In den Ferien lernen? Lesen, Schreiben und Rechnen pauken, jede Woche! Was sich viele Kinder nicht vorstellen wollen, haben Zainab (10)und Wafa (9), zwei Schwestern aus dem Irak, gemacht. Noch dazu in der Schule. Die Mädchen, die die Grundschule Neuses seit Dezember besuchen, hatten das große Glück, dass ihre beiden Sprachpatinnen Lust hatten, mit ihnen die Sommerferien hindurch zu üben.
"Damit nicht so viel verloren geht und die beiden den Anschluss nicht wieder verlieren", sagt Heidrun Geyersberg. Sie ist eine von insgesamt 14 Sprachpatinnen, die Jasmin Müller-Alefeld für ihre Grundschule in Neuses gewinnen konnte. "Es macht Spaß mit einzelnen Kindern zu arbeiten", sagt die pensionierte Grundschullehrerin und freut sich, dass Zainab so tolle Fortschritte gemacht hat.
Es geht nämlich nicht nur um die deutsche Sprache, die die Kinder lesen, schreiben und sprechen müssen, auch im Rechnen haben Flüchtlingskinder oft Nachholbedarf.


Intensiv kümmern

Maria Wesselmann-Paduch übt mit Wafa gerade das Addieren. Die gelernte Goldschmiedin muss beruflich pausieren, da wollte sie ihre Zeit sinnvoll nutzen. "Wie schön es ist, Lehrerin zu sein," resümiert sie und Wafa strahlt sie dabei an - "auch, wenn mir schnell klar geworden ist, dass ein Lehrer sich nicht so intensiv um jeden Einzelnen kümmern kann."
Immer dienstags und donnerstags kamen Schüler und Sprachpaten in einem Klassenzimmer zusammen und übten fleißig eine Doppelstunde lang. Hausaufgaben gab's auch manchmal. Und wie das so ist: Mal waren sie vergessen, mal hatten die Mädchen vorgearbeitet.


Eine Herausforderung

Elf Kinder mit mehr oder weniger guten Deutschkenntnissen, Flüchtlinge, aber auch ein Mädchen aus Argentinien, deren Vater in Coburg arbeitet, gehen zur Zeit in Neuses in die Grundschule. "Deutsch als Fremdsprache ist eine echte Herausforderung. Aber es macht natürlich auch Spaß und wir Lehrer lernen die Tücken und so manche Regel der deutsche Sprache neu kennen", sagt die Schulleiterin Müller-Alefeld.


Eigene Materialien erarbeitet

Zusammen mit den Sprachpaten von Mentor-Lese-Spaß hat die Grundschule Neuses einen Sprachpfad erarbeitet und eigene Materialien passend zu den Schulbüchern erarbeitet. "Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. Die Kinder, die alle aus anderen Ländern kommen, unterhalten sich beim Spielen in Deutsch", erzählt Jasmin Müller-Alefeld. Wichtig sei die richtige Einschätzung. "Ein neunjähriges Mädchen kann ich nicht in die erste Klasse stecken - auch, wenn es stofflich nicht in die dritte passt", sagt die Pädagogin. Fingerspitzengefühl und gezielte Förderung ist dafür erforderlich.
Heidrun Geyersberg und Maria Wesselmann-Paduch waren für Fainab und Wafa "ein echter Glücksfall", da sich die Frauen ehrenamtlich die kompletten Sommerferien dafür frei gehalten hatten. Jasmin Müller-Alefeld würde sich wünschen, dass die Sommerferien grundsätzlich besser genutzt würden - speziell für Kinder mit Förderbedarf.
Warum nicht Lerncamps mit buntem Nachmittagsprogramm - ähnlich der früheren Stadtranderholung - einführen? Morgens wird gemeinsam gelernt und danach gemeinsam gespielt. Integration funktioniere genau so. Die Sommerferien seien sowieso viel zu lang, meint die Schulleiterin und ist sich da durchaus mit anderen Kollegen einig.