Hygienemaßnahmen am Arbeitsplatz und das Arbeiten im Homeoffice haben sich positiv auf den Krankenstand in Bayern ausgewirkt. Aus einer Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit geht hervor, dass sich Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 2021 seltener krank gemeldet haben als im selben Zeitraum im Vorjahr. Vor allem die Anzahl der Krankschreibungen wegen Atemwegserkrankungen ist gesunken.

Was die Anzahl der Krankheitstage betrifft, lag Coburg im vergangenen Jahr über dem bayernweiten Durchschnitt von 16,3 Tagen pro Jahr. So meldeten sich Arbeitnehmer im Landkreis Coburg im vergangenen Jahr 20,8 Tage krank, in der Stadt Coburg waren es 20,3 Tage. Das geht aus der Arbeitsunfähigkeitsstatistik der Betriebskrankenkassen (BKK) Bayern hervor. Oberfrankenweit liegt Coburg hier im Mittel. Mit 23,9 Tagen haben Arbeitnehmer im Raum Kronach in der Region die häufigsten Krankheitstage.

Weshalb Arbeitnehmer fehlen

Die häufigsten Ursachen für Krankmeldungen bayernweit sind Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems mit 4,1 Tagen. Danach folgen psychische Erkrankungen sowie Erkrankungen der Atemwege, wie etwa Husten, Schnupfen und Heiserkeit. An vierter Stelle stehen Verletzungen und Vergiftungen. Das teilt der BKK Landesverband Bayern mit. "Zwei Drittel der Arbeitsunfähigkeits-Tage entfallen auf diese vier Hauptdiagnosegruppen", heißt es in der Pressemitteilung. Ein weiteres Drittel würde sich auf vergleichsweise kleinere Diagnosegruppen, wie Erkrankungen des Verdauungssystems oder Kreislauferkrankungen, verteilen.

Die wenigsten Krankheitstage verzeichnet der Kreis Starnberg. Mit einem durchschnittlichen Wert von 11,6 Tagen melden sich Arbeitnehmer im Kreis Starnberg laut der Statistik der BKK am seltensten arbeitsunfähig. Dafür, warum die Anzahl im Vergleich zu unserer Region niedrig ist, hat Matthias Klar, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg eine mögliche Theorie. "In Starnberg ist der Anteil der Beschäftigten in der Gastronomie und im Baugewerbe deutlich höher als bei uns in der Region", sagt Klar. In beiden Branchen sei der Ausländeranteil verhältnismäßig hoch. "Jüngere Menschen kommen für eine Saison, um Geld zu verdienen, und gehen dann wieder in ihre Heimat. Wer kränkelt, reist gar nicht erst an."

Zusammenhang mit Branche und Alter

Was die Anzahl der Krankheitstage Klars Einschätzung nach außerdem beeinflussen könnte, ist der hohe Anteil der Beschäftigten, die im produzierenden Gewerbe, zu dem unter anderem Automobilzulieferer und Hersteller von Metall- und Kunststoffteilen zählen, tätig sind. Dieser liegt in Starnberg und Coburg gleichermaßen bei 31,2 Prozent. Was sich allerdings unterscheidet, ist der Anteil der Arbeitnehmer, die zwischen 55 und 65 Jahre alt sind. Dieser beträgt in Coburg 20,3 Prozent, in Starnberg sind es 18,7 Prozent. "Wer körperlich hart arbeitet, hat natürlich mehr aufeinanderfolgende Krankheitstage. Wer viel steht und schwer tragen muss, wird nach einer Meniskus-OP deutlich länger ausfallen, als jemand mit Bürojob", erklärt Klar den Zusammenhang. Mit dem Alter steige außerdem das Krankheitsrisiko. Infolgedessen würden die Durchschnittswerte nach oben gehen.

Unternehmen äußern sich nicht

Dass in Kronach die Zahlen noch höher sind, erklärt Matthias Klar durch den noch größeren Anteil des produzierenden Gewerbes, der in Kronach bei über 50 Prozent liegt. Der Anteil der Arbeitnehmer ab 55 Jahren ist im Nachbarlandkreis mit einem Anteil von 24,2 Prozent ebenfalls höher als im Raum Coburg. "In Kronach fällt jeder vierte Beschäftigte in diese Altersgruppe, in Coburg ist es jeder fünfte", sagt Klar. Wie er prognostiziert, wird aus diesem Grund das Gesundheitsmanagement eine immer größer werdende Rolle in den Unternehmen spielen.

"Arbeitgeber sind bemüht, dass die Mitarbeiter ihrer Tätigkeit möglichst lange nachgehen können." Die Statistik der BKK basiert auf den Daten von rund 2,4 Millionen Menschen, die in Bayern bei einer Betriebskrankenkasse versichert sind. Gerade in größeren Unternehmen sind die Arbeitnehmer häufig über die Betriebskrankenkassen krankenversichert. Die größten Arbeitgeber im Raum Coburg wollten sich nicht zu der Krankenlage in ihren Unternehmen äußern.