Bereits als Kind war Steffi Stahl am liebsten im Geschäft ihrer Familie. "Im Prinzip kann man sagen, dass ich bald mein 30-jähriges Jubiläum hier habe", sagt die Goldschmiedemeisterin, die später einmal den traditionsreichen Juwelierbetrieb in der Coburger Spitalgasse übernehmen möchte. Direkt nach dem Abitur hat sie hier ihre Goldschmiedelehre absolviert. "Mein Papa hat mir die Familientradition aus erster Hand weitergegeben. Danach bin ich erstmal nach Pforzheim ausgeflogen, wo meine Ururgroßeltern früher eine Fabrik hatten und Besteck und Schmuck herstellten."

Nach Belgien und zurück

In Pforzheim hat die 27-Jährige ihren Meister an der Goldschmiedeschule absolviert. Danach hat es sie in die belgische Stadt Hasselt verschlagen, wo sie ein Bachelorstudium im Fach Schmuckdesign absolviert. "Das Studium war ein Sprung ins kalte Wasser. In Deutschland ist die Ausbildung sehr technisch, während in Belgien der Schwerpunkt auf dem Künstlerischen liegt", sagt die Coburgerin. Obwohl sie erst im Bachelorstudium war, hat sie den Masterstudenten an der Uni Techniken, wie etwa das Löten, zeigen können.

Bereits vor ihrem Auslandsjahr hat Steffi Stahl ihr eigenes Schmucklabel gegründet. Das war einer der Gründe, warum es sie nach Abschluss ihres Studiums im Juli dieses Jahr zurück in ihre Heimat verschlagen hat. Über die Plattform Instagram ist ihre Kundschaft gewachsen. "Viele aus dem Umkreis kamen in den Laden, um mich kennenzulernen. Ich wollte vor Ort für die Leute erreichbar sein."

Das Alte mit Neuem ergänzen

Neben dem eigenen Label mit Sitz in Coburg sprachen viele weitere Gründe für eine Rückkehr. "Meine Großeltern sind 83 und 84 Jahre alt und arbeiten noch in unserem Betrieb mit. Sie freuen sich, etwas entlastet zu werden", sagt Steffi Stahl. Auch ihr Vater freut sich über Unterstützung in der Goldschmiede. "Der Tag hat zu wenig Stunden. Ich würde gerne mehr arbeiten und mehr Unikatschmuck herstellen - das ist zwischen den Aufträgen oft nicht leicht."

Davon, dass bei Juwelier Stahl drei Generationen zusammenarbeiten, profitiert die ganze Familie. "Wir müssen einandere verstehen lernen. Das Alte ergänzt das Neue", erzählt Steffi Stahl aus ihrem Arbeitsalltag. Die Technik würde sich ständig wandeln. "Mein Papa ist technisch gerne auf dem neuesten Stand. In unserer Werkstatt steht aber auch der Goldschmiedetisch von meinem Uropa."

Ein Studium kam nicht infrage

Anders als Steffi Stahl wusste Sina Heß nicht von klein auf, was sie werden will. "Eigentlich war immer klar, dass ich nicht studieren gehe, sondern etwas Praktisches machen möchte", sagt die Coburgerin. So hat sie nach ihrem Abitur im Jahr 2016 zunächst eine Ausbildung bei der Bundespolizei begonnen. "Nach sieben Monaten habe ich abgebrochen. Wir hatten viel Unterricht, wie in der Schule. Ich wollte am Ende des Tages sehen, was ich gemacht habe und Menschen helfen."

Auf Anregung ihrer Mutter, die das Familienunternehmen Hörgeräte Geuter in zweiter Generation leitet, hat sie sich schließlich dazu entschieden, Praktika als Hörakustikerin zu machen. "Vorher kam das für mich nie in Frage. Ich war ein paar Tage in Germering und Schweinfurt und zwei Wochen in einem Betrieb in Sonneberg", erzählt Sina Heß. Bei den Praktika habe sie dann festgestellt, dass ihr der Beruf Spaß macht. Dennoch stand für die heute 23-Jährige fest, dass sie die Ausbildung nicht im Betrieb ihrer Mutter absolvieren wollte. "Zur Überbrückung habe ich zwei Monate bei meiner Mama gearbeitet und mich in der Zeit um einen Ausbildungsplatz gekümmert. Ich wollte mal aus Coburg raus." Bereits im September ging die dreijährige Ausbildung zur Hörakustikerin in Schwabach los. "Für eine kurze Zeit habe ich dann noch bei einem Betrieb in Nürnberg gearbeitet, um Erfahrungen zu sammeln. Durch Corona kam ich dann schneller wieder nach Coburg als gedacht", sagt Sina Heß.

Seit Februar arbeitet sie nun als Hörakustikerin im Betrieb ihrer Mutter. Sie programmiert Hörgeräte, passt diese an und ist auch für die Nachsorge und die Abrechnungen mit der Krankenkasse zuständig. "Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich. Man hat Kundenkontakt, macht handwerkliches und auch Büroarbeit."

Viele Gründe für Coburg

Die Chance, das Familienunternehmen einmal zu übernehmen, war ein Grund für Sina Heß, als Angestellte in den Betrieb ihrer Mutter einzusteigen. "Ich bin sehr heimatgebunden, meine Familie und Freunde leben in der Umgebung", sagt sie. Ihre Mutter habe immer gesagt, dass sie sich freuen würde, wenn Sina Heß in den Betrieb einsteigt. Zu einer Entscheidung gedrängt hat sie ihre Tochter nicht. Rückblickend möchte Sina Heß die Erfahrungen, die sie in anderen Betrieben gesammelt hat, nicht missen. "Ich kann viele Ideen hier umsetzen."

Berufs- und Studienberatung

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