Ein Vorfall am Allerheiligentag hat die Hundebesitzer im Stadtgebiet aufgeschreckt: Nach einem Spaziergang im Bereich AWO-Altenheims in der Sonneberger Straße ist der Jack-Russell-Terrier eines Mannes an einer Vergiftung gestorben. Bei der Untersuchung des toten Hundes hat sich herausgestellt, dass er vermutlich einen präparierten Giftköder gefressen hat. Deshalb hat die Neustadter Polizei Ermittlungen aufgenommen und mahnt Hundebesitzer zu erhöhter Aufmerksamkeit.

"Wir raten den Leuten, gut auf ihre Tiere zu achten", sagt Norbert Zipfel von der Neustadter Polizei auf Anfrage. Denn gerade, wenn Hunde frei laufen, können sie sich schnell unbemerkt einen Giftköder schnappen und daran zugrunde gehen. Deshalb sei es sinnvoll, die Tiere an die Leine zu nehmen. Zeugen, die Hinweise zum Vorfall in der Sonneberger Straße geben konnten, haben sich trotz eines öffentlichen Aufrufes noch nicht bei der Polizei gemeldet. Deshalb dürfte es schwer werden, den Übeltäter zu finden, der den Köder ausgelegt hat. Vermutlich war es ein Stück Wurst, das mit Gift versehen war.

Bernd Wicklein, Tierarzt in Lautertal, kennt solche Fälle - auch wenn es sie bei ihm in der Tierklinik zuletzt nicht gegeben hat. Aber einen Hund, der sich an einem mit Rasierklingen versehenen Stück Fleisch schwer verletzt hatte, musste er erst vor nicht allzu langer Zeit behandeln. Für Tiermediziner ist der Umgang mit vergifteten Hunden ein Rennen gegen die Zeit. Spätestens dann, wenn sich Tiere aufgrund eines Giftstoffes erbrechen, Krämpfe und hohe Temperatur (bis zu 42 Grad Celsius) bekommen, braucht es schnellstmögliche Hilfe. Deshalb rät Wicklein Hundebesitzern, bei ersten Symptomen ihrer Tiere keine Zeit zu verlieren und möglichst umgehend einen Tierarzt aufzusuchen. Weil das an Wochenenden oder Feiertagen (wie im Neustadter Fall Allerheiligen) nicht zu einfach ist, gibt in in der Region Coburg, Kronach, Lichtenfels einen tierärztlichen Notdienst. Dieser ist über die zentrale Rufnummer 0900/5911000 erreichbar. Und sie ist die beste Wahl, sagt Wicklein: "Es bringt nichts, irgendwie selbst was mit dem Tier herumzuprobieren." Oder gar einfach auf eigene Faust zu einem Tierarzt in der Nähe zu fahren, der vielleicht gar nicht da ist. "Nichts ist im Notfall schlimmer als vor einer verschlossenen Praxis zu stehen", sagt der Tiermediziner.

Gibt es einen zweiten Fall?

Dabei muss es nicht zwingend der böse Wille eines Tierquälers sein, der Hunde in Gefahr bringt. Bernd Wicklein weiß auch von Tieren, die aus Versehen Schneckenkorn verschluckt haben. Auch da sind die Symptome typisch: schwere Krämpfe, blau verfärbtes Erbrochenes, hohe Temperatur. Aber: Es gibt allerdings auch neues Mäusegift, bei dem die Redaktionen der Tiere völlig in die andere Richtung gehen. "Dann sinkt die Temperatur dramatisch, oft sogar unter 34 Grad", sagt Bernd Wicklein. Deshalb noch einmal der dringende Hinweis des Tierarztes: "Wenn sich der Hund verdächtig verhält, sofort zum Arzt."

Die Chance, dass der Neustadter Tierquäler erwischt wird, ist - da ist auch Norbert Zipfel ehrlich - nicht gerade groß. Es sei halt sehr einfach, unbemerkt einen kleinen Giftköder am Rande eines Fußweges fallen zu lassen. Zudem tue sich die Polizei schwer, den Tatzeitraum einzugrenzen. Es könne ja sein, dass der Köder schon seit Wochen ungesehen herumlag, ehe ihn sich der kleine Jack-Russell-Terrier schnappte und daran zugrunde ging. Bislang handelt es sich beim vergifteten Hund vom Allerheiligentag nur um einen Einzelfall. Beim Neustadter Tierschutzverein schwappte zwar unmittelbar nach dem Zeugenaufruf der Polizei das Gerücht auf, dass es noch einen zweiten Vergiftungsfall gegeben haben soll - aber die Sache bestätigte sich am Ende nicht.