"Dass Sie heute gekommen sind, werte ich als Bekenntnis zur Landwirtschaft", mit diesen Worten begrüßte Gerhard Ehrlich als Kreisobmann des Bauernverbandes die Kandidaten von CSU, SPD, FW, Grünen und FDP für die kommende Landtagswahl im Gustav-Dietrich-Haus. Ihm und den Vertretern des Kreisberatungsausschusses unter Vorsitz des Leitenden Landwirtschaftsdirektors Hans Vetter ging es darum, zu erfahren, wie sich die Repräsentanten der einzelnen Parteien die Zukunft der Landwirtschaft vorstellen.

Von den beiden bereits amtierenden Abgeordneten (und neuen Kandidaten) Jürgen W. Heike (CSU) und Susann Biedefeld (SPD) bis zu den neuen Bewerbern um einen Sitz im Landtag wie Hans-Joachim Lieb (FW), Bernd Lauterbach (Grüne) und Jens-Uwe Peter (FDP) ließen alle Politiker keinen Zweifel daran, dass die Landwirtschaft für sie zu Bayern gehört. Durch die Bank bekundeten sie ihre Wertschätzung für die Arbeit der Bauern.
Doch darüber wie die Politik künftig mit der Landwirtschaft umgehen sollte, gingen die Meinungen schon auseinander.

Es war Susann Biedefeld, der Hans Vetter als Moderator zuerst das Wort erteilte, und die Verständnis für die schwierige Situation der Bauern zeigte: "Immer weniger Leute arbeiten in der Landwirtschaft, eine EU-Reform jagt die nächste und die Planungssicherheit etwa bei Stallbauten ist nicht gegeben", so Biedefeld. Sie durfte auf Zustimmung zählen. Auch als sie sich gegen den Flächenverbrauch im Freistaat wandte und mehr Entlastung für Nebenerwerbslandwirte forderte, die einen großen Anteil innerhalb des Berufsstandes stellen.

Dass die Agrarpolitik nach den Vorstellungen der SPD aber auch "grüner" werden sollte und sie voll zum "Greening" steht, sorgte dann schon eher für kritisches Gemurmel im allerdings spärlich besetzten Saal des Gustav-Dietrich-Hauses. Ebenso ihre Haltung zum geplanten Naturschutzgroßprojekt "Das Grüne Band": "Ich bin enttäuscht, dass die Fraktion CSU/Landvolk im Kreistag gegen die Verlängerung der Phase I gestimmt hat." Biedefeld sieht das "Grüne Band" als wichtige Chance für die Region. Die Staatsregierung stehe hinter dem Projekt, und: "Ich würde es sehr bedauern, wenn das Projekt wegen eines Beschlusses aus Coburg scheitert."

Die strengen Bestimmungen von "Cross Compliance" und ihre oft noch strengere Auslegung bei Kontrollen geißelte Jürgen W. Heike. Es dürfe nicht sein, dass wegen geringer Verstöße empfindliche Ordnungsgelder verhängt und bei Kleinigkeiten gleich erhebliche Rückzahlungen von Fördermitteln gefordert würden. Zum Coburger Fleischskandal fasste sich Heike kurz: "Ich glaube nicht, dass wir in Coburg noch einmal einen Schlachthof eröffnen werden."

Enttäuschung auch bei ihm im Zusammenhang mit dem "Grünen Band", jedoch verursacht durch ein Gespräch mit Vertretern des Bundesumweltministeriums: "Da haben wir auf keine unserer Fragen eine richtige Antwort bekommen!" Die lange Bindung bei Verträgen zum Naturschutz im Zusammenhang mit dem Naturschutz-Großprojekt, mahnte Heike an: "Ich warne als Jurist jeden Landwirt, der auf die zukünftigen Generationen schaut, eine solche Bindung einzugehen."

Als "Zukunftsbranche" sieht Joachim Lieb die Landwirtschaft, der erklärter Fan von alternativen Energien ist. "Ich habe jahrelang begeistert mein Auto ausschließlich mit Biodiesel aus der Region gefahren - bis neue Gesetze den Herstellern Probleme gemacht haben." Er plädiert dafür, Landwirten, deren Einkünfte sehr schwankend fließen, steuerfreie Risikorücklagen zu ermöglichen: "Das könnte etwas mehr Verlässlichkeit beim Einkommen bringen."

EU-Vorschriften sollten nicht noch im vorauseilenden Gehorsam durch nationale Bestimmungen verschärft werden. Zusammenschlüsse von Bauern könnten seiner Ansicht nach, möglichst mit staatlicher Förderung, ein besseres Gegengewicht zur Marktmacht der Discounter bringen. So, meint Lieb, könnten bessere Erzeugerpreise durchgesetzt werden. In weiteren Forderungen hielt er sich knapp: "Keine Gentechnik, keine Bodenspekulation, keine Patente auf Pflanzen oder Tiere ("da geht mir das Messer in der Tasche auf") und eine Rücknahme der Besteuerung auf Biodiesel.

"Ich halte die Landwirtschaft für essenziell, aber ich glaube die Leute kapieren das nicht mehr", sagte Bernd Lauterbach. Er sprach von einer "Umdeutung der Werte", wenn "der Urlaub in Ägypten wichtiger wird, als gutes Essen auf dem Tisch." Mit Blick auf den Erhalt des Forst- und Domänenamtes, pocht er auf den Erhalt einer gewissen Sonderrolle für das Coburger Land in Bayern. Sorgen bereitet ihm, dass in der Landwirtschaft der Grundsatz "wachsen oder weichen" zu greifen scheint. Das berge die Gefahr, dass Familienbetriebe bei der Arbeit auf immer größeren Höfen an die Belastungsgrenze kämen. Dann bliebe ihnen mangels Arbeitskräften nur das Ausweichen ins Kapital. "Am Ende gehört der Betrieb der Bank", fürchtet Lauterbach und betont: "Das tägliche Brot ist wichtiger als Staatsanleihen für Griechenland."

Als FDP-Politiker setzt Jens-Uwe Peter auf den Markt als Regelmechanismus: "Die Politik sollte sich weitgehend aus dem Wirken der landwirtschaftlichen Unternehmer heraushalten", fordert er daher. Klar, dass er die Milchquote (die in zwei Jahren ausläuft) als falsches Instrument ansieht. Geht es nach ihm, sollte der Wettbewerb zu gerechten uns stabilen Preisen führen. Damit werde die Bürokratie von alleine überflüssig. Fördermittel solle es nur für Arbeit geben, nicht für Daumendrehen, sagte er wohl mit Blick auf Prämien für stillgelegte Ackerflächen. Die Gentechnik möchte Peter nicht verbieten, die "Regulierungswut" im Naturschutz eindämmen. Wenig Verständnis hat der FDP-Kandidat dafür, dass einerseits Flächen stillgelegt, andererseits der Flächenverbrauch bejammert werde.

Diskussion

Was eigentlich eine Fragerunde werden sollte, nutzen viele Landwirte, um den Abgeordneten und möglichen Abgeordneten mit auf den weiteren politischen Weg zu geben, was ihnen auf dem Herzen liegt.
Wolfgang Schultheiß etwa wetterte gegen das Kulturlandschaftsprogramm ("ich persönlich werde mich aus dem Kulap verabschieden"). Es führe nur dazu, dass Ampfer oder Disteln auf Flächen überhand nehmen, und von dort auf regulär bewirtschaftete Äcker und Wiesen übergreifen.

Mit der landwirtschaftlichen Alterskasse und den niedrigen Renten, die an Bauern gezahlt werden, ging Martin Faber ins Gericht, der gespannt ist, wie die Politik die Forderung nach einem Mindestlohn in der Landwirtschaft umsetzen will.
Nach Ansicht von Rolf Rosenbauer, ist es nicht so, dass eine große Zahl von Verbrauchern nach Bioprodukten verlangt: "Da wird doch nur von vielleicht zwei Prozent der Bevölkerung Stimmung gemacht, aber die 98 Prozent bezahlen uns", ist er überzeugt.

Kreisbäuerin Heidi Bauersachs betonte, dass beide, Bio- und konventionell wirtschaftende Landwirte hochwertige Lebensmittel herstellen. Wie er wirtschafte, sei dabei eine Sache der Einstellung jedes einzelnen Landwirts. Es gelte, wieder mehr Bewusstsein für die Erzeugung und die Qualität von Nahrungsmitteln zu schaffen. Angebote, Schulkinder auf die Höfe zu bringen, würden aber wenig angenommen, weil sie nicht bindend sind.
Rüdiger Wintersperger forderte mehr Gleichbehandlung bei der Umsetzung von Bestimmungen durch die Landratsämter in der Region. Während eine Kreisbehörde Bestimmungen schon durchsetze, wenn diese noch in der Schwebe sind, täten andere das nicht.