Eigentlich wollte die Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz schon viel weiter sein: Der Planfeststellungsbeschluss, also die Baugenehmigung für einen neuen Flugplatz bei Neida sollte längst vorliegen. Doch das Verfahren dümpelt seit einem Jahr vor sich hin, es wurden neue Gutachten nötig, und das geht nun auch ins Geld. Die Stadt muss in diesem Jahr 150 000 Euro bereitstellen und damit 54 300 Euro mehr als geplant. Das Geld ist vorhanden, weil die neue Telefonanlage für die Stadtverwaltung nicht gekauft, sondern geleast wird. Außerdem, so sagte es Kämmerin Regina Eberwein, sei das sozusagen nur eine vorgezogene Auszahlung. An dem Finanzierungsanteil der Stadt für den Bau werde sich dadurch nichts ändern.

Der Finanzsenat stimmte dieser Umbuchung am Mittwoch mit sieben zu zwei Stimmen zu. Vorausgeggangen war freilch ein heftiger Schlagabtausch zwischen Wolf-Rüdiger Benzel (Grüne) und Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD). "Da wird Geld ausgegeben für ein Ding, das längst erledigt ist", meinte Benzel, während Tessmer ihm vorwarf, "Unwahrheiten zu verbreiten".


"Unternehmen erwarten das"

"Die Region braucht einen leistungsfähigen und zukunftsfähigen Verkehrslandeplatz - die Brandensteinsebene ist das nicht", sagte Gerhard Amend (CSB). Die Argumentation gegen den Neubau und für die Aufrechterhaltung des Betriebs auf der Brandensteinsebene sei "rückwärtsgewandt". Thomas Bittorf (CSU) hielt Benzel vor, die Unwahrheit zu sagen: Nicht die Stadt, sondern die Wirtschaft zahle den Löwenanteil der Baukosten, und "jeder vernünftige Unternehmer würde erwarten, dass die Stadt so vorgeht".

Seit Jahren drängen Unternehmen in und um Coburg darauf, dass die Region einen leistungsfähigen Verkehrslandeplatz brauche, auf dem auch die Maschinen der Unternehmen problemlos starten und landen können. Derzeit nutzen sie den vorhandenen Flugplatz Brandensteinsebene, der allerdings nur über eine Landebahn von 630 Metern länge verfügt. Für den Brose-Jet ist das zu wenig, und die anderen Maschinen können aus Sicherheitsgründen nicht vollbeladen starten. Außerdem brauchen die Piloten Sondererlaubnisse, um beim Start den Sicherheitsstreifen mitnutzen zu können.
All das hatte der Vorsitzende der Brose-Gesellschafterversammlung, Michael Stoschek, in einem Brief an den Präsidenten der Regierung von Mittelfranken thematisiert. Dort ist das Luftamt Nordbayern angesiedelt, zuständig für die Genehmigung eines neuen Flugplatzes. Anlass waren Veröffentlichungen, dass auf dem Flugplatz dauerhaft Instrumentenflugbetrieb möglich wäre, wenn es nur eine richtlinienkonforme Anflugbefeuerung geben würde. Die würde Schätzungen zufolge etwa eine Million Euro kosten.

Das spiele im Planfeststellungsverfahren durchaus eine Rolle, heißt es in der Antwort von Mittelfrankens Regierungspräsident Thomas Bauer. "Gerade die Möglichkeit einer richtlinienkonformen Herstellung der Anflugbefeuerung (...) wird bei einer Abwägung im Hinblick auf eine Planrechtfertigung für den Bau des beantragten neuen Platzes zu berücksichtigen sein".


Antworten auf Bauer

Das wollen OB, Landrat und Wirtschaftsvertreter nicht so stehen lassen: "Der Platz ist zwar ,formal‘ richtlinienkonform, aber er entspricht nicht den heutigen beziehungsweise zukünftigen Sicherheitserfordernissen", heißt es in dagegen in einem neuen Schreiben, an Bauer, das von acht Personen unterzeichnet ist. Sechs davon vertreten Gesellschafter der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz Coburg: Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), IHK-Präsident Friedrich Herdan, Jürgen Otto, Vorsitzender der Geschäftsführung von Brose Fahrzeugteile, Martin Kapp (Kapp Werkzeugmaschinen), Björn Schumacher (Schumacher Packaging Ebersdorf), Frank Wöhner (Wöhner Gmbh, Rödental). Unterschrieben haben außerdem Coburgs Landrat Michael Busch (SPD) und Michael Stoschek (Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von Brose Fahrzeugteile). Der Landkreis ist aus der Projektgesellschaft ausgeschieden, hat aber das Planfeststellungsverfahren mit großer Kreistagsmehrheit befürwortet. "Wir bitten Sie daher eindringlich, dafür zu sorgen, dass die am Verfahren beteiligten Mitarbeiter das Planfeststellungsverfahren konstruktiv und erfolgreich zum Wohle der starken Wirtschaftsregion Oberfranken-West zu Ende führen", schließt das Schreiben.

Der Brief datiert vom 9. September und wurde jetzt von der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz Coburg an die Medien gegeben, ebenso wie ein Brief von Björn Schumacher, der sich persönlich an Regierungspräsident Bauer gewandt hat. Auch Schumacher verweist darauf, dass es die Anforderungen an die Sicherheit für Piloten und Passagiere dazu geführt hätten, dass ein neuer Verkehrslandeplatz bei Coburg gebaut werden soll.