Werner Tetsch aus Lautertal radelt jedes Jahr nach Heidelberg. Mittlerweile hat sich das herumgesprochen. Tetsch hat viele Verbündete.
Werner Tetsch ist kein Radsportler, der täglich in die Pedale tritt. Wenn er aber für die Deutsche Kinderkrebsstiftung (DKKS) seinen Drahtesel sattelt, dann ist der Wahl-Lautertaler im sportlichen Radler-Outfit wochenlang unterwegs. Sein Ziel ist seit sieben Jahren immer Heidelberg. Ende Juli kam der pensionierte Polizeibeamte nach sieben Wochen Radeln für krebskranke Kinder wieder nach Hause. Auf seiner Benefiz-Radtour sammelte er 14.000 Euro Spendengelder.
Auf seiner Tour durch die Lande sammelt er Spendengelder für die Isabell-Zachert-Stiftung. Diese wurde von Christel Zachert vor 22 Jahren gegründet, als ihre 16-jährige Tochter Isabell an Krebs starb. Seitdem unterstützt die Stiftung, unter dem Dach der DKKS gegründet, mit Projekten tumorerkrankte Kinder und deren Familien, um die psychosozialen Bedingungen zu verbessern. Ein Projekt davon ist das "Waldpiraten-Camp" in Heidelberg, Tetschs Ziel.
Die DKKS errichtete dieses Camp mit 14.000 Quadratmetern nach Vorbildern der USA, Kanada und Irland 2003 im Heidelberger Stadtwald. Dort erfahren an Krebs erkrankte Kinder aus ganz Deutschland liebevolle psychische Nachsorge.
Tränen der Rührung
"Das ist im deutschsprachigen Raum eine einmalige und einzigartige Einrichtung, in der Kinder wieder stark gemacht werden, wo sie ihr Selbstvertrauen, ihr Selbstbewusstsein und wo sie ihr Kinderlachen wiederbekommen dürfen", erzählt Tetsch. "Das Waldpiraten-Camp bedeutet: zurück ins Leben! Das ist eine wunderbare Einrichtung, dort wird hervorragende Arbeit geleistet. Hier dürfen Kinder alles medizinisch notwendig Erlebte hinter sich lassen, hier dürfen sie wieder Kind sein und ganz unbedarft den Kinderalltag leben und erleben, auch mit ihren Familien", sagt Tetsch und seine Augen füllen sich vor Rührung mit Tränen. "Es wird hier alles getan, damit die Kinder spielerisch alles Erlebte einmal vergessen können".
Weil das Camp ausschließlich von Spenden getragen wird, radelt Werner Tetsch und liefert sein gesammeltes Geld ab. Das macht er seit 2010, seit dem Jahr, als er Christel Zachert begegnet ist. Tetsch: "Sie hat mich begeistert und angesteckt."
"Es geht uns gut"
"Und von jedem Euro trage ich 100 Cent hin", sagt Tetsch stolz. Es bereichere sein Herz ungemein. Es tue ihm gut, helfen zu dürfen, weil es ihm und seiner Familie gutgehe. Und von diesem unschätzbaren Glück möchte er mit seiner Aktion den Kindern etwas geben, die nicht immer ein gesundes Kinderleben besitzen.
Den Kindern im Camp versichere er immer: "Kinder, für euch bin ich jedes Jahr unterwegs." Zudem gehört Tetsch der IPA (International Police Association) an, einem Zusammenschluss von Polizisten aus aller Welt, die Benefizaktionen für humanitäre Zwecke durchführt. Er war in seiner Dienstzeit in der IPA-Verbindungsstelle Coburg 18 Jahre im Vorstand.
Vor zwei Jahren kamen auch schon 12.000 Euro zusammen. Es begeistert den 65-Jährigen immer wieder, wenn die Menschen, die er unterwegs einfach anspricht, nicht nur ihre Geldbeutel, sondern auch ihre Herzen für krebskranke Kinder öffnen.
Tetschs Rad trägt wenig Gepäck, doch ist es immer ein echter Hingucker. Transparente mit der Aufschrift "Ich unterstütze krebskranke Kinder. Bitte helfen Sie mit" schmücken die Radtaschen.
Verbündete gefunden
Heuer steuerte Tetsch die Örtchen am Main an. Er plauderte mit Urlaubern, Einheimischen und stieß auf Gerhard Endres. Den lernte er vor zwei Jahren im Lokal kennen. Seitdem unterstützt Endres mit Aktionen Tetschs Mission, in den zwei Jahren schon mit 5000 Euro. Diesmal überraschte Endres den Lautertaler mit einer Radlertruppe, die Tetsch zum Marktplatz von Lohr begleitete. Ein riesiges Banner mit allen Informationen zur Spendenaktion bekam Tetsch als Geschenk, damit gleich alle Bescheid wussten, was da los war. Das hatte sich schnell herumgesprochen. Selbst die Dritte Bürgermeisterin war gekommen. Und dann füllten viele Menschen die Spendentaschen.
In guter Erinnerung
Zwei Tage blieb Tetsch und erlebte nette Überraschungen. Beim Keiler-Biker-Marathon konnte er mit einem Stand auf seine Aktion aufmerksam machen. Mit 1000 Euro mehr in der Tasche reiste ein strahlender Tetsch weiter und behielt das Städtchen Lohr in bester Erinnerung.
"Es wird mit jedem Male interessanter. Ich leiste Überzeugungsarbeit und erlebe beeindruckende Gespräche. Was ich tue, muss aus dem Herzen kommen, nur dann kommt dieser Erfolg." Ein Erfolg, der Tetsch emotional unendlich reich erfüllt.
Isabell-Zachert-Stiftung und Freizeit-Camp Wen Werner Tetschs Mission begeistert und wer sich angesteckt fühlt, erhält gern weitere Informationen zur Isabell-Zachert-Stiftung bei Familie Tetsch, Telefon 09561/62182 oder im Schalkauer Ring 10 in
Lautertal.
Die kämpferische Visionärin, das Heidelberger Freizeit-Camp für krebskranke Kinder zu bauen, war übrigens Gabi Geib, die viele Jahre Vorsitzende des Elternvereins in Heidelberg war. Sie verwirklichte ihre Idee nach dem Vorbild der USA und Irland, Kinder in einer erlebnispädagogischen Einrichtung der DKKS liebevoll aufzufangen und sich der Kinderseelen anzunehmen. Sie war dann auch die erste Camp-Leiterin und Organisatorin.