Das Regal, vor dem Bettina Lichtlein steht, könnte auch aus einer Hexenküche stammen: Schraubgläser mit geschredderten Kastanien, in Essig eingelegte Orangenschalen, Sprühflaschen, Messbecher und viele kleine leere Gläser, die bereit sind, gefüllt zu werden. Gefüllt werden sie spätestens bei den Workshops, die bald im Transition-Laden stattfinden werden. Dann geht es aber nicht etwa um Zaubertränke oder dergleichen, sondern um umweltfreundliche Putz- und Waschmittel.

Seit etwa fünf Jahren setzt sich Bettina Lichtlein von Transition Coburg mit alternativen Haushaltsmitteln auseinander. Alles Mögliche stellt sie mittlerweile selbst her: Wasch- und Spülmittel, Fleckenspray, Badreiniger. Nichts, was man nicht einfach mit natürlichen Mitteln selbst nachbauen könnte. Klar, ganz so einfach wie mit konventionellen Produkten sei das Putzen nicht. Oder zumindest nicht immer. "Da ist eben keine Chemie drin", sagt sie, "manchmal muss man mit Muskelkraft ein bisschen nachhelfen und schrubben." Doch der Aufwand sei es ihr wert - für die Gesundheit und die Umwelt. "Plastikverpackungen enthalten hormonähnliche Substanzen, die im Verdacht stehen, schwerwiegende Krankheiten auszulösen", erklärt Bettina Lichtlein. Ein Beispiel: BPA - Bisphenol A.

Die Chemikalie kommt in allen möglichen Gegenständen vor: Babyschnullern, Spielzeug, Lebensmittelverpackungen. Durch Wärme löst sich das BPA aus dem Kunststoff und gelangt in den Körper. Laut Weltgesundheitsorganisation reichen schon kleinste Mengen aus, um zur Entstehung von Krankheiten wie Diabetes, Unfruchtbarkeit oder Fettleibigkeit beizutragen. Auch Phthalate, sogenannte Weichmacher, seien sowohl in Verpackungen als auch in cremigen Substanzen wie Shampoo, Duschgel oder Zahnpasta zu finden. Bei fast allen Menschen seien sie mittlerweile im Blut und Urin nachweisbar, berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz. Aufgenommen werden sie über Atmung, Nahrung, Haut, Mund und Pharmaprodukte. "Was wir nicht im Körper aufnehmen, das landet im Wasser und in der Umwelt", gibt Bettina Lichtlein zu denken.

Oft gebe es allerdings Berührungsängste mit dem Selbermachen. Dabei könnten gerade Allergiker und Menschen mit Hautproblemen von einer Umstellung profitieren. "Eine gewissen Skepsis ist immer da. Die Leute haben Bedenken, dass sie etwas falsch machen könnten", erklärt Lichtlein.

In den Workshops will sie die Teilnehmer vom Gegenteil überzeugen. Doch Bettina Lichtlein weiß auch, dass die Umstellung Zeit kostet. Gerade wenn man eine Familie hat und arbeitet, gehe das nicht von heute auf morgen. Doch das sei auch gar nicht nötig. "Einfach einen Schritt nach dem anderen gehen", ermutigt sie lächelnd.