Sie spricht von der Faszination Kind. Damit erklärt sich Marie-Luise Albrecht-Müller selbst. Die leidenschaftliche, herzliche 60-Jährige ist seit diesem Schuljahr die neue Rektorin der Heimatringschule. Sie stellt sich damit einer Herausforderung, über die manch ein Kollege in ihrem Alter den Kopf schütteln mag. Doch davon will die, vor Ideen sprudelnde, Lehrerin nichts wissen. Immerhin bleiben ihr noch fünf aktive Schuldienstjahre. Und sie sagt: "Ich bin nie müde. Die Kinder geben mir Kraft!"
Mit Leib und Seele hat sie sich dem Lehrberuf verschrieben und mit der Übernahme der Schulleitung in Coburg einen Traum erfüllt, wie sie sagt. Als Verfechter der gebundenen Ganztagsschule wollte sie schon lange Erfahrungen damit sammeln und mitgestalten.


Gespannt wie ein Flitzebogen

Die Heimatringschule ist für Albrecht-Müller kein Neuland.
Bevor sie die vergangenen sieben Jahre die Grundschule Mönchröden leitete, unterrichtete sie fünf Jahre als Konrektorin an der Schule im Demo. "Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen", sagt sie über ihre neue Aufgabe. Für das Gespräch mit der Zeitung hat sich die erfahrene Schulleiterin vorbereitet - schließlich gibt es eine Menge, was sie erzählen kann und Ziele, die sie sich gesteckt hat.
Die Grundschule Mönchröden hat sie mit einem guten Gewissen verlassen. "Das Haus ist gut bestellt. Ich habe auf Nachhaltigkeit geachtet. Jetzt kann ich mich noch einmal richtig ins Zeug legen." Dabei möchte sie an der Heimatringschule gar nicht alles ummodeln. Auch ihre Vorgängerin Adele Beßler hat ihre Schule auf Vordermann gebracht. "Ich bin begeistert, wie toll hier alles funktioniert, und mit wie viel Know-how die Kollegen bei der Sache sind.
190 Schüler, neun Klassen, vier davon Ganztagsklassen, und 16 feste Lehrkräfte - das ist die Heimatringschule in Zahlen. Dahinter muss man sich neben dem Unterricht ein sehr gutes Bewegungs- und Sportprogramm vorstellen und - der Ganztagsschule geschuldet - hervorragendes Mittagessen, ein ausgeklügeltes Lernschienensystem, das vor allem auch die schwächeren Schüler stärkt, sowie eine Hausaufgabenbetreuung, die von Lehrkräften unterstützt wird.


Veränderte Lebenssituationen

"Wenn ich mir was wünschen könnte, wäre es: Mehr Männer an die Grundschulen!", sagt Marie-Luise Albrecht-Müller. Der Umgang von Lehrern, gerade mit den Jungs, sei ein anderer - aber eben auch ein Wichtiger. Durch veränderte Lebenssituationen - es gibt immer mehr Alleinerziehende - bräuchten Buben den Kontakt mit Männern für ihre Entwicklung. Immer mehr Grundschulen müssen jedoch ohne Lehrer auskommen. Auch an der Jean-Paul-Schule wird sehr bedauert, dass es keine männliche Bezugsperson gibt.
Wundern müsse man sich allerdings nicht, sagt Albrecht-Müller, da die Bezahlung von Grundschullehrern eine durchaus schlechtere ist als beispielsweise bei Realschul- oder Gymnasiallehrern. "Dabei werden in der Grundschule die Grundsteine fürs Leben gelegt: innere Disziplin, Verantwortung - um nur zwei zu nennen!"
Marie-Luise Albrecht-Müller ist keine Anhängerin antiautoritärer Erziehung. "Ich wünsche mir, dass unsere Schüler mit Herzlichkeit und Wertschätzung erzogen werden. Dazu gehört auch eine liebevolle Strenge." Den Kindern eine innere Disziplin vermitteln und sie als lernfreudige, wissbegierige Kinder mit Herz und Charakter ins Leben schicken - das hat sich die Pädagogin auf die Fahne geschrieben. Aus der Heimatringschule, die mit dem Slogan wirbt: "Wir sind eine freundliche Schule!" möchte die neue Rektorin eine "Schule mit Herz" machen.


Mit Handschlag begrüßen

Einen Anfang hat "die Neue" schon zum Schulanfang gemacht. "Ich habe jedes Kind mit Handschlag persönlich begrüßt", erzählt sie - noch immer etwas irritiert, dass ihr die meisten Kinder den linken Arm hingestreckt haben, weil sie gar nicht wussten, was sie eigentlich will.
Sich mit einem fröhlichen "Guten Morgen" zu begrüßen, gehört für die neue Rektorin genauso zum guten Ton, wie die Tatsache, dass im Schulhaus nicht gerannt wird. "Zuhause rennt doch auch niemand durch die Wohnung!" Es sei Aufgabe der Lehrer gewisse Erziehungsaufgaben zu übernehmen - auch, wenn die nötige Strenge manchmal schwerfalle. "Es muss nur aus dem Herzen kommen!"


Mehr Kunst und Kultur

Neben der Bewegung, die an der Heimatringschule schon eine große Rolle spielt, möchte die neue Schulleiterin mehr Kunst und Kultur ins Nachmittagsprogramm integrieren. In Mönchröden initiierte sie einst die Kulturaktionstage. Jedes Rödentaler Schulkind besucht seither wenigstens einmal im Jahr das Glasmuseum und Schloss Rosenau. "Um uns herum lebt so viel Geschichte. Da brauchen wir keine Ausflüge nach Schloss Thurn", plädiert Albrecht-Müller, die Geschichte studiert hat. Für die Heimatringschule könnte sie sich eine Kooperation mit Schloss Callenberg vorstellen. Wie die genau aussehen wird, verrät sie allerdings noch nicht. Gute Verbindungen zum Kultur- und Schulservice hat sie. Damit könne so manche Sparmaßnahme der Stadt kompensiert werden. Als Sachaufwandsträger ist die Stadt Coburg auch für die Heimatringschule zuständig. Doch es macht die neue Rektorin traurig, dass da zur Zeit Sparzwang herrscht. "Das Schulhaus könnte schon etwas frische Farbe vertragen", sagt Müller Albrecht. Anstatt zu klagen, ist sie gewillt mit Spendenaktionen und Eigeninitiative notfalls auch selbst Hand anzulegen. Bis es jedoch soweit ist, knüpft die Rektorin weitere, spannende Netzwerke. Ob Kirchengemeinde, Rotes Kreuz oder Gemüsehändler, eine gute Zusammenarbeit will organisiert sein. Flüchtlinge, Senioren, Kinder und Eltern unter einen Hut zu bringen, ist für Albrecht-Müller eine von vielen Herausforderungen, die ihr besonders Spaß machen.
Das Wir-Gefühl stärken, liegt ihr am Herzen. Die Frau, die in einer Großfamilie auf Gut Birkenmoor aufgewachsen ist, möchte Werte, wie Respekt, Toleranz und Verantwortung vermitteln.
Dazu wird es neben den Schulpaten und Pausenengeln, künftig auch kleine Ersthelfer geben, die einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren, um kleine Wunden kühlen zu können oder auch mal ein Pflaster aufkleben zu dürfen.
Gesundheitserziehung und Lesekompetenz stehen im Masterplan der Heimatringschule ganz oben. Dafür hat sich das Lehrerkollegium ausgesprochen - sehr zur Freude der neuen Chefin.