Gerd Kanz ist ein Künstler, der mit stiller Beharrlichkeit seinen Weg geht. Seine künstlerische Handschrift ist in jedem seiner Werke unverkennbar, ohne je in Gefahr zu geraten, zur Masche zu werden. Wer den Werdegang von Gerd Kanz kontinuierlich verfolgt hat, erlebt einen Künstler, der sich selbst treu bleibt und der sich doch stetig verändert und weiter entwickelt. Denn Kanz ist ein ewig Suchender, ein Gestalter, der in jedem Werk ein wenig mehr zum Kern vordringen will, der immer mehr nach Klarheit des Ausdrucks strebt. Davon erzählt auch seine große neue Ausstellung im Kunstverein Coburg.



"Essence of Growth - Das Wesen des Wachsens" hat Kanz die Präsentation genannt, die Skulpturen und Tafelbilder zeigt. Die Werke des in Untermerzbach lebenden Künstlers zeichnen sich durch ihre innere Ruhe aus, durch die Konzentration auf das Wesentliche, durch den Verzicht auf jedes Ornament, jede Äußerlichkeit.
"Das Wesen des Wachsens" - dieser Titel ist nach eigener Aussage inspiriert von der Faszination, die das Wachstum in der Natur auf ihn ausübt. Der Titel "Das Wesen des Wachsens" lässt sich auch auf sein Schaffen anwenden, das schon in vielen Ausstellungen in der Region und weit darüber hinaus zu sehen war.


"Fest des Lebens"

Denn Kanz ist ein Künstler, der sich in seinem Schaffen immer weiter entwickelt hat, der sich neue Ausdrucksbereiche und gestalterische Formen erschlossen hat, ohne seinen Stil ganz grundsätzlich verändert zu haben. Im heimischen Garten von Untermerzbach holt sich Kanz manche Inspiration. Der äußere Eindruck freilich ist nur der Impuls, der den kreativen Prozess auslöst: "Mich interessiert nicht, die Rote Beete abzumalen, sondern dem Wesen des Wachsens nachzuspüren."


Diese Faszination spiegelt sich in seinen Arbeiten wider, die oft in Werkreihen angelegt sind und bei aller Ähnlichkeit in Technik wie gestalterischen Akzenten immer wieder neu wirken. Die fertigen Werke erzählen scheinbar nichts von der Mühe des kreativen Prozesses, von Fragen und Zweifeln. "Die Arbeiten sperren die Gedanken und Schmerz und Zerrissenheit nicht aus", sagt Kanz und "sind doch immer wieder ein Triumph über den Schmerz, feiern ein Fest des Lebens."


Im Pavillon des Kunstvereins zeigt Kanz Arbeiten aus den letzten Jahren, in denen er eine gesundheitliche Krise auch mit der Kraft der Kunst überwunden hat. Weil er - krankheitsbedingt - vorübergehend die Malerei aufgeben musste, hatte Kanz 2011 begonnen, sich auf ganz eigenständige Weise den Bereich der Plastiken zu erschließen. Das Resultat sind faszinierende Bogenskulpturen, die aus einer Vielzahl unterschiedlicher Schichten montiert geformt sind und am Ende gleichsam mit einer Verputzschicht überzogen sind.


Tafelbilder und Bogenskulpturen

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln ermöglichen sie immer neue Perspektiven und verweisen doch zurück auf die Malerei von Kanz, die wiederum auch Berührungspunkte mit seinen Plastiken zeigt, wenn Linien regelrecht in den Malgrund geritzt werden.


Die Ausstellung im Kunstverein zeigt beides - Tafelbilder und Bogenskulpturen nebeneinander und im spannenden Dialog. "Das Wesen des Wachsens" - treffend gewählter Titel für eine Ausstellung, die neue Facetten im Schaffen eines außergewöhnlichen Künstlers zeigt.



Gerd Kanz im Kunstverein Coburg

Gerd Kanz "Essence of Growth - Das Wesen des Wachsens" (Eröffnung: Samstag, 5. März, 16 Uhr, Kunstverein Coburg; Einführung: Egon Stumpf; musikalische Umrahmung: Silvie Popp, Saxofon, Marius Popp, Klavier) - Katalog: 216 Seiten, gebunden, 25 Euro

Öffnungszeiten bis 17. April (Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 12.30 und 14 bis 17 Uhr; Infos online: www.kunstverein-coburg.de)

Gerd Kanz wurde 1966 in Erlangen geboren. Er wuchs in Coburg auf und absolvierte das Gymnasium Albertinum. Von 1987 bis 1993 studierte er Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Rolf-Gunter Dienst, Johannes Grützke und Ludwig Scharl, dessen Meisterschüler er wurde. Zahlreiche Einzelausstellungen. Gerd Kanz ist seit vielen Jahren auch international in Galerien vertreten.
Auszeichnungen Gerd Kanz wurde bereits mit einer Vielzahl von Preisen sowie mit Stipendien bedacht. Dazu gehören beispielsweise der Kulturförderpreis der Stadt Coburg (1989), Kulturpreis des Lankreis Coburg (1993), Debütantenpreis des Freistaates Bayern (1994), Stipendium Ebernburg (1996). Im Januar 2014 wurde er zudem zum Künstler des Monats der Metropolregion Nürnberg gekürt.