Als die Anfrage von TV Oberfranken (TVO) nach einer geeigneten Kirchengemeinde für einen Fernsehgottesdienst kam, hat Stefanie Ott-Frühwald als Michelauer Dekanin nicht lange überlegen müssen, um auf Lahm zu kommen: "Wir haben hier mit Michael Bergner einen Pfarrer, der viel Erfahrung mit Medien hat und eine Kirchengemeinde, die für ihr breites musikalisches Angebot bekannt ist." Deshalb ist die evangelische Kirchengemeinde Lahm am 21. Februar als erste Gemeinde des Michelauer Dekanats Gastgeber für den Sonntagsgottesdienst bei TVO.

Kein Friseur verfügbar

Michael Bergner zögerte bei seiner Zusage im November auch nicht lange. Ihm war klar, dass er sich bei so einer Aktion auf seine Ehrenamtlichen verlassen kann. Die kamen bei den Dreharbeiten im Laufe der vergangenen Woche aber nicht nur aus Lahm - auch die benachbarten Kirchengemeinden bis hinauf nach Watzendorf im Coburger Dekanat halfen mit. Nur eine Sache sei leicht problematisch gewesen, erzählt der Pfarrer im Scherz: "Die Tatsache, dass in den vergangenen Wochen kein Friseur verfügbar war, hat im Vorfeld für gewisse Nervosität gesorgt."

Aber am Ende waren alle Akteure fein herausgeputzt, die Kirche nach Ansicht der Dekanin sogar "auffällig schön" - auch wenn dort seit Wochen kein Gottesdienst mehr stattgefunden hat. Deshalb musste sich Marion Alt erst einmal wieder an eine Lesung vorne im Kirchenraum gewöhnen. Wann die Lektorin dort zum letzten Mal gestanden hat, weiß sie schon gar nimmer: "Oh je, vor einer ganzen, ganzen Weile." Ein bisschen nervöser als sonst, gesteht Alt, sei sie freilich. Aber Spaß mache ihr die Aktion auf jeden Fall.

Warum der Pfarrer zum Heizer wurde...

Vor den Dreharbeiten musste sich Michael Bergner erst mal als Heizer betätigen. Gleich mehrere Gasflaschen hat der Pfarrer in den Stunden vor der Aufzeichnung durch die Brenner gejagt, um die Kirche wenigstens ein bisschen aufzuwärmen. Fast schon entschuldigend würdigt Dekanin Ott-Frühwald das Engagement der Lahmer, die Kirche aus der Winterstarre zu holen: "Ich wäre bei der Terminabsprache ja nie im Leben darauf gekommen, dass wir so eine Frostperiode bekommen."

Eine Sache war für den Pfarrer bei den gut vierwöchigen Vorbereitungen klar: Der 45-minütige Gottesdienst müsse für die Stärken in der Lahmer Kirchengemeinde stehen. Das heißt, sagt Bergner: "Viel Musik, nicht nur die klassischen Kirchenlieder, auch moderne Stücke." Dass endlich mal wieder in der Schlosskirche gesungen wird, macht den Geistlichen (selbst Aktiver bei "Klang Total") sichtlich froh. Denn ohne Musik, da ist für den Lahmer Pfarrer jeder Gottesdienst "eine sehr traurige Angelegenheit". Die Art und Weise, wie in Lahm mit und für die Musik gelebt wird, beeindruckt die Dekanin schon lange: "Die Musik ist, was die Menschen hier im Itzgrund verbindet."

Das lässt sich die Kirche was kosten

Der Fernsehgottesdienst hat Michael Bergner deshalb in seinem Vorhaben bestärkt, nach der Wiederaufnahme der Gottesdienste in der Schlosskirche wenigstens kleine Ensembles musizieren zu lassen. "Wenn schon die Besucher nicht singen dürfen", sagt Bergner. Ende des Monats, hofft der Lahmer Pfarrer, könnte es vielleicht ja wieder mit den Gottesdiensten weitergehen. Bis dahin wird er seine Gemeinde wieder mit digitalen Angeboten versorgen. Deshalb schaut er in den Umbaupausen auch immer genau hin, was die "Fernsehleute" da so machen: "Für mich ist das komplettes Neuland. Es ist spannend, zu sehen, wie das die Profis machen."

Stefanie Ott-Frühwald ist im Lockdown froh, dass die Menschen die regionalen Gottesdienste bei TVO offensichtlich gut annehmen. Bis zu 15 000 Zuschauer, diese Zahl sei bei der Vorbesprechung gefallen, sollen dabei vor dem Fernseher sitzen. Die Kooperation mit dem Regionalsender lässt sich der Kirchenkreis Bayreuth sogar was kosten: Die eintägige Aufzeichnung und die Ausstrahlung werden nach einem Beschluss der Landessynode aus Kirchengeldern mitfinanziert.

Dass es ihr lieber wäre, die Menschen persönlich und herzlich in der Kirche begrüßen zu können, versteht sich für die Dekanin von selbst. Sie weiß es aus vielen Gesprächen, dass den Gläubigen die Gottesdienste fehlen. "Zusammensein, die Seele baumeln lassen, sich unterhalten und danach vielleicht noch ins Kirchenkaffee gehen" - das wünscht sich auch Stefanie Ott-Frühwald.

Aber so was geht halt jetzt nicht. Deshalb sind die Gottesdienste aus den kleinen Kirchengemeinde als Fernseh-Event auch so erfolgreich. "Wir machen den Menschen das Angebot, daheim mitzufeiern", sagt die Dekanin. Das sei in dieser verrückten Corona-Zeit genau der wichtige Weg, meint Marion Alt: "Man kann vor dem Fernseher passiv sein, aber doch irgendwie am Gottesdienstgeschehen teilnehmen." Am Sonntag wird bei der Predigt, passend zum Beginn der Fastenzeit, das Thema der "Versuchung" im Mittelpunkt stehen.

Die Kirche kenn' ich doch

Wenn Menschen im Fernsehen einen Gottesdienst aus einer Kirche sehen, die ihnen persönlich bekannt ist, sei das sicher ein bisschen verbindender als bei einem "normalen" Fernsehgottesdienst, glaubt Stefanie Ott-Frühwald. Sie will am Sonntag deshalb "den Menschen ein bisschen Ermutigung mitgeben, auch wenn dies in diesen Tagen schwer ist".

Der Fernsehgottesdienst in Lahm

Sendezeiten Der Gottesdienst ist am Sonntag um 9, 11 und 14 bei TV Oberfranken zu sehen. Danach jederzeit in der Mediathek des Senders.

Beteiligte Dekanin Stefanie Ott-Frühwald (Begrüßung & Predigt), Pfarrer Michael Bergner, Lektorin Marion Alt, Organist Harald Ritzensteiger, Solosängerin Alina Probst und Thomas Schaller (Gitarre) sowie der Chor "Klang Total" unter der Leitung von Markus Ewald.

Kontakt Weitere Informationen zum Gottesdienst finden Sie auf der Homepage der Pfarrei Lahm (www.itzgrund-evangelisch.de) und des Dekanatsbezirks Michelau (www.dekanat-michelau.de)red