Mit der Verpflichtung in bestimmten Bereichen FFP-2 Masken zu tragen, spielte plötzlich eine genaue Kennzeichnung des Schutzes eine Rolle. Gleichzeitig wurde das Augenmerk stärker auf die Qualität und damit Wirksamkeit der verschiedenen Modelle gerichtet. Und die Probleme nahmen ihren Anfang. Horst S. kann ein Lied davon singen.

Er durfte sich im Dezember altersbedingt kostenlos FFP-2 Masken in der Apotheke aushändigen lassen. Das tat er. In einer Apotheke im Stadtgebiet erhielt er gegen Unterschrift seine neuen Masken. Als sie beim Einkaufen Pflicht wurden, fiel ihm auf, dass weder auf den Masken noch auf ihrer Plastikhülle die geforderte Kennzeichnung zu finden war.

"Ich wollte wissen, wie ich dann bei einer Kontrolle nachweisen soll, dass die Masken die richtigen sind", sagt er. Er wandte sich an die Apotheke. Nach wiederholtem Nachfragen wurde ihm ein Zertifikat übergeben, das die Eignung der Masken bescheinigt. Auf zwölf Seiten beschäftigt sich die Dekra Testing and Certification GmbH in Bochum mit den Masken, die der Gesellschaft am 15. April 2020 zur Untersuchung eingereicht wurden. Ergebnis: Die Masken entsprechen den Anforderungen der EU.

Also alles gut, möchte man meinen. Doch nicht für Horst S. Aus dem Zertifikat der Dekra erfährt er nun den Hersteller. Es ist die Foshan Nanhai Plus Medical Co., Ltd in China. Interessenhalber recherchiert Horst S. im Internet. Und wird fündig. Im Juli 2020, ein Vierteljahr nach dem Test der Dekra ging bei der EU eine Produktwarnung zu den Masken des Herstellers Plus Medical ein. Die Warnung kam aus Polen und wurde von der EU als "ernst" eingestuft. Grund: Die Masken ließen weit mehr Partikel durch als es für FFP-2 Masken zulässig ist. Horst S. hatte sich inzwischen ordnungsgemäß beschriftete Masken besorgt. Er stellte fest. "Mit den chinesischen Masken fällt das Atmen viel leichter, sie sind auch dünner."

Jetzt traut er den Masken, die er kostenlos bekommen hat, nicht mehr so recht - vor allem, weil sich die Meldungen über Rückrufe von FFP-2 Masken mehren. Zunächst hatte der Landkreis Aschaffenburg in der vergangenen Woche 1000 Masken zurückgerufen. Dabei handelte es sich um Produkte eines anderen Herstellers, nämlich der Fittop Health Technology Co., Ltd. Während die von Horst S. bezogenen Masken gar keine Kennzeichnung tragen, sind die von Fittop zwar nicht mit dem CE-Prüfzeichen, aber mit einer chinesischen Kennung versehen. Diese wäre zwar gültig, doch auch für die Fittop-Masken gibt es seit Juli 2020 eine Produktwarnung der EU. In mehreren Landkreisgemeinden um Aschaffenburg waren die Masken an pflegende Angehörige kostenlos abgegeben worden. Wegen der Produktwarnung wurden sie aber zurückgezogen.

Dann kam die Meldung, dass auch die Bayerische Bereitschaftspolizei 30 000 als untauglich einstufte. Es handelte sich ebenfalls um Masken des Herstellers Fittop.

Angesichts einer Vielzahl von Produktwarnungen empfiehlt sich natürlich für jeden, der Masken in Umlauf bringt, vorher zu prüfen, ob sie auch den Vorgaben entsprechen. Für den Landkreis Coburg erklärt Pressesprecherin Corinna Rösler: "Alle Masken, die über uns ausgereicht werden, bekommen wir zwar von der Regierung. Aber trotzdem schauen wir noch einmal ob vielleicht eine neue Produktwarnung dazu vorliegt, ehe wir sie verteilen." Jeder Verbraucher hat selbst die Möglichkeit - wie bei allen anderen Produkten auch - zu überprüfen, ob vor seinen Masken gewarnt wird. Wer safety gate eu in die Suchmaschine eingibt, findet zu der Seite. Der Link ist: https://ec.europa.eu/consumers/consumers_safety/safety_products/rapex/alerts/repository/content/pages/rapex/index_en.htm.