Eine ganze Woche hat die Bewertungskommission für den Kreiswettbewerb "Das schönere Dorf" gebraucht, um alle 27 teilnehmenden Orte im Landkreis in Augenschein zu nehmen. Das war im August, als das Wetter noch schön war. "Es war dennoch schwierig, weil wir ja jede Kleinigkeit würdigen wollten", sagte Christine Heider (Vorsitzende der Kommission) bei der Siegerehrung des Kreiswettbewerbs am Donnerstagabend. Letztlich fiel die Entscheidung knapp aus: Lahm-Pülsdorf lag am Ende knapp vor der Konkurrenz.

Dass in den beiden Ortsteilen der Gemeinde Itzgrund derzeit die Dorferneuerung läuft, ist kein Zufall. "Maßnahmen wie die Dorferneuerung oder Städtebauförderung bringen immer einen gewissen Vorteil mit sich", erklärte Heider. Denn im Coburger Kreiswettbewerb geht es nicht darum, den aktuellen Schönheits-Status einer Gemeinde festzustellen.
"Da würden ja immer die gleichen Orte vorne stehen", begründete die Kommissionsvorsitzende diese Entscheidung. Weil aber beim Kreiswettbewerb die Fortschritte der vergangenen Jahre bewertet werden, schaut die Ergebnisliste von Wettbewerb zu Wettbewerb immer ein bisschen anders aus. "Wir bekommen ganz deutlich zu spüren, dass dies draußen gut ankommt", sagte Heider bei der Siegerehrung.

Mehr als nur bewahren

Nicht das schönste, sondern das schöne Dorf stehe beim Kreiswettbewerb im Vordergrund - das betonte Landrat Michael Busch (SPD) in seiner Ansprache. Seit 1954 wird im Landkreis der Wettbewerb durchgeführt. Und doch hat er, das betonte Busch ausdrücklich, an seiner Bedeutung nichts verloren. Wer sich für sein Dorf engagiere, der verbessere auch die Zukunftsperspektiven des ländlichen Raumes. "Bewährtes bewahren, aber auch fortentwickeln" - dies sei die Herausforderung, vor der der Landkreis genau so stehe wie ein kleiner Ort, der sich beim "Schöneren Dorf" der Bewertung durch die Jury stelle.

Den Siegergemeinden attestierte Busch, dass sie insbesondere durch ihren Gemeinschaftsgeist erfolgreich waren. Jenen Geist brauche es auch, um vielleicht in Zukunft auch beim Bezirkswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - unser Dorf hat Zukunft" erfolgreich zu sein. Busch ermutigte die Vertreter der erfolgreichsten Gemeinden des Coburger Landes, sich Gedanken über eine Bewerbung für den Bezirkswettbewerb zu machen. Weil dort aber andere Kriterien gelten, geht nicht automatisch der Coburger Kreissieger an den Start. "Dies Kommission setzt sich mit den in Frage kommenden Orten und Kreisfachberater Thomas Neder zusammen - dann entscheiden wir gemeinsam, für wen im kommenden Jahr eine Bewerbung Sinn macht", erklärte Christine Heider.

Umrahmt wurde die Siegerehrung im Landratsamt durch einen Kurzvortrag über blühende Landschaften von Annette Seehaun-Arnold sowie musikalische Darbietungen am Flügel von Lucie Cerveny.

Wo die Sieger gepunktet haben

1. Lahm-Pülsdorf Neugestaltung Dorfplatz Pülsdorf; Pflanzmaßnahmen in der Kirchgasse Lahm; Erneuerung der Eggenbach-Brücke, Erweiterung der Pappel-Allee.

2. Ahorn Bepflanzung entlang der Hauptstraße und der Flächen an der Einmündung Finkenauer Straße / Finkenweg; Generationen-Bewegungspark; Rastplatz neben der Schrebergartenanlage.

2. Eicha
Pflege des Dorfweihers und Pflanzung von Kopfweiden; Anlage eines Staudenbeetes; Ansaat einer blütenreichen Lebensraummischung in der Eichaer Flur.

3. Merlach Ergänzung der Birkenallee; Neugestaltung des Backhaus-Gartens; Umnutzung des historischen Brauhauses; Zusatznutzung der Felsenkeller als Fledermausquartiere.

3. Gleußen
Anlage eines Quittenlehrpfades; Pflanzung einer Kopfweidenzeile; Dorfplatzgestaltung; Quellstein; Unterstützug eines Naturspielplatzes für die Gleußener Kinder.

Interview mit Bernd Schmidt (OGV Lahm)

Mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht verließen die Vertreter aus Lahm und Pülsdorf die Siegerehrung beim Kreisbewerb "Das schönere Dorf" im Landratsamt. Dann wurde sogar noch ein bisschen gefeiert - Bürgermeister Werner Thomas (SPD) hatte versprochen, dass nach der Rückkehr in den Itzgrund noch ein Fläschen Sekt geköpft werde.

Einer der Männer, die großen Anteil am Erfolg der Lahmer und Pülsdorfer haben, ist Bernd Schmidt, der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins.

Was ist das Erfolgsrezept der Gemeinden im Itzgrund?
Bernd Schmidt: Gemeinsame Arbeit. Und natürlich auch solche Erfolge wie hier beim Wettbewerb. Da sehen die Menschen, dass sich ihr Engagement gelohnt hat. Bei uns läuft es aber schon seit einigen Jahren recht gut - wir brauchen uns nicht über mangelnde Beteiligung beklagen. Wenn die Menschen merken, dass etwas voran geht, dann ist es auch leicht, sie zu motivieren.

Was sind denn gelungene Maßnahmen, auf die man in Lahm und Pülsdorf stolz sein kann?
Dass es uns gelungen ist, die alten Ortsbilder zu erhalten. Die Gestaltung der Kirchgasse in Lahm ist auch sehr gelungen. Und besonders stolz sind wir auf unseren "Hacktrupp". Der sorgt dafür, dass alles was grünt und blüht in einem guten Zustand ist. Den "Hacktrupp" kennt mittlerweile jeder im Ort.

Was ist zu tun, damit Lahm und Pülsdorf in Zukunft noch schöner werden?
Als nächsten wollen wir noch einige Pyramidenpapppeln in Lahm pflanzen, damit die Allee noch ein bisschen schöner. Da geht es am heutigen Samstag los. Wir treffen uns um 9 Uhr und werden die nächsten Bäume pflanzen.

Können Sie sich vorstellen, dass sich Lahm an eine Bewerbung für den Bezirkswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" wagt?

Darüber haben wir uns noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Aber wenn die Bewertungskommission mit uns darüber reden möchte - warum denn nicht?