Die ganze Alster hinauf hat man kein Problem. Aber in Oberelldorf ist Schluss, wenn man ein Schneiderkarpfen ist. Das Wehr, über das sich neben der Wahlwiese das Alsterwasser ergießt, schafft ein Schneider nicht. Ein Lachs würde hinaufspringen. Aber Lachse gibt es nicht in der Alster, und für den nur sechs bis neun Zentimeter langen Schneider ist es aussichtslos den Oberlauf zu erreichen. Dabei würde es ihm dort im ruhigen Wasser gefallen.

Aber es gibt Hoffnung für den kleinen Karpfenartigen. "Zurzeit gibt es Verhandlungen mit der Stadt Seßlach und dem Grundeigentümer, um das Wehr durch eine Aufstiegshilfe zu umgehen", erklärt der Biologe Frank Reißenweber, der am Landratsamt Coburg beschäftigt ist. Solche Aufstiegshilfen, flache Gräben, die ein Hindernis im Fluss umgehen, gibt es bereits einige an Flüssen in der Region. Über sie kommen nicht nur Fische wieder in die Oberläufe.
Auch Insektenlarven können über diese Wege Reviere zurückerobern, aus denen sie verschwunden sind.

An der Alster liegt der Schneider dem Biologen am Herzen. "Er ist eine echte Seltenheit in unserer Region", erklärt Reißenweber. Außerdem wurde am Unterlauf der Alster noch die Bachmuschel bestätigt. Der Lebensraum am Oberlauf würde sich für diese Art eignen. Dort wurden seit Jahren nur noch die Schalen toter Tiere gefunden. "Mit Fischen könnte sie wieder hier herauf kommen", ist Frank Reißenweber überzeugt. Von Oberelldorf reicht der Oberlauf der Alster noch bis Eckardtshausen in Unterfranken.

Das Stauwehr im Bach zu entfernen, kommt für den Biologen nicht infrage. "Es wäre zu befürchten, dass der Wasserspiegel sinkt, die Alster sich tiefer eingräbt und Wasser aus der Wahlwiese abgezogen wird", fürchtet Reißenweber. Und die Wahlwiese bei Oberelldorf ist nach seiner Einschätzung "die beste Feuchtwiese in dieser recht trockenen Ecke des Landkreises."

Die Wiese gehört längst der Stadt Seßlach. Früher war sie in eine Vielzahl kleiner Parzellen gegliedert, die einer ebenso großen Zahl von Besitzern gehörten. Mulden in der Wiese erinnern noch daran. "Das waren Gräben", erklärt Frank Reißenweber. Die waren gezogen worden, um die Fläche etwas leichter bewirtschaften zu können.
Heute schimmert dort nur noch das Wasser zwischen den Grasstoppeln durch. Denn gemäht werden muss die Wiese auch heute noch. Sonst würden Schilf Weiden und Erlen den wertvollen Lebensraum schnell überwuchern.

Das wäre das Ende von Trollblumen und seltenen Arten, die mancher gar nicht als so rar eingestuft hätte - etwa Löwenzahn. "Viele wissen gar nicht, dass es besonders angepasste Löwenzahnarten gibt, die sehr selten sind", ist Reißenweber klar. Zusammen mit einigen Seggenarten sind es aber gerade diese Pflanzen, die der Wahlwiese in seinen Augen "große botanische Bedeutung" zukommen lassen. Auch das breitblättrige Knabenkraut, eine heimische Orchidee, wächst hier noch.

Für die Landwirtschaft ist die nasse Wiese kaum lukrativ zu nutzen. Da profitieren die Bauern noch am ehesten, wenn sie im Auftrag des Landschaftspflegeverbandes das Schilf kurz halten oder das Gras schneiden, wenn es zu hoch wuchert. Der Verband hat auch an der Erweiterung eines kleinen Quellteiches mitgewirkt. Der schon vor Jahren angelegt worden war.

Hier ist es von Interesse für den Naturschutz, dass eine freie Wasserfläche erhalten bleibt und das Schilf den Teich nicht unter einem dichten Teppich aus wucherndem Grün verschwinden lässt. Nur so bleibt die Mischung aus dem stehenden Gewässer, der sumpfigen Wiese, der fließenden Alster und einem Totarm des Baches als wertvolle Vielfalt für die Natur erhalten.

Die geplante "Wassertierumgehungsstraße", die Aufstiegshilfe also, neben dem Wehr würde das Bild noch abrunden. Denn dieser in Windungen insgesamt über rund 100 Meter angelegte künstliche Arm würde mit seiner besonderen Beschaffenheit eine weitere Ergänzung der vom Wasser geprägten Lebensräume rund um Alster und Wahlwiese darstellen - ganz abgesehen von seinem Wert für das Landschaftsbild. Den Schneider und seine Mitbewohner im unteren Teil der Alster würde es sicher freuen, wenn er endlich an dem Hindernis vorbeikäme.