Ganz so schlimm wie die Kollegen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat es die Feuerwehren im Coburger Land in den vergangenen Wochen nicht getroffen - aber auch Anfang Juni im östlichen Landkreis und vergangene Woche im Itzgrund gab es Hochwasserereignisse, die die ehrenamtlichen Einsatzkräfte über Stunden hinweg beschäftigten. Ein Fingerzeig für die Zukunft? "Davon muss man ausgehen", sagt Coburgs Kreisbrandrat, Manfred Lorenz im Interview.

Bei den Einsätzen in Rheinland-Pflanz und Nordrhein-Westfalen sind auch mehrere Feuerwehrmänner ums Leben gekommen. Was war da Ihr erster Gedanke als Feuerwehr-Führungskraft?

Manfred Lorenz: Selbst als Führungskraft mit vielen Jahrzehnten Einsatzerfahrung ist man nach solchen Bildern und Meldungen schockiert. Ich denke, das ist das Schlimmste für eine Führungskraft, wenn einer oder mehrere ihre Leute beim Einsatz ums Leben kommen. Wir Feuerwehren im Coburger Land zeigen uns solidarisch und werden unsere Einsatzfahrzeuge mit einem Trauerflor ausstatten. Es ist einfach nur schlimm!

Kann man so was überhaupt lehren/lernen, dass auch für Hilfskräfte irgendwann der Punkt da ist, wo man sagen muss: Jetzt wird es für mich zu gefährlich - ich kann einfach jetzt nicht eingreifen?

Sicherlich gibt es Vorgaben und Sicherheitshinweise für solche Einsätze. Aber dennoch gibt es immer wieder Situationen, die Abweichungen erfordern. Wenn es ernst wird, erzielt man oftmals nur mit pragmatischen Entscheidungen ein Ergebnis. Grundsätzlich jedoch hat jeder Feuerwehrdienstleistende das Recht, aber auch die Pflicht, bei gefährlichen Situationen den Rückzug anzutreten. Erfahrung, auch Lebenserfahrung, und Vernunft sind hier oftmals gute Ratgeber.

Schon der Name sagt's: Feuer-Wehr. Müssen sich die Feuerwehren künftig in der Ausbildung und technischen Ausstattung (noch) mehr auf Einsätze bei wetterbedingten Katastrophen einstellen?

Wir als Feuerwehr sind sicherlich in der Vergangenheit schon öfter mit Hochwasserereignissen konfrontiert gewesen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an das Donau- und das Elbe-Hochwasser. Dennoch sind die gegenwärtigen Starkregenereignisse mit den nachfolgenden Hochwässern eine ganz andere Kategorie. Wir in der Kreisbrandinspektion Coburg machen uns schon Gedanken, wie wir die Alarmierung und die Einsatztaktik optimieren können. Wir haben schon Anpassungen vorgenommen. Inwieweit zusätzliche Anschaffungen von Fahrzeugen oder Ausrüstungen notwendig sind, wird noch zu eruieren sein. Eine Sache möchte ich hier ausdrücklich betonen: Unsere Kameraden vom THW sind eine unverzichtbare Hilfe, die wir nicht missen möchten.

Im Itzgrund hat der Eggenbach Mauern einstürzen lassen und tonnenschwere Container mitgerissen. Neigt man - auch im Einsatz - dazu, die Gefahren bei Hochwasserereignissen zu unterschätzen?

Das Ereignis am Eggenbach ist ein gutes Beispiel dafür, dass selbst an Stellen, an denen man es auf den ersten Blick nicht erwartet, Gefahren auftreten können. Grundsätzlich muss man auch im Einsatz jederzeit damit rechnen, dass es gefährlich werden kann. Wenn Wasser mit so großer Wucht kommt, dann bleibt von der Infrastruktur nicht mehr viel übrig. Da können Stromleitungen freigelegt und Abwasserkanäle zur Gefahr mit reißender Strömung werden.

Was können Hauseigentümer in gefährdeten Gebieten tun, um für den Fall des Hochwasserfalles wenigstens ein bisschen vorbereitet zu sein?

Unter anderem gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz in seiner Broschüre "Vorsorge und Verhalten bei Hochwasser" wichtige Tipps und Verhaltensmaßregeln. Wer mehr wissen will, kann auch einfach im Internet schauen: www.bbk.bund.de sind viele wichtige Informationen zusammengestellt. Die können wichtig sein. Denn die vergangenen Wochen haben uns gezeigt: Die Feuerwehr hilft gerne - aber wir können aber nicht gleichzeitig überall sein.

Hochwasserschutz in Coburg

Flüsse Was die Itz angeht, ist der Froschgrundsee der große Hochwasserschützer für Coburg. Lauter und Sulz werden durch den Goldbergsee abgefangen. Für die übrigen kleineren Gewässer ist die Stadt selbst zuständig.

Rückhaltebecken Der Ketschenbach und der Wolfgangssee in Wüstenahorn sind neben dem Rottenbachspeicher (einer Flutmulde) die großen Rückhaltebecken im Stadtgebiet. "Die halten das Schlimmste ab", sagt Gerhard Knoch, Leiter des CEB und damit für den Gewässerunterhalt zuständig. Er sagt aber auch: "Alles im Griff hat man nie. Das sind Naturereignisse. Wir können nur versuchen, den Schaden so gering wie möglich zu halten."

Täler Auch in Coburg gibt es einige Täler, in denen das Wasser zusammenläuft. Knoch verweist aufs Motschental im Coburger Osten: Dort fließt der Ketschenbach, teilweise verrohrt. Diese Rohre, sagt Knoch, würden bei manchen Ereignissen auch an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit kommen. Das geschieht laut Karl Baier (Stadtplanungsamt) immer wieder beim Schützenteich: Dort läuft bei Starkregen mehr Wasser hinein als durch den Ablauf zur Itz hinaus kann.

Kanäle Das meiste Oberflächenwasser fließt in Coburg über die Regenwasserkanäle ab. Erst vor zwei Jahren wurden die Kanäle in der Leopoldstraße erneuer,t sagt Katarzyna Petzold von den SÜC. Problematisch werde es hier, wenn vom Hofgarten auch grobes Material heruntergespült werde.

Sturzflutenrisikomanagement Schon 2016 hat der Freistaat die Kommunen aufgefordert, Sturzflutenrisikomanagement-Pläne erarbeiten zu lassen. Bei der Stadt läuft gerade die Ausschreibung. Untersucht werden sollen Leopoldstraße, Anger, Weichengereuth und Hahnwiese. Der Plan sei das eine, sagt Baier. "Wenn man das umsetzt, kostet das Millionenbeträge."sb