Eher durch Zufall habe sie erfahren, dass der Rotlicht-Club ins Nachbarhaus mit der Nummer 26 zieht, erzählt Susan-Helen Reißenberger. Das habe sie überrascht. "Ich bin zwar nur Mieterin, aber ich hätte schon gern gewusst, was sich da nebenan tut." Immerhin handle es sich bei ihrem Friseursalon um ein alteingesessenes Geschäft und ob diese neue Nachbarschaft förderlich oder eher schädlich sei, müsse die Zukunft zeigen. Wie werde es vor ihrer Tür aussehen, wenn sich sie am Morgen um 8 Uhr öffnet? Darüber würde sie auch gern mal mit dem Betreiber des Nachtclubs sprechen.

Zur Beteiligung der Nachbarn im Vorfeld verweist Stadtbauamtsleiter Karl Baier auf die Architekten, deren Aufgabe es sei, sich mit Anwohnern und Hausbesitzern in der Nachbarschaft in Verbindung zu setzen. Aber: "Eine Verweigerung ist nicht möglich." Denn seit 2002 gilt Prostitution per Gesetz als Gewerbe wie jedes andere. Das heißt, eine sittliche Bewertung des Bauvorhabens kann jeder zwar für sich treffen - sie ist aber rechtlich nicht relevant. Das betrifft auch das Genehmigungsverfahren.

" Beim Oberen Bürglaß handelt es sich um ein Mischgebiet." Dort sind Bordelle oder bordellartige Betriebe zulässig - anders als in reinen oder allgemeinen Wohngebieten. Das bedeutet, die Kommune kann laut Bauplanungsrecht nichts gegen die Einrichtung des neuen Nachtclubs einwenden, sofern alle baurechtlichen Auflagen erfüllt werden.

Mischgebiet erlaubt Bordelle

"Es hätte noch die Möglichkeit gegeben, das Mischgebiet in ein Wohn- oder besonderes Gebiet umzuwandeln. Das aber hat der Bau- und Umweltsenat abgelehnt", sagt Karl Baier. Die Konsequenz wäre gewesen, dass auch andere gastronomische Einrichtungen keine Berechtigung mehr hätten, am Oberen Bürglaß zu bleiben. Und wie steht es um Parkplätze? Denn vor dem Haus, wie bisher, wird es keine geben. Der Inhaber des Clubs müsse selbstverständlich Flächen ausweisen. "Das musste aber auch der Besitzer der Spielothek, die es früher in der 26 gab."

Alter Standort wird aufgegeben

Betreiber des Nachtclubs ist Alfons Havenith - und das seit fast 20 Jahren. Auf Anfrage teilt er mit:  "Es ist sehr wohl auch mein Interesse, ein gutnachbarschaftliches Verhältnis zu schaffen beziehungsweise aufrechtzuerhalten." In den 20 Jahren, in denen er die Nachtbar führe, habe es nie Ärger mit der Nachbarschaft gegeben, im Gegenteil. "Dies wird sich auch nicht ändern." Sob ald das neue Etablissement fertig und der Pachtvertrag für die Räume am Oberen Bürglaß 29 a ausgelaufen sei, werde er sie an den Vermieter zurückgeben und die bisherige Nutzung auf das neue Objekt übertragen. Parkplätze stelle er auch zur Verfügung. Weil es hinter dem Haus mit der Nummer 26 auch einen Garten gibt und die Anwohner sich fragen, ob der auch einbezogen wird, ergänzt Alfons Havenith: "Eine Gartennutzung ist in Bezug auf den gewerblichen Bereich nicht vorgesehen."

Susan-Helen Reißenberger will nun abwarten, wie sich alles entwickelt und hofft auch auf gute Nachbarschaft.