Eine offizielle Verlautbarung zur jüngsten Mitgliederversammlung des CSU-Kreisverbands Coburg-Stadt könnte folgenden Wortlaut haben: Mit einem geschlossenen Auftritt sollten noch einmal Kräfte mobilisiert werden, um im Endspurt des Bundestagswahlkampfs den CSU-Kandidaten Jonas Geissler so gut wie möglich unterstützen zu können.

Dass bei der Zusammenkunft am vergangenen Wochenende tatsächlich so etwas wie "Geschlossenheit" demonstriert werden konnte, mag aber auch an der relativ kurzfristigen Absetzung eines ganz bestimmten Tagesordnungspunkts gelegen haben. Einem Tagesordnungspunkt, der wohl für Streit gesorgt hätte: die turnusmäßige Neuwahl des Kreisvorsitzes.

René Boldt, der seit 2017 Kreisvorsitzender ist und das auch gerne bleiben würde, nennt freilich eine andere Begründung. Viele Mitglieder seien derzeit noch im Urlaub und hätten deshalb bei der wichtigen Personalentscheidung gefehlt. Deshalb habe es Anfang vergangener Woche einen breiten Konsens gegeben, die Neuwahl auf den 12. Oktober zu verschieben. Stattfinden musste die Versammlung aber trotzdem, denn außer der Kräfte-Mobilisierung ging es auch noch darum, zwei Delegierte für den CSU-Parteitag zu wählen, der am 10. und 11. September in Nürnberg stattfindet.

Doch selbst wenn die Entscheidung um den CSU-Kreisvorsitz somit erst nach der Bundestagswahl fällt: Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es Boldt gleich mit zwei Herausfordern zu tun bekommt. Außer Michael Schulz hat still und leise auch Kurt Knoch seinen Hut in den Ring geworfen.

Kurios: Kurt Knoch konnte bis Anfang vergangener Woche ja nicht wissen, dass es bei der Versammlung doch keine Neuwahl gibt und hatte deshalb schon vorher - intern - seine Kandidatur angekündigt. Sein Interesse am CSU-Kreisvorsitz bestätigte der 37-jährige Knoch auch am Donnerstag auf Tageblatt-Anfrage. Groß sprechen wollte er aber nicht darüber.

Fokus auf die Bundestagswahl

Denn: "Jetzt konzentrieren wir uns erst einmal auf die Bundestagswahl - alles andere klären wir danach." Die Menschen würden es nicht verstehen, so Knoch, wenn sich die Coburger CSU jetzt mit Personaldebatten um den Vorsitz beschäftigt. Stattdessen kündigt Knoch an: "Wir haben noch richtig viel vor, um unseren Jonas Geissler zu unterstützen!"

Apropos Geissler: Dass es der Kronacher geschafft hat, sich trotz der Dominanz der CSU-Kreisverbände Coburg-Stadt und Coburg-Land die Bundestagskandidatur zu sichern, hat indirekt auch mit Michael Schulz zu tun. Denn eigentlich wollte ja René Boldt die Nachfolge des sich zurückziehenden Abgeordneten Hans Michelbach antreten. Doch dann kündigte Michael Schulz an, René Boldt sowohl die Kandidatur für den Bundestag als auch den Kreisvorsitz streitig machen zu wollen. Aus dem Bundestagsstreit ging schließlich Jonas Geissler als "lachender Dritter" hervor.

Ob Kurt Knoch zum "lachenden Dritten" im Vorsitzendenstreit wird? Auch dazu möchte sich Knoch vorerst nicht äußern. Ganz im Sinne der Geschlossenheit sagt er lediglich: "Wir wollen nach der Bundestagswahl eine Lösung finden, mit der wir bestmöglich in die Zukunft gehen können."

Ähnlich äußert sich Schulz. Die Frage, ob er an seiner im Frühjahr angekündigten Kandidatur festhält, möchte er gar nicht beantworten. "Mein Fokus liegt aktuell auf der Bundestagswahl. Hier gilt es, die Kräfte zu bündeln und geschlossen für ein bürgerliches Bündnis zu werben." Das sieht René Boldt ganz genauso: "Die Wahl des Kreisvorsitzenden ist derzeit zweitrangig."

Wer sind die Drei?

René Boldt (48), war Stadtrat von 2008 bis 2014 und ist es wieder seit 2020. Außerdem ist er seit 2015 Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Coburg-Süd und seit 2017 auch Vorsitzender des CSU-Kreisverbands.

Michael Schulz (53), war von 2017 bis 2019 stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender.

Kurt Knoch (37), ist Stadtrat seit 2014 und seit kurzem auch Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Coburg-Nord.