Die Corona-Pandemie hinterlässt viele Spuren. Vor dem Eingang von Galeria Karstadt Kaufhof sind es zum Beispiel zig aufgemalte Pfeile, die erahnen lassen, dass hier etwas nicht ganz normal ist. Aber: Die Pfeile helfen zumindest dabei, wieder für ein bisschen Normalität zu sorgen. Auch Coburgs größtes Kaufhaus nutzt seit Montag die Möglichkeit von "Click & Meet", das mitunter auch als "Termin-Shopping" bezeichnet wird. Was auf den ersten Blick fast so aussieht wie "normales Einkaufen", erfordert allerdings sehr viel mehr organisatorischen Aufwand als bloß das Aufmalen von Pfeilen.

Noch mal zur Erinnerung: Bei "Click & Meet" dürfen Kunden wieder in Geschäfte. Davon abgesehen, dass je nach Größe der Verkaufsfläche immer nur eine bestimmte Anzahl an Kunden erlaubt ist (im Kaufhof sind es aber immerhin 217!), muss der Termin für den Besuch vorher vereinbart werden - dieses "vorher" ist allerdings ein dehnbarer Begriff. So kann die Anmeldung auch erst unmittelbar vor Betreten des Geschäfts erfolgen.

Drei Türen stehen zur Auswahl

Bei Galeria Karstadt Kaufhof gibt es deshalb nicht nur aufgemalte Pfeile, die die Richtung vorgeben, sondern auch Eingangstüren mit klarer Zuordnung: Durch die ganz rechte sollen Kunden eintreten, die bereits einen Termin vereinbart haben; die zweite Tür von rechts ist für Kunden gedacht, bei denen noch eine Registrierung erforderlich ist; die zweite Tür von links ist geschlossen und dient sozusagen als Puffer, während die Tür ganz links als Ausgang dient.

Montag, kurz nach 12 Uhr: Ein älterer Mann betritt den Kaufhof - und wählt dafür prompt die Tür ganz links. Macht aber nichts, weil die Lage sowieso noch sehr ruhig ist. "Es muss sich erst noch herumsprechen, dass auch wir ,Click & Meet‘ anbieten", sagt Filialgeschäftsführer Sven Lotz. Ob es sich wirtschaftlich lohnt, kann deshalb noch niemand sagen. Doch sowohl Sven Lotz als auch den Mitarbeitern ist deutlich anzumerken, wie froh sie sind, überhaupt mal wieder Kunden im Haus begrüßen zu können.

Auch Wöhrl in der Ketschengasse bietet seit Montag die Möglichkeit von "Click & Meet" an. Wobei das Mode-Unternehmen insgesamt vor einer gewaltigen logistischen Herausforderung steht: Die 29 Wöhrl-Filialen verteilen sich nämlich auf Regionen, in denen drei verschiedene Stufen zu beachten sind, was den jeweiligen Inzidenzwert betrifft. So liegt beispielsweise der Inzidenzwert in Bamberg bereits so lange konstant unter 50, dass die Wöhrl-Filiale am Maximiliansplatz seit Montag wieder relativ regulär öffnen kann.

Die Stadt Coburg wiederum liegt beim Inzidenzwert zwischen 50 und 100, was zumindest "Click & Meet" ermöglicht. In Hof oder auch Amberg allerdings liegen die Inzidenzwerte noch über 100, weshalb auch weiterhin nur "Click & Collect" erlaubt ist.

Kurzum: Sieben Wöhrl-Häuser haben unter Einhaltung bestimmter Hygienevorschriften wieder geöffnet, 15 bieten "Click & Meet" an, sieben müssen sich auf "Click & Collect" beschränken. Und sobald sich die Inzidenzwerte entscheidend verändern, tritt eben von Standort zu Standort eine andere Regelung in Kraft. Das klingt anstrengend, und auch bei Wöhrl kann noch keiner sagen, ob sich der Aufwand lohnt. Aber Frank Elsner von der Unternehmenskommunikation verweist eben auch auf die psychische Seite: "Die Leute wollen wieder shoppen gehen - und unsere Mitarbeiter brennen darauf, dass sie endlich wieder Kunden bedienen können."

Gute Chance auf spontanes Shoppen

Das Telefon bei Schuh Mücke in Rödental klingelt ununterbrochen. Departement-Manager Marcel Knie freut sich, dass die Einkaufstermine so nachgefragt sind. "Dadurch ist es eigentlich wie immer bei uns im Geschäft", sagt er. Insgesamt können sich nämlich - aufgrund der großen Verkaufsfläche - 85 Kunden im Laden aufhalten. 75 im Damen und Herrenbereich, zehn in der Kinderabteilung. Jeder, der sich entweder online über die Homepage oder telefonisch anmeldet, hat dann eine Stunde und 20 Minuten Zeit, sich umzuschauen, auszusuchen und anzuprobieren.

Um an der Kasse Warteschlangen zu vermeiden, sind dafür dann nochmals zehn Minuten eingeplant. Wenn Kontingente frei sind, kann man sogar spontan Glück haben und an der Tür eingelassen werden. "Für den Kinderbereich ist das eher selten der Fall, da der stark ausgebucht ist, doch für die Damen- und Herrenabteilung bestehen gute Chancen, einfach zum Einkaufen - wie immer - gehen zu können. Voraussetzung ist aber natürlich das Tragen von Schutzmasken.

Termine telefonisch kurzfristig vereinbaren

Von den "Großen" zu einer "Kleinen": Kristina Hackert hat bisher schon "Click & Collect" angeboten: Ihr Wollegeschäft "Umgarnt" in der Judengasse verfügt seit jeher über einen Onlineshop. Der sei während der Schließungsphase gut von Kunden aus Coburg und Umgebung angenommen worden, erzählt sie.

Allerdings galten fürs Abholen nur eingeschränkte Zeiten. Doch kaum kam "Call & Meet", hat auch Kristina Hackert die Öffnungszeiten erweitert: Montag von 11 bis 18 Uhr, Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr sind Termine zum Stöbern möglich. Allerdings nur telefonisch. "Je, nachdem, was der Kunde will: Manche wissen genau, welche Wolle sie brauchen, andere möchten vielleicht stöbern und eine Beratung." Auch das Blättern in den zahlreichen Strickmagazinen sei dann wieder möglich. Denn Strickgarne "muss man sehen und anfassen können".

Ein großes organisatorisches Problem seien die erweiterten Öffnungszeiten nicht, erzählt die Geschäftsfrau. "Wir sind ohnehin da." Bestellungen wollen verpackt werden, und außerdem steht zum Frühjahr der Sortimentswechsel an, von der warmen Wolle hin zu leichteren Garnen wie Baumwolle und Leinen.

Da ist noch einiges umzuräumen. "Ich bin gespannt, wie das Click & Meet anläuft", sagt sie. "Ich glaube, viele wollen einfach auch mal wieder an Regalen vorbeilaufen, sich inspirieren lassen und mal etwas anderes sehen als Lebensmittel." Und: Telefonisch lassen sich die Termine auch kurzfristig vereinbaren - wenn niemand im Geschäft ist, sogar direkt vor der Ladentür. Die Telefonnummer klebt auch hier, wie fast überall, an der Scheibe.