Am Sonntagnachmittag lud die Kirchgemeinde Wildenheid-Meilschnitz bei der Friedenskirche zum diesjährigen Gemeindefest ein. Ob bei deftigen Bratwürsten oder mit Kaffee und Kuchen - den Gästen bot sich die Möglichkeit auf entspanntes Zusammensein. Und das "Kindernest Wildenheid" sorgte für Spiel und Spaß für die Kinder.
Der Erlös des Gemeindefestes wird für die Sanierung der Friedenskirche verwendet. "Die Brandschutzmaßnahmen sind veraltet und wir benötigen dringend eine energieeffizientere Heizung und neue Elektroanlagen", sagt Pfarrer Jörg Herrmann. Zudem brauche es ein neues Dach und verbesserte Eingangsbereiche. "Durch die zwei Türen und die Stufen vor der Kirche ist es für Rollstuhlfahrer schwierig, in die Kirche zu kommen", sagt er.
Darüber hinaus wird die Kirche mit einem neuen liturgischen Konzept versehen. "Das bedeutet, dass sich die Bänke künftig verschieben lassen können. So können wir auch in der Mitte der Kirche einen Altar aufbauen und die Bänke kreisförmig um ihn anordnen, sollte beispielsweise eine Taufe in kleinem Rahmen stattfinden", erklärt er. Auch im Gemeindehaus müsse einiges verändert werden. "Die Verkleidung der Fenster ist schadstoffbelastet und muss dringend ausgetauscht werden", sagt Pfarrer Jörg Herrmann. Zudem solle dort eine behindertengerechte Toilette entstehen. "Und damit mehr Platz ist, soll das Gemeindehaus um etwa drei Meter erweitert werden", sagt er.

Um dieses Bauvorhaben in die Tat umzusetzen, brauche es zirka eine Million Euro - davon müsse die Kirchgemeinde zehn Prozent selbst aufbringen. "Von den 100 000 Euro, die wir brauchen, haben wir jetzt schon 35 000 Euro, also etwas mehr als ein Drittel. Das ist schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass wir erst vor drei oder vier Jahren mit konkreten Planungen begonnen haben", sagt Pfarrer Jörg Herrmann. Außerdem gebe es noch einen weiteren Lichtblick: die evangelische Landeskirche habe zugesagt, die Kirchsanierung zu unterstützen. "Wie hoch die Summe ist, die wir tatsächlich bekommen, wissen wir zwar noch nicht, aber wir freuen uns dennoch über die finanzielle Hilfe", sagt er. Doch die Unterstützung sei auch an eine Bedingung geknüpft: "Wir müssen uns noch um Drittgeldgeber kümmern", erklärt Pfarrer Jörg Herrmann. Deshalb sei man im Moment damit beschäftigt, Sponsoren für das Projekt zu gewinnen und weitere Aktionen auf die Beine zu stellen, um noch mehr Spenden einzunehmen. So wie "Dinieren für's Renovieren", das am 5. November im Gemeindehaus stattfindet. "Den Gästen wird für deren Spende ein Vier-Gänge-Menü geboten", erklärt Pfarrer Jörg Herrmann. Bis zum 16. Oktober könne man sich für das Dinner anmelden. "Es sind noch immer Plätze frei", sagt er.
Unter den Gästen des Gemeindefestes in Wildenheid ist Michaela Prediger. "Ich komme gerne zum Gemeindefest, da ich viele Leute treffe und mich mit ihnen nett unterhalten kann", erzählt sie. Zudem wolle sie auch ihre Tochter mit einbinden. "Ich möchte, dass sie Zugang zur Gemeinde findet", sagt sie. Für sie sei es besonders wichtig, dass die Kirche endlich barrierefrei wird. "Für Rollstuhlfahrer ist der Eingang bisher sehr umständlich", erklärt die Wildenheiderin. Der Meilschnitzer Klaus Bosecker war selbst 20 Jahre lang im Wahlausschuss der Kirchengemeinde. Bei der Kirchensanierung müsse man seiner Meinung nach Probleme offen ansprechen. "Sonst kann ja nichts geändert werden", sagt er. Er finde, man müsse das Dach erneuern. "Außerdem könnte man auch die Innenausstattung etwas moderner gestalten", sagt er.


Meinungen zur Kirchensanierung


Günter Grempel (Wildenheid):
"Als Hausmeister für Kirche und Kindergarten fühle ich mich der Gemeinde verpflichtet. An der Kirche muss wirklich viel renoviert werden. Da die Kirche schon so alt ist, sind viele Dinge durch den Verschleiß kaputtgegangen. Doch noch viel wichtiger ist es, den Eingang endlich rollstuhlgerecht umzubauen und behindertengerechte Toiletten im Gemeindesaal einzubauen."

Petra Kiesewetter (Wildenheid):
"Ich bin eigentlich jedes Jahr auf dem Gemeindefest, da wir vom "Kindernest Wildenheid" immer Aktionen für Kinder anbieten. Schade, dass die Anzahl der Kinder hier immer recht überschaubar ist. Wir würden uns wirklich freuen, wenn mehr Eltern mit ihren Kleinen kommen würden. In der Kirche fühlen sich die Bänke nach längerem Sitzen sehr unbequem für den Rücken an. Deshalb fände ich es gut, wenn sie nach der Sanierung bequemer wären."


Friedenskirche

Die Friedenskirche in Wildenheid ist am 16. Oktober 1955 geweiht worden. Sie gehörte zu einer Reihe von Kirchen, die von der amerikanischen Fundraising Company "Wooden Church Crusade" finanziert wurden. Sie wurden im Deutsch-Deutschen Grenzgebiet gebaut, damit die Westdeutschen gemeinsam beten konnten und den Ostdeutschen Hoffnung auf Freiheit zu geben. Zudem sollten sie ein Zeichen der Freundschaft zwischen den Amerikanern und den Deutschen sein. Insgesamt wurden ungefähr 24 Kirchen in ganz Deutschland durch die "Wooden Church Crusade" fertiggestellt.