Es sei wohl eine Frage der Zeit, gewesen, bis so etwas passiere, sagt Miriam Janthur. Die Försterin ist als Revierleiterin des Forstbetriebs Coburg der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) zuständig für das Waldgebiet Bausenberg. Dort ist der Kleinkrieg zwischen Mountainbikern und Spaziergängern auf einem neuen Level angekommen. Eine Frau wurde schwer verletzt.

Sturz

Das ältere Ehepaar wollte einen Spaziergang zur neu hergerichteten Ernstquelle unternehmen. Die beiden machten sich auf dem Pfad, der als Wanderweg C beschildert ist, auf den Weg. Immer wieder stießen sie auf Hindernisse, Äste und Holzstücke, die quer über den Pfad gelegt wurden. "Über die ersten zwei ist meine Frau noch gut drüber gekommen. Beim dritten ist sie gestolpert und gestürzt", beschreibt Herbert Gersbach. (Name von der Redaktion geändert) Es passierte am 17. September gegen 14.10 Uhr. Die 78-Jährige brach sich beide Unterarme und verletzte sich am Knie. Aus eigener Kraft konnte sie sich nicht mehr fortbewegen. Auch der Rettungsdienst konnte einen Transport nicht leisten. Es wurde die Bergrettung aus Kronach hinzugezogen, um die Frau ins Krankenhaus zu fahren.

"Vielleicht bringt dieser Vorfall denjenigen zum Nachdenken, der diese Fallen anlegt", sagt Miriam Janthur. Schließlich habe der sicher nicht beabsichtigt, eine ältere Dame schwer zu verletzten. Doch es müsse ihm klar sein, dass er bei den Mountainbikern ähnliche Verletzungen in Kauf nimmt, wenn er so handelt. Verletzungen oder schlimmeres, denn viele der Fallen sind schlicht lebensgefährlich.Die Hindernisse werden regelmäßig von Mitarbeitern des Forstbetriebs entfernt. Das gilt auch für die, die jetzt der Frau zum Verhängnis wurden. "Nach wenigen Tagen waren aber wieder welche da", sagt Herbert Gersbach.

Bekanntes Problem

Miriam Janthur kennt das Problem nur zu gut. Mountainbiker nutzen einige Pfade am Bausenberg als Downhillstrecken. Stellenweise legen sie sich Steilkurven und Sprungschanzen an. Es ist eine Trendsportart, mit dem Fahrrad steile Hänge hinunter zu fahren. Schnell soll es sein und es sollen interessante Herausforderungen wie Sprünge vorkommen. Erlaubte oder extra für die Biker angelegte Strecken gibt es nicht sehr häufig. So suchen sich die Downhiller selbst welche, peppen sie baulich auf und machen auf Internetplattformen bekannt, wo sie zu finden sind. Auf schmalen Pfaden kommen sich in der Folge Fußgänger und Downhiller in die Quere. "Auf Waldwegen ist das Fahrradfahren erlaubt, wenn sie geeignet sind. Das sind sie, wenn Begegnungsverkehr möglich ist", sagt Albert Schrenker, Leiter des Forstbetriebs Coburg der BaySF. Die schmalen Pfade am Bausenberg sind nicht geeignet. Entsprechend hat Miriam Janthur Verbotsschilder angebracht. Doch die werden nur zu gern missachtet. Die Downhiller kommen immer wieder - eine Ordnungswidrigkeit.

"Lebensgefährlich"

Um Abhilfe zu schaffen, glaubt nun offenbar jemand, zur Selbstjustiz greifen zu müssen. Immer wieder werden den Radfahrern Hindernisse in den Weg gelegt. Im Frühjahr erreichte das einen ersten Höhepunkt. "Es wurden junge Bäume von beiden Seiten des Pfades mit Draht verbunden", beschreibt Miriam Janthur das Vorgehen der Downhill-Gegner. Etwa auf Brusthöhe entstand so eine stabile Querverbindung, die jeden Radfahrer aus dem Sattel holen konnte, der sie nicht rechtzeitig erkennt. "Das ist lebensgefährlich", sagt die Försterin. Sie fand auch Nagelbretter, die vor Hindernissen der Mountainbiker angebracht wurden, und immer wieder quer über den Pfad gelegte Äste und Stämme. "Wir entfernen diese Dinge regelmäßig, aber es kann nicht jeden Tag jemand alle Wanderpfade abgehen. Dafür haben nicht genug Personal", sagt Miriam Janthur.

Ermittlungen

Der Wald soll allen offen stehen. Daher sagt Albert Schrenker: "Verbote sind nie schön. Es tut uns leid, wenn wir jetzt dazu greifen müssen." Der Wanderweg C wird nun für Radfahrer gesperrt.

Nach dem Unfall seiner Frau hat Herbert Gersbach Anzeige erstattet. Miriam Janthur ist mit den ermittelnden Polizeibeamten ständig in Verbindung. "Die Polizei nimmt das nicht auf die leichte Schulter", sagt sie. Denn nachdem jetzt jemand schwer verletzt wurde, liegt eine Straftat vor, die alles andere als ein Kavaliersdelikt ist.

"Ich werde auch noch eine Tafel aufstellen und an die Vernunft aller Beteiligten appellieren", sagt die Försterin. Und während Albert Schenker sagt: "Ich glaube halt immer noch an das Gute im Menschen" und hofft, dass nun Frieden im Bausenberg einkehrt, sagt Herbert Gersbach: "Manche können halt nicht so sehr weit denken."