Wer heute die Strauß-Operette "Wiener Blut" inszeniert, steht immer wieder vor einer entscheidenden Frage: Wie ernst soll die Regie diesen scheinbar vorgestrigen Text überhaupt nehmen?

1887: Johann Strauß wird Coburger Bürger

Vor dieser Frage stand auch das Produktionsteam, das die postum 1899 uraufgeführte Operette als Neuinszenierung endlich auf die Bühne des Landestheaters Coburg bringen will - mit rund einem Jahr Corona-Verzögerung. Johann Strauß und Coburg - das ist seit 1887 eine ganz besondere Geschichte. Schließlich wurde der gefeierte Walzerkönig Ende Januar 1887 ganz offiziell Bürger des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha, um als solcher in dritte Ehre seine Adele zum Traualtar führen zu können.

Uraufführung nach Strauß' Tod

"Wiener Blut" zählt heute zum Kanon der sehr erfolgreichen Strauß-Operetten. Dabei ist das Werk, Ende Oktober 1899 und damit knapp fünf Monate nach dem Tod des Walzerkönigs in Wien uraufgeführt, im Grunde nur eine Recycling-Operette. Schließlich wurde dieser Dreiakter durch Adolf Müller aus zahlreichen erfolgreichen Strauß-Kompositionen einfach zusammengestellt und von den erfahrenen Librettisten Victor Léon und Leo Stein mit einem Text versehen.

Biedermann mutiert zum Don Juan

Für Coburgs Kapellmeister Roland Fister, den musikalischen Leiter dieser Neuproduktion, ist "Wiener Blut" im Jahr 2021 dennoch keineswegs unzeitgemäß. Denn in der im Original zur Zeit des Wiener Kongresses 1814/1815 spielenden Geschichte um einen zum Don Juan mutierten Biedermann entdeckt Fister sehr wohl Aspekte, die auch heute noch interessant sein können. Eigentlich sei es in "Wiener Blut" sehr modern, "wie Frauen mit untreuen Ehemännern umgehen", sagt Fister.

Um "Wiener Blut" auch heute noch spannend auf die Bühne zu bringen, muss das Werk seiner Überzeugung nach keineswegs radikal bearbeitet werden.

Viele Interessante Aspekte zu entdecken

In der Personenzeichnung jedenfalls entdeckt Fister auch im Original mehr interessante Aspekte, "als man im ersten Moment meint." Als gebürtige Wienerin verspricht Gast-Regisseurin Jasmin Zamani dem Publikum in der deutschen Johann-Strauß-Stadt eine detailverliebte Ausstattung nach den Entwürfen von Aylin Kaip, in der sich auch viele Wien-Anspielungen entdecken lassen - beispielsweise auf die Architektur Otto Wagners.

Eine zentrale Herausforderung für jede Neuproduktion von "Wiener Blut" sieht Roland Fister in dem Umstand, dass Strauß in der Partitur "einen Ohrwurm nach dem anderen" verwendet. Dieser Reichtum an wohlvertrauten Melodien könne schließlich allzu sehr vom Geschehen auf der Bühne ablenken.

"Wir wollen herauskitzeln, was schon im Original in den Frauenfiguren angelegt ist", verspricht deshalb die Regisseurin. Unmissverständlich klar ist aus ihrer Sicht jedenfalls: "Die Frauenfiguren in ,Wiener Blut' sollen nicht nur Stichwortgeberinnen sein."

Rund um die Neuinszenierung "Wiener Blut" am Landestheater Coburg

Premieren-Tipp "Wiener Blut" - Operette in drei Akten von Johann Strauß (Sohn), Bearbeitung für Kammerorchester von Michael Rot, 28. November, 18 Uhr, Landestheater Coburg

Produktionsteam

Musikalische Leitung: Roland Fister

Inszenierung: Jasmin Zamani

Bühne und Kostüme: Aylin Kaip

Lichtregie: Markus Stretz

Dramaturgie: Dorothee Harpain

Besetzung

Fürst von Ypsheim-Gindelbach: Michael Lion

Graf Zedlau: Peter Aisher

Gabriele: Francesca Paratore

Kagler/Karussellbesitzer: Niklaus Scheibli

Pepi Pleininger/Probiermarschall: Dimitra Kotidou

Josef, Kammerdiener: Dirk Mestmacher/Andres Sauerzapf

Handlung "Wiener Blut" spielt vor dem Hintergrund des Wiener Kongresses: Nachdem die Gräfin und temperamentvolle Wienerin Gabriele ihren braven Biedermann Graf Balduin von Zedlau sitzengelassen hat, mutiert der Gesandte des Kleinstaates Reuß-Greiz-Schleiz zum Don Juan: Er bandelt nicht nur mit der Tänzerin Cagliari, sondern auch mit Pepi Pleininger, der Freundin seines Dieners, an. Gabriele kehrt eifersüchtig zurück und der Graf hat alle Hände voll zu tun, seine Liebschaften auseinander- und voreinander geheim zu halten. Als auch noch sein Vorgesetzter Fürst Ypsheim-Gindelbach, der Premierminister von Reuß-Greiz-Schleiz, auftaucht, ist das Chaos perfekt ...

Hygieneregeln Vorstellungsbesuche am Landestheater Coburg sind aktuell nur mit 2G-Nachweiß möglich. Das Tragen einer FFP2-Maske ist während des gesamten Aufenthalts im Theater erforderlich. Für Kinder unter 12 Jahren gelten weiterhin die gewohnten Sonderregelungen. Kontakt zur Theaterkasse: Tel. 09561/898989 (Mail: theaterkasse@landestheater.coburg.de)red