, ebenso wie bei Rad und ÖPNV, sagte Rico Wittwer. Insgesamt gesehen, gebe es deutliche Unterschiede im Verhalten von Jung und Alt, wobei ganz allgemein festzustellen sei, dass das "Statussymbol Auto" bei jungen Erwachsenen nicht mehr ganz so stark abschneide wie noch vor zehn bis 15 Jahren.
Überraschendes haben die Statistiker übrigens zur Lage der Pkw-Stellplätze in Coburg herausgefunden: 82 Prozent der Befragten besitzen eine Garage, einen Carport oder einen sonstigen privaten Stellplatz. Wittwer: "Ein extrem hoher Wert."