Corona hin oder her - viele Landwirte haben die Nase voll von der Politik der Bundesumweltministerin, fordern den Rücktritt der SPD-Politikerin Svenja Schulze und wollen ihrer Forderung mit Demos Nachdruck verleihen. In elf bayerischen Städten kündigte die Bewegung Land schafft Verbindung (LsV) Demonstrationen mit Traktoren an. Auch in Coburg, doch hier kam es anders - oder auch wieder nicht.

Ein Hubkonzert sollte es werden, vorgetragen von möglichst vielen Schleppern, die im Konvoi am SPD-Büro vorbei defilieren. "Wir wollen nicht aussteigen, wegen Corona", sagte Axel Roth bei der Ankündigung der Demo. Doch gerade Corona machte einen Strich durch die Rechnung der Bauern. Das Ordnungsamt in Coburg teilte den LsV-Organisatoren mit, dass die Demonstration nicht genehmigt werden kann.

Demonstration gegen Schulze nicht genehmigt: Coburger Landwirte fahren im Traktor-Konvoi zu SPD-Büro

Grund war, dass die Anmeldung zu kurzfristig kam. Nach dem Infektionsschutzgesetz hätte LsV die Demo mindestens 48 Stunden vorher ankündigen müssen. Dann hätten bis zu 50 Personen auf einem Platz stehend, aber nicht fahrend, teilnehmen dürfen.

Überall im Land wollte LsV aber SPD-Büros einen Brief zustellen, in dem nicht nur der Rücktritt von Svenja Schulze und Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth gefordert, sondern auch erklärt wird, warum. Was aber, wenn ein Landwirt mit seinem Traktor zur SPD fährt und den Brief dort abgibt? Genau das tat am Donnerstag nicht ein Landwirt oder zehn. Der Strom von Traktoren, die am Sonntagsanger vorfuhren, wollte kaum abreißen.

Die Polizei hatte gut zu tun, den Landwirten klar zu machen, dass sie nur kurz halten dürfen, um den Brief abzugeben, weil eingeschränktes Halteverbot besteht. In Empfang nahm die Briefe SPD Landtagsabgeordneter Michael Busch zusammen mit dem Unterbezirksvorsitzenden Thomas Rausch. Damit die Schlepper nicht zu lange stehen bleiben mussten, ging der Abgeordnete die Reihe ab und nahm die Briefe an.

Landwirtschaft als "Treiber der Verluste an Artenvielfalt"? Landwirte fordern Rücktritt von Svenja Schulze

Busch äußerte Verständnis für den Ärger der Landwirte, sagte aber: "Die Landwirte haben aber auch lange genug Zeit gehabt sich umzustellen" und betonte die Notwendigkeit von Natur- und Umweltschutz.

Dass Svenja Schulze bei der Diskussion um den Erhalt der Artenvielfalt so gut wie gar nicht zu einem Gespräch mit den Landwirten bereit ist, führte schon vor Corona zu massiven Demonstrationen im gesamten Bundesgebiet. Aktueller Auslöser war Schulzes Äußerung in den Fernsehnachrichten des ZDF: "Treiber der Verluste an Artenvielfalt ist die intensive Landwirtschaft - es gibt zu viel Dünger, zu viele Pestizide, auf den Wiesen und Weiden wird zuviel gedüngt und so viel gemäht, dass diese Flächen für die Natur immer wertloser werden."

Damit sehen sich die Landwirte als alleinige Verursacher an den Pranger gestellt. Was sie aber bestreiten. Sie erinnern an den massiven Flächenverbrauch durch Bebauung und Infrastruktur, Belastung der Natur durch Verkehr, Lichtverschmutzung, 4G und 5G.

Landwirte wehren sich gegen Kritik: Landwirtschaft nicht alleinige Belastung der Natur

Gerade die momentane Krisensituation führe vor Augen, wie wichtig eine möglichst gesicherte Versorgung der Menschen in Deutschland mit Nahrungsmitteln ist. Forderungen nach mehr Bio-Landbau (30 Prozent möchten Naturschutzverbände) und Naturschutzflächen in Deutschland würden zwingend zu Intensivierung der Landwirtschaft in anderen Ländern führen, wo wegen schlechter Ertragsbedingungen ein Vielfaches der in Deutschland aus der Produktion genommenen Fläche bewirtschaftet werden müsste, um Deutschland zu versorgen, so LsV.