Mitsprache für die Ortsteile

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Harald Präcklein mit den zusammengetragenen Unterschriften aus Buscheller und Zeickhorn Foto: Alexandra Kemnitzer
Harald Präcklein mit den zusammengetragenen Unterschriften aus Buscheller und Zeickhorn Foto: Alexandra Kemnitzer

Damit die Kommunikation mit dem Rathaus besser klappt, soll künftig ein Ortssprecher Zeickhorn und Buscheller vertreten. Nur noch eine Formsache?

Der Gemeinderat Grub am Forst beschäftigt sich derzeit mit dem Ausbau der Ortsdurchfahrt in Busch­eller. Dass die Straße erneuert und vor allem die Schlaglöcher beseitigt werden sollen, finden die Anwohner gut. Allerdings sehen sie die Planung kritisch, denn auf der geraden und abschüssigen Strecke hält sich der überwiegende Teil der Auto- und Lkw-Fahrer nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h. Dass die Bushaltestelle verlegt werden soll, die Bordsteine höher werden und es nur noch auf einer Seite einen Gehweg geben soll, finden die Anwohner nicht gut. Und das wollen sie der Gemeinde auch mitteilen. Die hatte zwar angekündigt, dass die Einwohner über das Geplante informiert werden sollen. Diese fühlen sich aber nicht richtig gehört. Und bisher blieben die Informationen durch die Gemeinde aus. Die Wahl eines Ortssprechers soll das bald ändern. In Zeickhorn und Buscheller erhofft man sich davon, dass sich der Informationsfluss durch diese Person verbessert.

Aktuell gibt es keinen Gemeinderat, der in Zeickhorn oder Buscheller wohnt.

Weil beide Ortsteile bis zur Gebietsreform 1972 eine eigenständige Gemeinde bildeten, soll es deshalb auch nicht zwei, sondern einen gemeinsamen Ortssprecher geben. Der hat dann das Recht, an Gemeinderats- und Ausschusssitzungen teilzunehmen, und kann so auch die Einwohner in den beiden Ortsteilen über Themen aus den öffentlichen Sitzungsteilen informieren. Zudem hat der Ortssprecher laut Geschäftsordnung der Gemeinde die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden, wenn es um ortsspezifische Themen geht. Allerdings hat er kein Stimmrecht.

"Insgesamt gibt es 150 Wahlberechtigte in Buscheller und Zeickhorn", erklärt Harald Präcklein. Er gehört neben Jürgen Spatschek und Hans-Dieter Fischer zu den Initiatoren, um die Installation eines Ortssprechers für die beiden Dörfer auf den Weg zu bringen. Sollte sich niemand finden, der dieses Amt übernehmen möchte, würde sich Harald Präcklein auch bereiterklären, sich zur Wahl zu stellen. Obwohl nicht alle Bürger der beiden Ortsteile bei der Unterschriftensammlung angetroffen wurden, haben 91 Personen unterzeichnet. Das ist bereits mehr als das geforderte Drittel der in den beiden Gemeindeteilen ansässigen Bürger und reicht dicke für eine Antragstellung.

Zwischenzeitlich hat Harald Präck­lein die Liste an Bürgermeister Jürgen Wittmann übergeben. Die Wahl ist dann nur noch eine Formsache. Für die Abstimmung, die im April sein wird, ist eine Briefwahl möglich.

Dass es sinnvoll ist, die Argumente, Sichtweisen und Ideen der Anwohner bei den Planungen zu berücksichtigen, war schnell klar. Immerhin werden bis zu 400 Bewegungen auf dieser Ortsstraße verzeichnet, was eine echte Belastung für die Einwohner aus Buscheller ist. "Die Entscheidung des Gemeinderats, wie ausgebaut wird, hat mindestens für ein bis zwei Generationen Bedeutung", ist sich Harald Präcklein sicher. Er wohnt in der Ortsmitte und weiß deshalb, wovon er spricht. Die in der letzten Gemeinderatssitzung vorgestellte Planung verbessere die Situation der Anlieger nicht gerade, denkt Präcklein. Er ist optimistisch, dass durch das Mitspracherecht des Ortssprechers die Maßnahme für die Anwohner doch noch zufriedenstellend umgesetzt werden kann.

Persönliche Betroffenheit

Sein heute 28-jähriger Sohn Maximilian hat bis heute unter den Folgen eines Verkehrsunfalls zu leiden, der sich direkt vor dem Grundstück der Präck­leins ereignet hat. 1996 wurde der damals Zweijährige von einem Auto erfasst und schwer verletzt, weil er auf die Straße gerannt war. Seither sitzt der junge Mann im Rollstuhl und findet deshalb die Idee, dass die beiden Dörfer einen Ortssprecher bekommen sollen, super. "Es dürfen keine schnellen Entscheidungen getroffen werden, nur weil für diese Maßnahme eine attraktive Förderung in Aussicht gestellt wird", findet Maximilian Präcklein. Für ihn, aber auch für Menschen, die mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind, seien die hohen Bordsteine, auch Schrammbords genannt, Hindernisse. Auch der einseitige Gehweg, der zwar eine Straßenverbreiterung bringt, trägt aus seiner Sicht nicht zur Verbesserung der Fußgängersicherheit bei.

Neben dem Straßenbauprojekt gibt es viele weitere Themen in den beiden Gemeindeteilen, die durch die Installation eines Ortssprechers besser in den Gemeinderat transportiert werden können.

Dringlich sei beispielsweise die Kanalsanierung oder auch eine barrierefreie Fuß- und Radwegverbindung auf dem Gemeindegebiet zwischen Busch­eller und Zeickhorn, sagt Harald Präcklein. Seitdem der Bahnübergang bei Friesendorf offen gelassen wurde, seien beide Gemeindeteile voneinander abgeschnitten.

Präcklein betont: "An Themen und Arbeit fehlt es dem künftigen Ortssprecher der beiden Dörfer sicherlich nicht."