Dieses Spiel hätte ihrem Mann Willi viel Freude gemacht. Während Trude Schillig entspannt auf der Tribüne saß und die letzten Minuten eines einseitigen Oberfrankenderbys genoss, brodelte es in ihrem unruhigen Nachbarn. Der sonst so vollmundige Franz Stegner rutschte auf seiner gut gepolsterten Sitzschale hin und her, rang nach Worten, nach Erklärungen. In diesem Moment fand er aber nur Floskeln: "Die Frohnlacher waren klar besser. Sie haben verdient gewonnen".

Dann aber doch: "Das muss doch ein Trainer sehen, da hat ja gar nichts gepasst. So kann es nicht weitergehen", schimpfte der "Lügen-Franz". Der gebürtige Frohnlacher musste zuvor eineinhalb Stunden tatenlos mit ansehen, wie sein selbst ernannter Meisterschaftsanwärter nach allen Regeln der Fußball-Kunst ausgekontert wurde.
Die Frohnlacher machten ein Klassespiel. Mit dem 3:0 war die SpVgg Oberfranken Bayreuth gut bedient. Mit etwas mehr Konzentration im Abschluss hätte der "Mann des Tages" auch für ein Debakel aus Bayreuther Sicht sorgen können: Tayfun Özdemir spielte mit der SpVgg-Verteidigung vor und nach der Pause 'Katz und Maus'.
Der trickreiche Türke, der den Hallenfußball liebt wie kein Zweiter weit und breit, packte ein Kabinettstückchen nach dem anderen aus und narrte sogar den Drittliga-erfahrenen SpVgg-Keeper Sponsel.

Kraftvoll drang der Ebersdorfer immer wieder von links kommend in den Strafraum ein. Beim 1:0 legte er mit viel Übersicht quer auf den fehlerfreien "Sechser" Kalb. Der Ex-Burgkunstadter krönte sein Heimdebüt in Frohnlach mit einem trockenen Flachschuss (21.). Das 3:0 war zum Zungeschnalzen: Nach Pass von Karg ließ "Tay" mit einem Absatzkick zwei Bayreuther ins Leere laufen und schob den Ball überlegt am baumlangen Keeper vorbei ins lange Eck (50.) - Klasse!

Dazwischen lag das fast nicht weniger sehenswertes 2:0, als Scheller den vermutlich doch knapp im Abseits stehenden Karg bediente. Der "Rückkehrer" passte sofort flach und scharf nach innen, wo Dauerläufer Christian Brandt am langen Pfosten kompromisslos vollstreckte (33.).

Das Flügelspiel der "Blau-Weißen" war fantastisch anzusehen, weil die Bayreuther ohne ihren verletzten Abwehrchef Florian Ascherl nie Zugriff bekamen und jegliche Ordnung vermissen ließen. Hätte Karg nach sechs Minuten die tolle Flanke von Özdemir aus Nahdistanz eingeköpft - vorausgegangen war zuvor ein 60-Meter-Pass des zweitbesten Frohnlachers Kristian Böhnlein - oder Özdemir in der 17. Minute nicht zu lange mit dem Abschluss gezögert, als Sponsel im Liegen gerade noch die Hand auf den Ball bekam, wäre das Derby noch schneller entschieden gewesen.

Apropos Böhnlein: Auf der Sechs war der ballsichere Mann mit der Nummer 23 eine "Gewalt". Bei dem Kronacher Bankangestellten war das Streitobjekt stets sicherer als in einem Safe. Er spielte schlaue Pässe in die Spitze, bediente seine Außen und hatte stets selbst Zug zum Tor - ein toller Schachzug von Trainer Stefan Braungardt.
Wenn es Böhnlein gelingt, seine provokante Art und Weise noch in den Griff zu bekommen - was ihm schwer fallen wird - ist er für das Frohnlacher Spiel unersetzlich. Natürlich hatte nämlich auch er seinen Anteil daran, dass das Prestigeduell mit vielen Nicklichkeiten gespickt war. Für Schiedsrichter Steffen Mix war es eine schwer zu leitende Partie. Referees mögen solche Spiele, weil sie nur in solchen Partien hohe Noten erzielen können. Und Mix hatte großen Anteil daran, dass das Spiel trotz der schwülen Temperaturen phasenweise so schnell und attraktiv war. Er ließ vieles laufen. Bei der einen oder anderen Rudelbildung blieb Mix stets Herr der Lage und zückte, seiner Linie entsprechend, zweimal die gelbe und nicht die von einigen aufgebrachten Fans geforderte rote Karte - sicher auch im Interesse beider Teams. Die Frohnlacher können auf diesem tollen Heimspiel, in dem mit Jannik Schmidt hinten rechts und Yannic Zinke, der nach der Verletzung von Kapitän Marcel Burkhardt in der verantwortungsvollen Rolle des Innenverteidigers fehlerfrei agierte, zwei Youngster standen, aufbauen. Die Auftaktpleite in Haibach ist jedenfalls ausgebügelt. Braugardt und seine Jungs haben beste Werbung für mehr Besuche im Willi-Schillig-Stadion gemacht.

Für den Bayreuther Trainer Heiko Gröger brechen dagegen bereits jetzt ungemütliche Tage an. Insider vermuten, dass der Stuhl des Trainers schon wackelt. Der Name Gino Lettierie kursiert seit einiger Zeit in Bayreuth.
Franz Stegner wird sich jedenfalls nicht mehr so zurückhalten wie gestern. Es ist davon auszugehen, dass er in den nächsten Tagen kein Blatt mehr vor den Mund nimmt, intern Tacheles redet und dem einen oder anderen die Leviten ließt.
Und das zu Recht, denn der Auftritt der Bayreuther wurde gestern Abend einer Mannschaft mit derartigen Ansprüchen zu keinem Zeitpunkt gerecht.