Im Thüringer Viertel geht's eng zu, nicht erst, seit die Hochschule am Campus Friedrich Streib neue Gebäude errichtet. Doch derzeit ist der Studierendenparkplatz selbst Baustelle. Entsprechend groß ist die Parkplatznot in den Straßen rundherum.

"Das Thüringer Viertel ist Dauerbrenner im Wochenlagebericht", berichtete Hauptkommissar Ulrich Bosecker, zuständig für Verkehrsthemen bei der Polizeiinspektion Coburg, am Montag im Verwaltungssenat des Stadtrats. Die Polizei fahre fast permanent Streife und schreibe Parksünder auf. Der Verwaltungssenat musste sich mit der Frage befassen, ob die Stadt diese Situation lindern kann und will.

Den entsprechenden Antrag hatten die Jungen Coburger (JC) gestellt, nachdem das Ordnungsamt im Oktober ein Gespräch mit Studentenvertretern und Polizei geführt hatte.
Denn die Misere war absehbar: 500 Stellplätze fehlen derzeit für die Studierenden am Campus und demnächst rund 100 für die Dozenten, rechnete Hans-Herbert Hartan (CSU) im Verwaltungssenat vor, selbst Hochschullehrer und Anwohner im Thüringer Viertel.


"Bringt gar nichts"

Immerhin 35 legale Stellplätze mehr kann die Stadt ermöglichen, wenn sie das absolute Halteverbot an der Sonneberger Straße wieder aufhebt. Das war 2012 erlassen worden, weil viele Lkw entlang der Straße parkten und diese dadurch unübersichtlich wurde. 35 Parkplätze - "die bringen gar nichts", stellte Angela Platsch (Grüne) angesichts der Misere fest. Mit dieser Ansicht war sie nicht allein - auch Frank Völker (CSU) und Hans Weberpals (CSB) fanden, dass die knapp drei Dutzend Stellplätze das Problem nicht lösen. "Es fehlt eine Generallösung für das Problem", fasste Jürgen Heeb (WPC) zusammen: "Hat die Hochschule eigentlich ein Parkraumkonzept?"

Zumindest wird sie nach den Umbaumaßnahmen am Campus nicht mehr Parkplätze haben als vorher: Das im Bau befindliche Parkdeck direkt an der Hochschule ersetzt nur den bisher schon vorhandenen Parkplatz. Zusätzliche Kapazitäten wurden im Vorfeld dadurch geschaffen, dass der Parkplatz an der Sonneberger Straße erweitert wurde, sagte Hans-Herbert Hartan. Ein Parkdeck dort würde die Probleme vermutlich lösen, sagte Nicole Klebeg, zuständige Sachbearbeiterin im Ordnungsamt der Stadt. Doch den Bau eines Parkdecks an dieser Stelle habe die Hochschule wegen der Entfernung zum Campus abgelehnt, wie Hartan in Erinnerung rief.

Sie muss auch keine zusätzlichen Parkplätze schaffen, wie Andreas Gehring (SPD) feststellte: "Schuld ist der Freistaat Bayern", der nur noch einen Parkplatz für zehn Studierende vorschreibe. "Vorher war der Schlüssel eins zu fünf."


Hochschule in der Pflicht

Vor diesem Hintergrund lehnten Frank Völker, Barbara Kammerscheid (SBC) und Hans Weberpals die Freigabe der Sonneberger Straße zum Parken ab. Kammerscheid: "Die Hochschule ist in der Pflicht. Sie kann nicht erwarten, dass die Stadt alles für sie regelt." Die übrigen sechs Senatsmitglieder stimmten für die Aufhebung des Halteverbots, denn "was wäre die Alternative?", wie Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) in die Runde fragte. Dass es sich um einen eher symbolischen Beschluss handelte, bestätigte Ulrich Bosecker, der darauf hinwies, dass es sich um die einzige freie Fläche handele, die kurzfristig zur Verfügung gestellt werden könne."Das ist das Einzige, was wir machen können."

Das Parkverbot wird nun bis zum 31. August aufgehoben. Dann wird geprüft, ob es weiterhin erforderlich ist, die 35 Stellplätze freizugeben. Für Lkw ist das Parken dort verboten, um Behinderungen zu vermeiden, werden Ausweichbuchten geschaffen. Außerdem muss die Stadt 840 Euro an die Hochschule zurückerstatten, die sie für Ausnahmegenehmigungen verlangt hatte: Mit diesen Ausnahmegenehmigungen sollten die Hochschuldozenten an der Sonneberger Straße parken dürfen. Nun dürfen alle dort parken, und es kostet nichts.