Für einen Abend probt Peter Aisher den Rollentausch. Zum Auftakt des dreitägigen Coburger Festivals "It'z Jazz" verwandelt sich der lyrische Tenor des Landestheaters in einen veritablen Jazz-Pianisten.

Im sanften Nieselregen auf dem Schlossplatz lässt er im Schutz eines Zeltes sehnsüchtige Piano-Melodien leise perlen. Aisher spielt gleichsam die Ouvertüre für die Hauptdarsteller des Abends - das Quartett Quadro Nuevo, das drinnen auf der Bühne des Landestheaters gastiert.

Orient trifft Okzident

Im Bühnenbild der krankheitsbedingt kurzfristig verschobenen Premiere von "Globe Songs" lädt das in der Region durch viele Auftritte in früheren Jahren bestens bekannte Ensemble zu einer Reise durch den schier endlosen Kosmos der Weltmusik ein. Das Quartett um den Klarinettisten und Saxofonisten Mulo Francel fasziniert von den ersten Takten an mit seiner Fähigkeit, verschiedenste musikalische Sphären scheinbar selbstverständlich zu verbinden, miteinander in Beziehung zu setzen und aus dieser Begegnung immer wieder neue Klänge entstehen zu lassen.

Mozart und Morricone

Orient trifft ganz selbstverständlich Okzident, Minimal Music trifft Klezmer, Jazz trifft Filmmusik, improvisatorische Freiheit verbindet sich mit perkussiver Intensität.

Arabische Klänge und neapolitanische Canzonen folgen ganz selbstverständlich aufeinander, verbinden sich zu einem faszinierenden klingenden Panorama - eine Art vorab musizierter Soundtrack zu den "Globe Songs", deren Bühnenbild samt betagtem VW-Bus die Kulisse bietet für das Quadro Nuevo-Gastspiel.

Mulo Francel an Saxofon und Klarinetten, D.D. Lowka am Kontrabass und am Schlagwerk, Andreas Hinterseher an Akkordeon, Vibrandoneon, Bandoneon und Trompete sowie Chris Gall am Flügel sind ein Multiinstrumentalisten-Quartett, das immer wieder durch seine verblüffende Wandlungsfähigkeit fasziniert. Tango und Jazz sind in ihrem Spiel manchmal nur wenige Takte, einen kurzen Übergang voneinander entfernt. Besonders beeindruckt die Kunst, Übergänge in magische Momente zu verwandeln, in denen die Musik plötzlich innehält und Atem holt.

Und wer bislang noch nicht wusste, welch ein fabelhaftes Perkussionsinstrument ein Kontrabass sein kann, erlebt das staunend bei diversen Soloeinlagen D. D. Lowkas.

Kontrastreich dann auch das Zugaben-Duo - ein virtuos verjazzter Mozart-Kanon trifft Ennio Morricones "Cinema Paradiso" zum Ausklang einer zauberhaften Konzertnacht.

Stationen eines außergewöhnlichen Ensembles

Quadro Nuevo sind in der Jazz-Szene bereits vielen Jahren bekannt, so tourt die Band bereits seit 1996 durch die Länder der Welt und gab über 3000 Konzerte: Sidney, Montreal, Ottawa, Kuala Lumpur, Istanbul, New York, New Orleans, Mexiko City, Peking, Seoul, Singapur, Tunis, Tel Aviv. Vom beschaulichen Oberbayern über die Alpen bis Porto, von Dänemark über den Balkan bis zur Ukraine quer durch Europa.

Beeinflusst vom Tourleben hat das Instrumental-Quartett abseits der gängigen genre-üblichen Klänge eine ganz eigene Sprache der Tonpoesie entwickelt. Hier merkt man vor allem die Liebe zum eigenen Instrument und die unveränderte Leidenschaft zur Musik gepaart mit immenser Spielfreude. Das Geheimnis des Quartetts ist Hingabe zur Musik.

Die Auftrittsorte der vier Musiker sind so unterschiedlich wie es auch die Einflüsse ihrer Musik sind. Die Zuhörerinnen und Zuhörer können sich von Quadro Nuevo nicht nur in großen Konzertsälen, wie etwa der New Yorker Carnegie Hall, oder auf Festivals mit in die Welt der Jazz-Musik entführen lassen, denn die vier Virtuosen reisen auch als Straßenmusikanten und laden als nächtliche Tango-Kapelle zum Tanz.

Die produzierten Alben von Quadro Nuevo erhielten nicht nur den Deutschen Jazz Award, sondern kletterten ebenfalls in die Top Ten der Jazz- und Weltmusik-Charts und wurden in Paris mit dem Europäischen Phonopreis Impala ausgezeichnet.

Quadro Nuevo erhielt außerdem in den Jahren 2010 und 2011 den ECHO Jazz als bester Live Act und wurde so mit dem höchsten Deutschen Musikpreis von der Deutschen Phono-Akademie geehrt.