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Eingebracht hatte diesen Antrag Klaus Klumpers (ÖDP). Der hält Tessmers Aussagen, der Verkehrslandeplatz Brandensteinsebene sei nicht "richtlinienkonform ausbaufähig", für "wahrheitswidrig". Damit würden die Gegner eines Flugplatzneubaus im Landkreis Coburg "verunglimpft". Deshalb solle der Stadtrat es Tessmer verbieten, diese Aussage zu wiederholen.

"Verunglimpfung, Willkür, Amtsmissbrauch, Bilanzfälschung - wir haben uns ja fast schon daran gewöhnt, Aber irgendwann ist eine Grenze erreicht", sagte Tessmer, als er den Antrag aufrief. Mit solchen Worten hatte Klumpers Tessmer beziehungsweise die Verwaltung bei früheren Anfragen und Anträgen bedacht.


Tessmer stellte ausführlich dar, wie er zu seiner Auffassung in Sachen Verkehrslandeplatz Brandensteinsebene kommt, und betonte: "Es geht darum, den Status quo wiederherzustellen, wie er für Coburg 40 Jahre galt." Denn seit den 60er Jahren habe es ab Coburg Geschäftsflugverkehr gegeben; zeitweise habe sogar ein Charterunternehmen mit zwei Kleinflugzeugen den Coburger Unternehmen seine Dienste angeboten. Doch nachdem 1992 ein Jet dieses Charterunternehmens über die Start- und Landebahn hinausgeschossen sei, seien die Sicherheitsvorschriften verschärft worden. Deshalb dürften nun nur noch Maschinen im Werkflugverkehr starten, also Flugzeuge, die den Coburger Unternehme(r)n selbst gehören.

Für einen Geschäftsflugverkehr alter Spielart sei die Brandensteinsebene nicht geeignet, und sie könne auch nicht dafür ausgebaut werden, betonte Tessmer.

Klumpers hingegen pocht darauf, dass die Brandensteinsebene sehr wohl so ausgebaut werden könne, dass sie uneingeschränkt für den Instrumentenflug zugelassen werden könne. Dafür brauche es nur an einem Ende eine 420 Meter lange Anflugbefeuerung, die wegen der Gelände-Gegebenheiten auf großen Masten installiert werden müsste.

Wer auch immer in der Sache recht hat - Tessmer hätte vorschlagen können, den Antrag für unzulässig zu erklären. Er wollte aber, dass der Stadtrat ihn ablehnt - und damit bestätigt, was im Juni 2008 schon einmal beschlossen wurde: Die Brandensteinsebene lässt sich nicht "zukunftsfähig" ausbauen - selbst, wenn man Erdmassen aufschütten würde (sehr teuer), käme dabei eine maximal 1200 Meter lange Bahn heraus. Gebraucht würden für den Geschäftsflugverkehr aber rund 1400 Meter. Deshalb habe sich der Stadtrat schon 2008 dafür ausgesprochen, nach Möglichkeiten zu suchen, einen neuen Verkehrslandeplatz im Landkreis zu bauen.

Der ist bei Neida geplant; das Planfeststellungsverfahren dafür läuft. Aber es gibt viele Gegner des Projekts, und sie haben es schon erreicht, dass per Bürgerentscheid beschlossen wurde, dass der Landkreis aus der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz aussteigen soll. Auch die Stadt ist Mitglied in dieser Projektgesellschaft.

Doch über den Antrag wurde gar nicht erst abgestimmt. Denn nachdem die Probleme mit der Sprechanlage beseitigt waren, begann erst einmal eine deutliche Diskussion. ER habe Klaus Klumpers als "intelligenten und integren Menschen kennengelernt", sagte Rene Hähnlein (SBC). "Doch mit diesem Antrag ist eine Grenze überschritten. Wir können doch als Stadtrat dem Oberbürgermeister keinen Maulkorb verpassen."

"Ich habe bisher nicht erlebt, dass der OB Sie verunglimpft hat", betonte Gerhard Amend (CSB) an Klaus Klumpers gewandt. Dessen Antrag sei geeignet, das Klima im Stadtrat zu vergiften.
Klumpers zeigte sich einsichtig: "Sie haben mich überzeugt." Wenn sein Antrag schlecht für das Klima im Stadtrat sei, "ziehe ich ihn zurück".

Und erntete damit Beifall.