Herausgerissen sind die Türen, notdürftig nur mit Spanplatten geschlossen oder provisorisch zugemauert. Längst wieder abgerissene Anbauten haben Spuren hinterlassen an der Fassade und erzählen von der wechselvollen Geschichte eines Gebäudes, das für viele Coburger noch als "Schricker-Villa" bekannt ist. Ein provisorischer Gang, ebenfalls aus Spanplatten errichtet, verbindet das zweigeschossige Gebäude mit dem vor wenigen Jahren errichteten Anbau der Rückertschule.

Wer heute an dieser Villa vorbeigeht, könnte denken, sie sei ein wenig in Vergessenheit geraten. Gleichwohl gibt es schon seit Jahren konkrete Pläne für das Gebäude. Denn im Zuge der Umsetzung der zweiten Ausbaustufe der Rückertschule sollen hier Bibliothek, Lehrerzimmer und Sekretariat untergebracht werden.

Sanierung 2023/2024 geplant

Nach langen Wartejahren hat nun der Bausenat endlich die Weichen gestellt für die Sanierung der Rückert-Schule und damit auch für die "Schricker-Villa", nachdem das zugehörige Konzept für die Villa bereits seit 2014 vorliegt. Die Schüler werden 2023/2024 in eine Container-Schule auf dem Platz der ehemaligen Dreifach-Halle am Anger umziehen (Tageblatt vom 14. Juli). Die Planung für die knapp 660 Quadratmeter Grundfläche in der "Schricker-Villa" war nach Angaben der Stadt "intensiv mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt" worden. Für die grundlegende Sanierung sind nach dem Beschluss im Bausenat 1,2 Millionen Euro vorgesehen.

Das ist viel Geld für ein Gebäude, das freilich in den Jahren des Leerstandes nicht komplett sich selbst überlassen war: "Das Gebäude wird regelmäßig begangen", versichert Louay Yassin als Pressesprecher der Stadt Coburg. Wichtige Vorgaben bei der Sanierung und dem Umbau hat das Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege in seiner Stellungnahme vom Februar 2015 unmissverständlich formuliert.

"Die Backsteinfassaden sind zu erhalten und zu reinigen", zitiert Yassin aus diesem Gutachten: "Das Fugenbild muss sich an den historischen Bestand anpassen, großflächige Störungen", die durch den 2011 erfolgten Abbruch späterer Anbauten nun auf der Südwest-Fassade und der Südost-Fassade zu sehen seien, "können überputzt und im Ziegelfarbton gefasst werden." Ästhetisches Ziel solle es sein, "den gefälligen Ziegelbau von 1883 wieder in seiner ursprünglichen Kubatur zu präsentieren."

Einige notwendige vorbereitenden Arbeiten im Vorfeld der Sanierung wurden immerhin bereits erledigt. Dazu gehörten nicht nur die notwendigen Abbrucharbeiten, sondern auch Ver- und Entsorgungsleitungen wurden bereits in den Keller verlegt.

Rund um die ehemalige "Schricker-Villa" in der Löwenstraße

Hintergrund In unserer Serie "Coburgs architektonische Mauerblümchen" stellen wir interessante Gebäude in Coburg vor, die eine spannende Geschichte erzählen können und eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen. Dabei spielt die Größe und die heutige Nutzung der jeweiligen Bauwerke keine vorrangige Rolle bei der Auswahl.

Geschichte Wie das unmittelbar an der Löwenstraße gelegene Gebäude mit der Hausnummer 22 wurde auch die dahinter liegende Villa durch Bernhard Brockardt auf einem Grundstück errichtet, das unmittelbar bis zur Itz reichte. Das ursprünglich eingeschossig angelegte Bauwerk war im Jahr 1883 von Bernhard Brockardt im Stil

der Neurenaissance errichtet und schon bald um eine Veranda erweitert und schließlich 1891 um eine zweite Etage aufgestockt worden. Im Jahr 1942 wurde die Villa zum Sitz einer Arztpraxis im Erdgeschoss. Weitere Umbauten und Veränderungen folgten, bevor es in den Besitz der Stadt Coburg überging. Nach dem Abriss der

Anbauten vor einigen Jahren ist die ursprüngliche Gestalt der Villa wieder unmittelbar sichtbar. Sichtbar freilich sind auch bis heute die Narben der Abrisse.

Walmdach Den Bau bedeckt ein Walmdach. Darunter versteht man ein Dach, das auch an den Giebelseiten geneigte Dachflächen besitzt.red