Zweimal im Jahr befragen Bayerns Arbeitgeberverbände in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) - VBM und BayME - ihre Mitglieder. Was bei der jüngsten Konjunkturumfrage herauskam, lässt trotz der bekannten Stellenabbau-Nachrichten von Bosch, Brose oder Schaeffler aufhorchen. Die Konjunktur trübt sich weiter ein. Die Unternehmen sehen die Lage im In- und Ausland erheblich schlechter als noch vor einem halben Jahr. Mehr noch: Die Umfrageergebnisse sind die schlechtesten seit der Wirtschaftskrise im Jahr 2009. "Die bayerische Metall- und Elektroindustrie steckt in einer Rezession. Das ist so, auch wenn es nicht so schön klingt", sagte Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender der VBM/BayME-Region Oberfranken-West, gestern bei einem Pressegespräch. Im Sommer hätten viele Unternehmer noch gehofft, das sei vorübergehend. "Aber auch die Umfrage unter den oberfränkischen Unternehmen zeigt, dass keine Besserung in Sicht ist."

Die Rezession habe nun auch die Beschäftigung erfasst. Der langanhaltende Beschäftigungsanstieg in der Branche seit 2009 sei zu Ende.

"Der Beschäftigungsrückgang wird sich im kommenden Jahr verstärkt fortsetzen", prognostizierte Kaeser. So müssten laut Umfrage knapp zwei Drittel der Unternehmen in Oberfranken Stellen abbauen. Im Jahresverlauf erwarteten die Arbeitgeberverbände im Bezirk 1000 Arbeitsplätze weniger.

Bayernweit 10 000 Jobs weniger

Das ist bei weitem keine auf Oberfranken bezogene Entwicklung. "Für 2020 befürchten wir in Unterfranken einen Rückgang um 1500 Beschäftigte", hatte die dortige VBM/BayME-Regionsvorsitzende Ingrid Hunger vor einigen Tagen angekündigt. Bayernweit geht der Hauptgeschäftsführer der beiden Arbeitgeberverbände, Bertram Brossardt, von rund 10 000 Jobs weniger aus.

Damit dürfte die Branche eine Sorge los sein, die in den vergangenen Jahren immer wieder zu hören war: den Fachkräftemangel.

Laut Umfrage sehen bei den oberfränkischen M+E-Betrieben nur noch sechs Prozent ihre Geschäftstätigkeit durch fehlende Arbeitskräfte erheblich behindert. 37,5 Prozent sehen eine "geringfügige Beeinträchtigung".

Zwei Drittel des Stellenabbaus im Inland entfallen laut VBM/BayME auf den Produktionsbereich. "Wir sind verwöhnt von den letzten zehn Jahren, wo es immer einen Beschäftigungszuwachs gab", sagte Kaeser. Immerhin waren so seit 2010 bayernweit in der Branche 155 000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden.

Längere Schwächephase

Jetzt könnten schwierige Zeiten bevorstehen. "Die Mehrheit der Betriebe rechnet mit einer länger anhaltenden Schwächephase über das kommende Jahr hinaus", gab Kaeser bekannt. Das hat Folgen. Denn auch die Investitionspläne liegen inzwischen im negativen Bereich. So würden zwei Drittel der Unternehmen in Oberfranken ihre Investitionen heuer zurückfahren. Und wer dennoch investiere, ersetze oft nur Vorhandenes.

Im Februar beginnt die nächste Tarifrunde in der Branche. Kaeser fordert, mehr Individualisierungsmöglichkeiten zu schaffen, um Firmen zu helfen, denen es besonders schlecht gehe. Auf welche betrieblichen Anpassungen die IG Metall sich dabei einlässt, wird sich zeigen.