Das in den 70er Jahren erschlossene Baugebiet zwischen Ketschenbacher Straße und Coburger Straße erzählt mit seinen Straßennamen manches interessante Kapitel der Stadtgeschichte in Neustadt im 19. und 20. Jahrhundert. Das gilt auch für die Heusingerstraße. Sie mündet Richtung Coburger Straße in die Müllerstraße und reicht Richtung Ketschenbacher Straße fast bis an den Kreisel Richtung Am Moos.

Seit 1979 erinnert die Heusingerstraße an einen Ehrenbürger Neustadts, der freilich gar nicht in Neustadt geboren wurde: Georg Heusinger kam am 17. Dezember 1820 in Nassach bei Königsberg in Bayern zur Welt. Mit seinen vielfältigen Talenten aber prägte er seit den 1860er Jahren in unterschiedlichen Aspekten das öffentliche Leben seiner Wahlheimat.

Bevor Heusinger jedoch als Oberlehrer und Organist in Neustadt wirkte, war er zunächst in vergleichbarer Funktion als Lehrer und Organist in Rodach tätig. Nach Neustadt führten ihn auch verwandtschaftliche Verbindungen. Denn er war der Schwager Franz Braunschmidts (1834 bis 1882), der als Rektor das Schulwesen in Neustadt nachhaltig prägte und veränderte. So wurde 1874 die bis dahin zuständige geistliche Schulinspektion durch eine Staatliche Schulaufsicht abgelöst.

Heusinger und Braunschmidt hatten über ihre verwandtschaftliche Verbindung hinaus wichtige Gemeinsamkeiten - dazu zählte auch das ausgeprägte Interesse an der Musik. Unter ihrer Ägide wurden deshalb Schulaufführungen ins Leben berufen, die in Neustadt hohen Stellenwert erlangten.

Musikalisch und dichterisch begabt

Zeitgenossen beschrieben Heusinger als "Feuerkopf mit Cäsarenzügen", der seine musikalische wie dichterische Begabung auslebte - oft auch in Personalunion, wenn er eigene Texte in Musik setzte. Interpretiert wurden seine Werke vom Schülerchor und dem einst renommierten Gesangverein "Liederkranz", dessen Leiter er viele Jahre lang war. So komponierte er zum 50. Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig 1863 ebenso eine Kantate wie für das Friedensfest im Juni 1871.

Heusinger und Braunschmidt unterstützten pädagogische Entwicklungen, die im Rückblick durchaus zukunftsweisend wirken. So gab es seit 1863 Turnunterricht für alle Schüler, der auch kindgemäße Aspekte berücksichtigte.

Der hohe Stellenwert, den der Gesang im Schulalltag erhielt, beschränkte sich nicht auf reine Musikstunden und wirkte sich letztlich sogar über die Schule hinaus aus. Kein Zufall mithin, dass in Heusingers Zeit als Oberlehrer auch eine Reihe von Musikgruppen und Chorvereinigungen gegründet wurden. Insgesamt wirkte Heusinger 30 Jahre lang als Lehrer in Neustadt. Er starb am 18. Juni 1884 in Neustadt.

Hintergrund

Geschichte Die Serie "Neustadts Straßennamen" beleuchtet am Beispiel wichtiger Personen verschiedene Aspekte in der Entwicklung der Bayerischen Puppenstadt. Den Anfang machte Neustadts Ehrenbürger Max Oscar Arnold. Weitere Folgen waren beispielsweise der Ernststraße, der Pestalozzistraße, der Rückertstraße, der Albertstraße, der Goethestraße , der Klinglerstraße, der Augustastraße, dem Moellerweg sowie der Georg-Langbein-Straße gewidmet.Hintergrund