Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid fühlen sich 54 Prozent der türkischstämmigen Muslime nicht als Teil der deutschen Gesellschaft anerkannt. "Das erleben wir in Coburg nicht so", sagt Ilhan Birinci von der türkisch-islamischen Gemeinde Coburg, Ditib. Einen Grund dafür sieht er im offenen Umgang von Muslimen und Nichtmuslimen in der Stadt. Und deshalb wird auch in diesem Jahr mit einem öffentlichen Fastenbrechen das Ende des Fastenmonats Ramadan gefeiert. Es findet bereits zum dritten Mal statt und zum zweiten Mal auf dem Albertsplatz. "Gegen 21.30 Uhr gibt es den Gebetsruf und danach wird gemeinsam gegessen", erläutert Ilhan Birinci. Er hat bereits alles eingekauft, was für das Festmahl gebraucht wird. 600 Gäste können bewirtet werden.
Das Kochen übernehmen die Frauen der Gemeinde, die Männer müssten aber mithelfen, sonst sei das nicht zu schaffen.

29 Tage, an denen erst nach Sonnenuntergang gegessen und getrunken werden darf, liegen nun hinter den Muslimen. Ein Fastenbrechen gibt es allerdings jeden Abend. Dazu seien regelmäßig 130 bis 140 Gläubige und Gäste in die Räume der türkisch-islamischen Gemeinde gekommen, erzählt Ilhan Birinci. Auch Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) war immer mal wieder dabei. "Interreligiöse und interkulturelle Kontakte vor Ort sind mir wichtig", sagt er dazu. Er habe großen Respekt vor der Disziplin, mit der die Muslime fasten. "Dabei kann man viel lernen", ergänzt Ilhan Birinci. Zum einen entwickle man Mitgefühl mit den Menschen, die immer wenig oder nichts zu essen haben. Zum anderen wachse die Achtung vor dem Wert von Speisen und Getränken. Nichts davon sollte verschwendet werden. Auch Flüchtlinge seien regelmäßig Gast in der Gemeinde. "Sie werden von uns versorgt und fühlen sich wohl hier." Klar, dass sie auch beim Fastenbrechen dabei waren.
Die Veranstaltung am Samstag steht unter dem Motto "Lasst uns Herzen versöhnen, im Ramadan und jederzeit". Dazu laden die Stadt und die Ditib-Gemeinde alle Muslime und Nichtmuslime ein. Gast wird unter anderem der Generalkonsul des türkischen Generalkonsulats in Nürnberg sein. "Unser Anliegen ist es, den interreligiösen und interkulturellen Dialog auf eine persönliche Ebene zu bringen und nicht einfach von Muslimen und Christen als abstrakte Begriffe zu reden", betont Rainer Klein, der Integrationsbeauftragte der Stadt.