Es gibt viele Gründe, warum ein junger Mensch mal nicht am Handy erreichbar ist. Bei "WhatsApp", einer Art Plattform zum kostenlosen Verschicken von Kurznachrichten per Handy, kann deshalb ganz individuell der aktuelle Status vermerkt werden: zum Beispiel "Bin im Kino", "auf der Arbeit" oder "beim Lernen". Auch so mancher Schüler der Klasse 8b der Staatlichen Realschule CO   I hat am Montagvormittag noch schnell seinen Status bei "Whats App" geändert - schließlich muss die Außenwelt doch wissen, warum jetzt sieben Tage lang Funkstille herrschen wird.

"Ich hab als Status ,Eine Woche ohne Handy' eingegeben", erklärt ein Junge und informiert damit natürlich sehr genau.
Ein anderer bevorzugt die augenzwinkernde Variante: "Bei mir steht auf WhatsApp jetzt: Ich schlafe!" Und aufgewacht wird sozusagen erst wieder nächsten Montag.

An diesem Montag hat es also begonnen: Das Experiment "Eine Woche ohne Handy", auf dessen Verlauf vor allem auch die beiden Aktionspartner Coburger Tageblatt und Radio Eins gespannt sind. Bevor Moderator Thomas Apfel gestern - mit einem leicht verschmitzten Blick - sämtliche Mobiltelefone einsammelte, durften allerdings noch reichlich "Abschieds"-Kurznachrichten verschickt werden. Manche Freunde sollen eben nicht bloß in Form von einer Status-Änderung über die ab sofort "anderen Umstände" informiert werden.

Es lebe die Zeitung!

Der Abschied von den kleinen Geräten fällt schwer - ganz offensichtlich. Ein Mädchen schlägt gar die Hände vors Gesicht, als sie ihr Handy in die große Plastikbox gelegt hat. Doch sie wird getröstet: "In einer Woche hast Du es doch schon wieder!" Und in dieser Zeit wird so viel passieren, was sie hoffentlich von diesem (befristeten) Verlust ablenkt. Im Deutsch-Unterricht mit Klassenlehrerin Ulrike Wentker zum Beispiel geht es aktuell passenderweise um das Thema Tageszeitung. Ja, es gibt auch noch Nachrichten, die auf Papier gedruckt werden!

Allen voran CO   I-Schulleiterin Susanne Carl wirbt dafür: Sie gerät sogar regelrecht ins Schwärmen, als sie davon berichtet, wie schön es doch ist, beim Lesen auch Papier knistern zu hören oder den ganz typischen Duft von Zeitungspapier zu riechen. Aber auch die bloße Nachricht bekommt doch einen ganz anderen Wert, wenn sie Schwarz auf Weiß da steht und nicht nur irgendwo in den Untiefen des Worl-Wide-Web umherschwirrt. Bestes Beispiel: der "Tageblatt"-Bericht über die Handy-Aktion der Klasse 8b. Viele Schüler hatten ihn auch schon auf www.infranken.de gelesen.

Doch wenn sie den Artikel richtig in Händen halten können, ist das doch noch einmal etwas ganz anderes. Es ist nicht mehr ein Artikel von zig Millionen im Internet - sondern einer von ganz wenigen, die es am Samstag so groß in die Zeitung geschafft haben.

Ja, und auch darauf freuen wir uns in der handylosen Zeit, die gestern begonnen hat: dass in einer längst reizüberfluteten Welt auch wieder Werte erkannt werden können.