Ein verregneter Flohmarkt am Samstag, ein Bürgermeister ohne Schultheißgewand, der mit Milch statt mit Bier anstößt. Wer das Altstadtfest in Seßlach noch aus den Vorjahren kennt, könnte sich in diesem Jahr das ein oder andere Mal gewundert haben. Aber der Reihe nach.

Die sommerlich-warme Atmosphäre blieb auf dem Altstadtfest an diesem Wochenende leider aus. Die Schnäppchenjäger mussten sich mit warmen Jacken und Regenschirmen ausrüsten, um auf dem Flohmarkt am Samstag einige Schätze zu ergattern. Denn zu den Hauptattraktionen gehört der große Flohmarkt allemal.

Das können auch Heinz und Petra Scheidmantel bestätigen, die das Altstadtfest seit vielen Jahren besuchen. Sie wollten sich das bunte Warenangebot der Händler trotzt unbeständigem Wetter nicht entgehen lassen. "Die Auswahl auf dem Flohmarkt ist gut gemischt, da ist das Stöbern angenehm", meinte Petra Scheidmantel. Und ihr Ehemann fügte hinzu: "Viel Schrott ist da eigentlich nicht dabei." Auch den Bauernmarkt mit den vielen regionalen Produkten besucht das Ehepaar gerne: "Wir können das Altstadtfest nur weiterempfehlen."

Der Flohmarkt war natürlich nicht der einzige Programmpunkt an diesem Wochenende im Mittelalterstädtchen. Am Samstagnachmittag lud der Handwerkermarkt erneut zum Stöbern und Entdecken ein und einige Händler gewährten interessierten Zuschauern an der Stadtpfarrkirche einen Einblick in ihr Kunsthandwerk.

Auch der Stadtlauf hat sich schon seit Jahren auf dem Altstadtfest etabliert, deshalb durften auch in diesem Jahr alle Sportbegeisterten "Rund um die Stadtmauern" laufen. Zum Ausklang beider Tage spielte am Abend Live-Musik. Am Samstag begeisterte die Band "Mainfieber light" und am Sonntag luden die "Rossinis" noch zum gemütlichen Beisammensitzen ein. Die Gasthäuser der Stadt öffneten ebenfalls ihre Türen und verwohnten die Gäste mit regionalen Spezialitäten.

Am Sonntag, nach dem Böllerschießen, zog eine bunte Schar aus Rittern, Mönchen und Burgfräuleins auf den Marktplatz, auf dem die Stadtkapelle Seßlach schon musizierte. Mittendrin war der neue Bürgermeister der Stadt Seßlach, Martin Mittag, der vor dem Bieranstich noch einige Worte seinen Gästen widmete. Denn es gab dringenden Klärungsbedarf.

Nicht nur, dass das neue Stadtoberhaupt die traditionelle Tracht des Schultheiß nicht trug, zudem stieß er mit einem Krug Milch statt mit Bier an. Das Schultheißgewand sei ihm zu lang, erklärte Martin Mittag und das Bier wolle er lieber den Besuchern lassen. "Denn der Gäste Durst ist groß", so der neue Schultheiß, die Begrüßung wie gewohnt in altertümlichen Reimen. Doch auch ohne Bier versprühte der Bürgermeister gute Laune und wurde von seinen Gästen bejubelt. Das mittelalterliche Lagerleben, das in den Vorjahren rund um die Stadtmauern Seßlachs aufgebaut war, musste in diesem Jahr wegen des schlechten Wetters abgesagt werden. Deshalb spielte stattdessen die kleine Musikgruppe Alleweyl, die in alten Gewändern mittelalterliche Lieder zum Besten gaben. So lebten auch in diesem Jahr am Altstadtfest längst vergangene Zeiten wieder auf, dagegen konnte auch der Regen und eine Schultheiß ohne Gewand nichts ausrichten.