Coburg
Feuer

Löst der Brockardt-Brand ein Problem?

Um 0.40 Uhr rückte die Coburger Feuerwehr zum Brand aus und löschte bis in die Morgenstunden die Ruinen auf dem Insolvenzgelände. Verletzt wurde niemand. Was bleibt, sind Fragen, Hoffnungen und jede Menge Altlasten.
Ein Teil des abgebrannten Dachstuhls musste von der Feuerwehr abgetragen werden. Fotos: Christiane Lehmann
Ein Teil des abgebrannten Dachstuhls musste von der Feuerwehr abgetragen werden. Fotos: Christiane Lehmann
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Gebrannt hat altes Gebrück. Und die Feuerwehrleute fragen sich am Morgen danach, ob es überhaupt Sinn gemacht hat, das Feuer in der Nacht zu löschen. "An dem leerstehenden, alten, ehemaligen Verwaltungsgebäude (der Firma Brockardt-Bau) dürfte kein nennenswerter Sachschaden entstanden sein", heißt es auch in der Polizeimeldung am Nachmittag.

Eins steht fest: Wenn die Ruine weg wäre, wäre allen mehr geholfen. So jedenfalls klingt es, wenn man mit offenen Ohren durch die baufälligen Gebäudereste stapft, über verkohlten Deckenbalken steigt, an eingeschlagenen Fensterscheiben und bröckelnden Graffiti-Wänden vorbei, den Blick nach draußen auf ein verwildertes Gelände gerichtet.

Positive Folgen

Thomas Linse, als Insolvenzverwalter eingesetzt, sagt offen, was für positive Folgen der Brand haben könnte: "Ich hoffe, dass eine jetzt
aktuelle Kaufoption für eine Lebensmittelhandels-Gruppe und dahinterstehende Genehmigungsgesuche Erfolg haben werden und sich das Problem damit zukünftig erledigt."

In seiner Stellungnahme weist er auf die Problematik, die mit diesem Gelände verbunden ist, ausdrücklich hin: "Seit 2000 steht dieses Gelände zum Verkauf und sucht eine neue sinnvolle Nutzung. Etliche Investoren haben bei den Entscheidungsträgern um Genehmigungen ihrer beabsichtigten Vorhaben nachgefragt. Ein Nutzungskonzept, das allen Stakeholdern getaugt hat, gab es bislang nicht."

Sicher wäre es hilfreich gewesen, wenn schon vor Jahren die Abbruchgebäude hätten beseitigt werden können, schreibt er weiter. Hierzu seien jedoch erst der Verkauf des Grundstücks und die Erzielung eines Erlöses notwendig, da das Insolvenzverfahren ansonsten massearm ist, also keine finanziellen Mittel zur Verfügung stünden.

Abrissgenehmigung liegt vor

Wie der Pressesprecher der Stadt, Michael Selzer, auf Nachfrage erklärte, liege von Seiten der Stadt bereits eine Abrissgenehmigung vor. Diese sei erteilt worden, als auf dem Gelände 600 Parkplätze geschaffen werden sollten. Mittlerweile sind 300 Stellplätze dort vermietet.

Allerdings gibt es noch das Problem der Altlasten. Jürgen Stammberger, beim Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) dafür zuständig, weiß, dass Boden-Untersuchungen im Rahmen des neuen Bebauungsplanes vor Jahren dort ergaben, dass die Erde belastet ist. Der Eigentümer und damit Insolvenzverwalter Linse sei aufgefordert, das Ausmaß feststellen zu lassen.

Also jede Menge Erschwernisse für Thomas Linse, den Fall abzuwickeln. Es habe bereits Beseitigungsmaßnahmen im sechsstelligen Bereich gegeben, sagt Linse. Und der aktuell interessierte Investor habe eigene Bodenproben genommen und sehe darin kein Problem. Linse hofft, dass notwendige Genehmigungsverfahren jetzt zügiger vonstatten gehen. "Es muss da was passieren."

Vor 14 Jahren habe der Stadtrat das Gelände besichtigt und man sei sich einig gewesen, dass das Areal wertvoll und interessant für Investoren ist. Doch von Seiten der Behörden seien ihm eher Steine in den Weg gelegt worden. Eine Rolle spielt dabei auch das Wasserwirtschaftsamt in Kronach.

Und dann auch das noch: Bedauerlich sei, sagt Linse, dass es immer wieder in der Vergangenheit zu unberechtigtem Betreten des "Brockardt-Geländes" gekommen sei. "Ich habe als Insolvenzverwalter gegen aufgegriffene Personen auch stets Strafantrag wegen Hausfriedensbruch gestellt", erinnert er.

Absicherung unmöglich

Letztlich sei es aber unmöglich, ein 37 000 Quadratmeter großes Gelände in zentraler, aber abgeschirmter Lage des Stadtbereichs permanent gegen fremde Personen abzusichern.

Bereits 2008 hatte sich dort ein junger Mann vom Mischturm in den Tod gestürzt. 2012 geriet das Gelände durch regelrechte Alkoholexzesse in die Schlagzeilen: Eine volltrunkene 16-Jährige wurde mit fast vier Promille Alkohol im Blut in der Ruine aufgegriffen.

Wer hat was gesehen?

Nach dem derzeitigen Erkenntnissen können die Brandfahnder der Kripo Coburg Brandstiftung nicht ausschließen. Am Vormittag konnten sich die Spezialisten der Kriminalpolizei ein erstes Bild vor Ort machen. Demnach schließen die Brandfahnder einen technischen Defekt aus, da das alte Gebäude stromlos war. Die Ermittlungen deuten derzeit daraufhin hin, dass der Brand vorsätzlich oder durch fahrlässiges Handeln entstanden sein könnte.

An der alten Ruine haben sich auch in der jüngeren Vergangenheit vermehrt Jugendliche aufgehalten. Ob diese im Zusammenhang mit dem Brandausbruch stehen, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben. Die Kriminalpolizei Coburg bittet daher um Hinweise: Wer hat am frühen Dienstagmorgen in der Scharnhorststraße Personen beobachtet? Wer kann Angaben zu den Jugendlichen machen, die sich in der Vergangenheit in der Bauruine aufgehalten haben? Wer kann sonst Angaben zu dem Brand machen? Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Coburg unter der Telefonnummer 09561/645-0 entgegen.